Die schönsten Orte der Welt: meine persönliche Auswahl ohne Ranking

by Sascha Tegtmeyer | Sep. 2, 2025

Die schönsten Orte der Welt lassen sich nicht objektiv sortieren. Meine Auswahl umfasst nur Orte, die ich selbst bereist habe und an die ich mich nicht bloß wegen eines perfekten Fotos erinnere: die Malediven, Mauritius, die Similan- und Surin-Inseln, Ao Sane auf Phuket, Koh Phangan, Fieberbrunn, Key West und Ägypten. Jeder dieser Orte ist stark – und jeder hat eine Seite, die auf Hochglanzbildern leicht verschwindet.

Ich glaube nicht mehr an Listen, die Rom gegen ein Atoll und einen Bergsee gegen New York antreten lassen. Schönheit entsteht für mich aus Landschaft, Licht, Bewegung und dem Gefühl, wie ein Ort den eigenen Tagesrhythmus verändert.

Deshalb ist dies kein Welt-Ranking. Es ist eine persönliche Karte aus vielen Reisejahren.

Nach welchen Kriterien ein Ort in diese Liste kommt

Ein schöner Ort muss für mich vier Prüfungen bestehen:

  1. Ich war selbst dort. Keine geliehene Begeisterung, keine Stockfoto-Erfahrung.
  2. Der Ort funktioniert außerhalb eines einzelnen Bildausschnitts. Ich erinnere mich an Wege, Geräusche, Wasser, Wetter oder Begegnungen.
  3. Es gibt einen Grund zurückzukehren. Nicht aus Pflicht, sondern aus echter Neugier.
  4. Die Schattenseite bleibt sichtbar. Preis, Anreise, Dichte, Wetter oder Umweltbelastung gehören zum Ort.

Diese Kriterien bevorzugen keine bestimmte Reiseart. Ein stiller Morgen in einer Lagune kann ebenso stark sein wie ein Aufstieg in den Alpen oder eine Fahrradtour durch Key West.

1. Malediven: Schönheit als radikale Reduktion

Auf einer Malediveninsel wird die Welt klein. Strand, Vegetation, Steg, Lagune und Riff passen in einen überschaubaren Tageskreis. Für mich liegt genau darin die Wirkung.

Steg und türkisfarbene Lagune auf den Malediven
Auf den Malediven beginnt Schönheit für mich dort, wo ich morgens nur wenige Schritte bis ins warme Wasser brauche. Foto: Sascha Tegtmeyer

Ich bin morgens barfuß über warme Holzplanken zum Wasser gegangen und wenige Augenblicke später in einer Lagune geschwommen, die unter mir fast durchsichtig wirkte. Später kam Schnorcheln oder SUP hinzu. Der Tag brauchte keine Route.

Klares Wasser in einer Maledivenlagune
Lagune, Hausriff und viel Zeit im Wasser machen die Malediven zu einem meiner stärksten Reiseorte. Foto: Sascha Tegtmeyer

Die Schattenseite: Eine Resortinsel kann teuer, räumlich begrenzt und weit vom Alltag der Malediver entfernt sein. Das Hausriff kann beschädigt sein, Transfer und Verpflegung treiben den Endpreis, und Tierbegegnungen sind nie garantiert.

Für wen passt der Ort? Für Menschen, die Wasserzeit, Ruhe und einen kleinen Radius als Gewinn erleben. Mein ausführlicher Malediven-Reisebericht hilft bei der Wahl zwischen Inseltypen und Reisestilen.

2. Mauritius: eine Insel, die sich nicht auf Strände reduzieren lässt

Mauritius hat mich gerade deshalb überzeugt, weil die Insel ihr schönstes Bild ständig wechselt. Küste und Lagune sind präsent. Dahinter liegen Berge, Orte, Zuckerrohrfelder, Straßen und ein Alltag, der nicht für Reisende arrangiert ist.

Tropische Küste auf Mauritius
Mauritius überzeugt mich nicht nur mit Stränden, sondern mit dem Wechsel aus Küste, Bergen, Orten und Begegnungen. Foto: Sascha Tegtmeyer

Mit dem Mietwagen konnte ich diese Übergänge erleben. Ein Tag führte an die Nordküste, ein anderer in Richtung Black River Gorges oder in den Süden. Die Schönheit lag nicht nur am Ziel, sondern in der Veränderung zwischen den Regionen.

Die Schattenseite: Verkehr und Linksverkehr verlangen Konzentration. Manche Küstenabschnitte sind stark bebaut, beliebte Orte können voll sein und ein Hotelstandort entscheidet über lange Fahrzeiten.

Für wen passt der Ort? Für Reisende, die Strand und Erkundung verbinden möchten. Mein Reisebericht über Mauritius geht wesentlich tiefer.

3. Similan und Surin: die stärkste Perspektive liegt unter Wasser

Die Inseln in der Andamanensee sehen von oben nach Tropenklassiker aus. Für mich beginnt ihre eigentliche Größe beim Abtauchen.

Tauchboot bei den Similan Islands in Thailand
Die Similan Islands gehören für mich vor allem unter Wasser in diese Auswahl. Eine Tauchsafari verlangt jedoch Seefestigkeit, Enge und frühe Tagesstarts. Foto: Sascha Tegtmeyer

Auf einer Tauchsafari wechseln Tauchplätze, Licht und Strömung mehrmals am Tag. An Richelieu Rock und in der weiteren Region habe ich eine Dichte an Fisch erlebt, die den Blick fast überfordert. Hier wird ein Ort nicht über eine Skyline erinnert, sondern über Bewegung im Wasser.

Die Schattenseite: Eine Tauchsafari ist kein bequemer Inselurlaub. Frühe Starts, kleine Kabinen, Seegang, nasse Ausrüstung und mehrere Tauchgänge täglich gehören dazu. Schutzregeln, saisonale Öffnungen und Betreiberqualität müssen aktuell geprüft werden.

Für wen passt der Ort? Für ausgebildete Taucher, die das Leben an Bord mögen und ihre Erfahrung realistisch einschätzen.

4. Ao Sane auf Phuket: Charakter statt Katalogperfektion

Ao Sane ist klein, felsig und von Vegetation eingerahmt. Genau deshalb blieb mir die Bucht stärker in Erinnerung als manche längere, makellosere Sandfläche.

Felsige Bucht am Ao Sane Beach auf Phuket
Ao Sane ist kein makelloser Katalogstrand. Gerade die kleine, felsige Bucht hat für mich mehr Charakter als manche perfekte Kulisse. Foto: Sascha Tegtmeyer

Ich mag Orte, die nicht jede Unebenheit wegerklären. Am Ao Sane liegen Felsen im und am Wasser, die Bucht ist kompakt, und ein Strandtag fühlt sich anders an als in den großen Ferienorten der Westküste.

Die Schattenseite: wenig Platz, ein weniger einfacher Badeeinstieg und möglicherweise wechselnde Zugangsbedingungen. Wer einen breiten Familienstrand mit vollständiger Infrastruktur sucht, ist in Nai Harn wahrscheinlich besser aufgehoben.

Für wen passt der Ort? Für Reisende, die kleine Buchten und Struktur unter Wasser mögen. In meinem Beitrag über die schönsten Strände auf Phuket ordne ich die Alternativen nach Nutzung.

5. Koh Phangan: eine Insel jenseits ihres Partybildes

Koh Phangan wird häufig auf die Full Moon Party reduziert. Meine Erinnerungen liegen an ruhigeren Stränden, auf Inselwegen und im warmen Wasser des Golfs von Thailand.

Ruhiger Strand auf Koh Phangan in Thailand
Koh Phangan kann abseits der bekannten Partyorte überraschend ruhig sein. Inselwege und Saisonalität gehören trotzdem zur Planung. Foto: Sascha Tegtmeyer

Eine Insel wirkt anders, wenn du nicht nur für ein Ereignis anreist. Kleine Buchten, bewaldete Hänge und unterschiedliche Orte ergeben einen Rhythmus, der sich über mehrere Tage erschließt.

Die Schattenseite: Straßen, Rollerunfälle, saisonales Wetter und die Unterschiede zwischen den Küsten werden leicht unterschätzt. Ich würde nicht allein wegen der vermeintlichen Freiheit einen Motorroller mieten, wenn Erfahrung oder Lizenz fehlen.

Für wen passt der Ort? Für Menschen, die eine thailändische Insel länger als einen Partytermin erleben möchten.

6. Fieberbrunn: Schönheit, die man sich erlaufen kann

Die Alpen wirken auf Fotos monumental. Vor Ort entsteht ihre Wirkung für mich aus Maßstab und Bewegung. Ein Hang, der morgens nah aussieht, wird während des Aufstiegs zu einer echten Strecke. Wolken öffnen und schließen den Blick.

Alpenlandschaft bei Fieberbrunn
In Fieberbrunn entsteht Schönheit aus Bewegung: aufsteigen, Wetter lesen und sich den Blick erarbeiten. Foto: Sascha Tegtmeyer

Ich liebe tropisches Wasser. Trotzdem macht mich ein plötzlich sichtbarer Bergrücken still. In Fieberbrunn und im PillerseeTal liegt Schönheit nicht nur am Aussichtspunkt, sondern im Weg dorthin.

Die Schattenseite: Wetter kann einen Plan vollständig verändern. Kondition, Ausrüstung und Route müssen zusammenpassen. Wer Berge nur als Fotohintergrund möchte, wird den Aufwand möglicherweise nicht genießen.

Für wen passt der Ort? Für Reisende, die Bewegung als Teil der Erholung verstehen. Meine Tipps zum Wandern in Fieberbrunn helfen bei der Planung.

7. Key West: tropisches Licht mit amerikanischer Eigenart

Key West ist weder still noch günstig. Die Insel hat Verkehr, Kreuzfahrtpublikum, Bars und eine bewusst gepflegte Legende. Gerade diese Mischung macht sie eigen.

Straße mit Fahrrädern und bunten Häusern in Key West
Key West verbindet tropisches Licht, amerikanischen Alltag und eine gewisse Schrulligkeit – reizvoll, aber weder still noch günstig. Foto: Sascha Tegtmeyer

Ich erinnere mich an Fahrräder, bunte Häuser, Palmen und das Licht am südlichen Ende der Florida Keys. Der Ort fühlt sich nicht wie ein neutraler Strandurlaub an, sondern wie eine kleine Stadt mit tropischem Rand.

Die Schattenseite: Preise, Besucherzahlen, Hitze und die lange Anfahrt über die Keys. Wer nur einen leeren Karibikstrand sucht, wird mit einer anderen Insel glücklicher.

Für wen passt der Ort? Für Roadtrip-Reisende, die Landschaft, Architektur und eigenwillige Stadtgeschichte verbinden möchten.

8. Ägypten: Rotes Meer und historische Tiefe

Ägypten gehört für mich in diese Auswahl, weil zwei völlig verschiedene Dimensionen nebeneinanderliegen. Unter Wasser prägen Korallenriffe, Wracks und Meerestiere die Reise. An Land steht eine Geschichte, die den Maßstab des eigenen Alltags verschiebt.

Historische Stätte in Ägypten
Ägypten verbindet für mich das Rote Meer mit einer historischen Dimension, die weit über den Resorturlaub hinausgeht. Foto: Sascha Tegtmeyer

Meine stärksten persönlichen Erfahrungen liegen am Roten Meer: Tauchen, Schnorcheln und die trockene Wüstenlandschaft direkt hinter der Küste. Kulturorte wie Kairo oder Luxor verlangen eine andere Reiseplanung und sollten nicht als überladener Tagesausflug an jeden Badeurlaub geklebt werden.

Die Schattenseite: dynamische Sicherheitslage, Verkehr, Hitze, lange Transfers und große Qualitätsunterschiede bei Ausflugs- und Bootsangeboten.

Für wen passt der Ort? Für Reisende, die eine klare Region und Reiseart wählen. Meine Insider-Tipps für einen Ägypten-Urlaub am Roten Meer trennen diese Optionen.

Welcher dieser Orte passt zu welchem Reisestil?

ReisestilMeine erste WahlWarum
Ruhe und WasserMaledivenkleiner Radius, Lagune und Riff
Insel mit Mietwagen erkundenMauritiusstarke regionale Wechsel
intensive TauchreiseSimilan und Surinmehrere Tauchplätze, Leben an Bord
kleine BuchtAo SaneFelsen, Vegetation und Charakter
thailändischer InselaufenthaltKoh Phanganverschiedene Küsten und längerer Rhythmus
Wandern und BergeFieberbrunnder Weg ist Teil des Erlebnisses
Roadtrip und StadtatmosphäreKey WestFlorida Keys, Architektur und tropisches Licht
Tauchen plus KulturkontextÄgyptenRotes Meer und historische Dimension

Ein Ort wird nicht besser, weil er auf einer globalen Liste steht. Er wird besser gewählt, wenn die Reiseform zu dir passt.

Wie ich neue schöne Orte finde

Ich suche nach Aktivitäten, nicht nur nach Sehenswürdigkeiten

„Wo kann ich morgens direkt schnorcheln?“ führt zu anderen Ergebnissen als „schönste Insel“. „Welche Wanderung passt zu meinem Niveau?“ ist hilfreicher als „Top Ten Aussichtspunkte“.

Ich prüfe die schlechten Tage

Wie funktioniert der Ort bei Regen, Wind oder Müdigkeit? Gibt es Alternativen, oder hängt die gesamte Reise an einem einzigen Bild?

Ich lese Karten vor Bewertungen

Entfernungen, Küstenform, Höhenlinien und Lage der Unterkunft erklären viele spätere Beschwerden. Ein Traumstrand in zwei Stunden Entfernung ist kein Hotelstrand.

Ich lasse freie Zeit

Die besten Orte brauchen nicht zwangsläufig mehr Programmpunkte. Häufig brauchen sie einen zweiten Morgen.

Meine Anti-Liste: Was Schönheit für mich nicht beweist

  • ein einzelnes Drohnenfoto;
  • ein menschenleerer Bildausschnitt;
  • der Begriff „Geheimtipp“;
  • eine hohe Hotelkategorie;
  • eine garantierte Tierbegegnung;
  • ein Ranking ohne erkennbare Kriterien;
  • ein Ort, den der Autor nie selbst besucht hat.

Ein ehrlicher Reisebericht darf sagen, dass eine großartige Landschaft teuer, anstrengend oder voll ist. Die Schattenseite nimmt dem Ort nichts. Sie hilft nur dabei, dass die richtigen Menschen hinfahren.

Mein Fazit: Schönheit ist persönlich, aber nicht beliebig

Ich kann nicht beweisen, dass die Malediven schöner sind als Mauritius oder dass Ao Sane gegen Key West gewinnt. Diese Vergleiche ergeben für mich keinen Sinn.

Ich kann erklären, warum die Orte geblieben sind: die Reduktion einer Malediveninsel, die wechselnden Landschaften von Mauritius, die Fischdichte der Andamanensee, die Felsen am Ao Sane, die Wege in Fieberbrunn, das Licht von Key West und die zwei Ebenen Ägyptens über und unter Wasser.

Das ist subjektiv. Es ist trotzdem nachvollziehbar, weil die Auswahl aus eigener Erfahrung, klaren Kriterien und ehrlichen Einschränkungen besteht.

Welcher Ort ist für dich schön geblieben, obwohl – oder gerade weil – er nicht perfekt war?

Erfahrungs- und Faktenstand: 3. August 2026. Einreise, Saison, Schutzregeln, Sicherheit und konkrete Bedingungen für jedes Reiseziel vor der Reise aktuell prüfen.

Über Sascha Tegtmeyer

Über Sascha Tegtmeyer

Reisejournalist, Autor und Gründer von Just Wanderlust

Ich schreibe auf Just Wanderlust aus eigener Reiseerfahrung über Orte, Meer und Outdoor-Abenteuer. Mehr über mich und meine Arbeit.

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