Seekuh in Ägypten: Meine Begegnung mit dem Dugong von Marsa Alam

by Sascha Tegtmeyer | Mai 1, 2025

Beim ersten Mal sah ich die Seekuh nach meiner Erinnerung ungefähr eine Minute. Beim zweiten Mal suchten wir fast eine Stunde in einer großen Bucht bei Marsa Alam, bis plötzlich ein dunkler Körper über den Sand glitt. Aus dem Schatten wurde ein Dugong – und aus der erhofften Sichtung eine Begegnung, über die ich heute etwas anders denke als damals. Ich hatte eine große Unterwasserkamera dabei. Heute würde ich sie in den ersten Sekunden hängen lassen und zunächst wahrnehmen, was da gerade vor mir passiert.

Für eine gezielte, aber niemals planbare Chance auf eine Seekuh würde ich in Ägypten die Region Marsa Alam wählen. Besonders bekannt sind die Seegrasbuchten Abu Dabbab und Marsa Mubarak nahe Port Ghalib. Diese Standortwahl verbessert die Ausgangslage. Sie macht aus einem Wildtier aber keinen Programmpunkt und erst recht keine garantierte Sichtung.

Kannst du dort mit einem Dugong schnorcheln? Die vorsichtigste Antwort lautet: Wenn ein Tier bereits gesichtet wurde und du noch nicht im Wasser bist, solltest du nicht automatisch nur wegen dieser Sichtung hineingehen. Das CMS-Dugong-Abkommen empfiehlt bei einer Interaktion im Allgemeinen, nicht ins Wasser zu gehen und Dugongs weder zu berühren noch zu füttern. Taucht ein Dugong während eines ohnehin laufenden Schnorchelgangs auf oder wird vor Ort eine rechtmäßige geführte Beobachtung im Wasser angeboten, gelten die aktuellen lokalen Regeln – und ein klarer Grundsatz: Abstand halten, den Weg zur Oberfläche freilassen und die Begegnung nicht erzwingen.

Ich habe Dugongs 2015 am Hausriff des Three Corners Equinox und 2021 in Marsa Mubarak erlebt. Dieser Beitrag verbindet beide Erfahrungen mit dem, was ich aus heutiger Sicht anders machen würde. Er ordnet Marsa Mubarak und Abu Dabbab knapp ein, hilft dir bei der Einschätzung einer Tour und bei der wichtigsten Entscheidung überhaupt: ob deine Anwesenheit das Tier in Ruhe lässt.

Wo kann man eine Seekuh in Ägypten sehen?

Für eine gezielte, weiterhin ungewisse Chance würde ich die südliche Küste um Marsa Alam eher wählen als Hurghada oder Sharm el-Sheikh. Dugongs fressen Seegras. Entscheidend sind deshalb nicht spektakuläre Steilriffe, sondern flache Sand- und Seegrasflächen, an denen die Tiere Nahrung finden können.

  • Marsa Mubarak: eine große Bucht nahe Port Ghalib, in der ich 2021 einen Dugong gesehen habe. Die weite Wasserfläche macht die Beobachtung zugleich zu einer konditionellen Aufgabe.
  • Abu Dabbab: eine bekannte Seegrasbucht nördlich von Marsa Alam. Neben möglichen Dugong-Sichtungen gehören Grüne Meeresschildkröten zu den prägenden Beobachtungen dieses Lebensraums.
  • Hausriffe und geeignete Küstenabschnitte der Region: Meine erste Sichtung hatte ich 2015 am Hausriff des Three Corners Equinox nahe Abu Dabbab – nicht während einer Tour mit einem auffälligen Sichtungsversprechen.
Schnorchler suchen über dem sandigen Meeresboden von Marsa Mubarak nach einer Seekuh
Fast eine Stunde suchten wir die weite Bucht ab. Seegrasflächen und Sandgrund sind der Lebensraum, ein Dugong bleibt trotzdem leicht zu übersehen. Foto: Sascha Tegtmeyer

Das sind Suchräume, keine Tagesprognosen. Ein Dugong kann in einer Bucht fressen, längst weitergezogen sein oder sich überhaupt nicht zeigen. Wer einen Ausflug allein wegen einer versprochenen Prozentzahl bucht, kauft eine Erwartung, die ein seriöser Anbieter bei einem Wildtier nicht erfüllen kann.

Meine erste Dugong-Begegnung 2015: kurz und unvollendet

2015 wohnte ich im Three Corners Equinox nahe Abu Dabbab. Am Hausriff rief ein anderer Schnorchler, dass eine Seekuh im Wasser sei. Ich nahm meine Kamera und ging so schnell wie möglich hinein. Zunächst erkannte ich nur einen großen Schatten auf dem Grund. Dann kam das Tier zum Atmen an die Oberfläche und verschwand wieder in Richtung offenes Wasser.

Nach meiner Erinnerung dauerte diese erste Begegnung ungefähr eine Minute. Gerade deshalb blieb sie hängen. Ich hatte genug gesehen, um die Größe und die ruhigen Bewegungen des Tieres zu begreifen, aber zu wenig Zeit, um mich wirklich auf den Moment einzulassen. Aus einem glücklichen Zufall wurde der Wunsch, noch einmal einen Dugong zu sehen – diesmal ohne die Hektik der ersten Sekunden.

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Meine kurze erste Dugong-Sichtung 2015 am Hausriff des Three Corners Equinox.

Marsa Mubarak 2021: Erst die Schildkröten, dann der Schatten

Sechs Jahre später war der Wunsch noch da. Während unseres Aufenthalts im Three Corners Fayrouz erzählte uns eine Urlauberin, sie habe am Vortag in Marsa Mubarak einen Dugong gesehen. Ihr praktischer Tipp lautete, früh oder spät zu gehen, wenn weniger Menschen in der Bucht sind. Weniger Betrieb kann die Beobachtung ruhiger machen. Eine höhere Sichtungswahrscheinlichkeit lässt sich daraus nicht ableiten.

Bei unserer eigenen Suche war es früher Abend. Eine größere Gruppe war bereits abgefahren, das Wasser lag ruhig, und wir gingen mit unserer Schnorchelausrüstung vom Ufer aus ins Meer. Der Sandgrund wirkte aus der Entfernung fast leer. In der mittleren Seegraszone sahen wir große Schildkröten, einzelne Fische und dunklere Flächen am Boden. Nach fast einer Stunde wollten wir bereits umkehren.

Dunkler Schatten eines Dugongs im blauen Wasser von Marsa Mubarak
Die Schrecksekunde hielt nur kurz: Der große dunkle Schatten war kein Hai, sondern der gesuchte Dugong. Foto: Sascha Tegtmeyer

Dann schoss seitlich ein massiger Schatten durch mein Blickfeld. Für einen Augenblick dachte ich an einen großen Hai. Die Silhouette passte jedoch nicht: kein spitzer Körper, keine Rückenflosse, dafür ein runder Rücken und die waagerechte Schwanzflosse eines Meeressäugers. Die Seekuh war da.

Wir konnten den Dugong ungefähr eine halbe Stunde beobachten. Er suchte mit der Schnauze im Seegras nach Nahrung, zog über den Grund und stieg zum Atmen auf. Ich hörte meinen eigenen Atem deutlich im Schnorchel und beim Auftauchen das Plätschern an der Oberfläche. Aus der Nähe erkannte ich die Borsten an der Schnauze und Spuren sowie Blessuren auf der Haut, ohne ihren Ursprung beurteilen zu können.

Nach meiner Erinnerung war ich zeitweise nur etwa ein bis zwei Meter entfernt. Ich nahm die Situation so wahr, dass der Dugong auf mich zukam und nicht umgekehrt. Das ist eine persönliche Erinnerung, keine vermessene Distanz und keine Empfehlung. Entscheidend ist rückblickend nicht, wer den letzten Meter geschlossen hat, sondern ob ich dem Tier genug Raum ließ. Eine so geringe Entfernung würde ich heute nicht mehr als Ziel oder Qualitätsmerkmal einer Begegnung darstellen.

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Der Dugong von Marsa Mubarak beim Fressen über dem Seegras.

Kann ich mit einem Dugong schnorcheln? Die ehrliche Antwort

Wenn du mit dieser Frage meinst, ob du nach einer Meldung über eine Seekuh gezielt ins Wasser springen solltest, ist die vorsorgliche Antwort klar: eher nicht. Das CMS-Dugong-Abkommen vertritt den Grundsatz, bei einer Interaktion im Allgemeinen nicht ins Wasser zu gehen und die Tiere weder zu berühren noch zu füttern. Das ist strenger als manches touristische Angebot am Roten Meer, und genau dieser Widerspruch sollte nicht weichgezeichnet werden.

Die praktische Situation kann trotzdem anders aussehen: Du bist bereits beim normalen Schnorcheln im Wasser, ein Dugong taucht unerwartet auf, oder ein Anbieter führt im Rahmen der aktuellen lokalen Regeln eine Beobachtung im Wasser durch. Dann wird aus der Frage nach dem Ob eine Frage nach dem Wie. Die Begegnung darf nicht zur Verfolgung werden.

In meinem alten Bericht klang das Hinterherpaddeln noch wie ein Teil des Abenteuers. Das würde ich heute nicht mehr so erzählen und erst recht nicht empfehlen. Ich will dabei auch nicht so tun, als hätten nur andere Urlauber ein Problem verursacht. Ich wollte den Dugong selbst sehen, hatte eine große Kamera dabei und wollte Bilder machen. Meine heutige Haltung ist deshalb keine moralische Belehrung von oben, sondern die Korrektur meines eigenen Verhaltens.

Meine Regeln für eine rücksichtsvolle Begegnung

  1. Nicht allein wegen der Sichtung ins Wasser drängen: Wenn du noch an Land oder an Bord bist, orientiere dich am vorsorglichen CMS-Grundsatz und an den aktuellen lokalen Anweisungen. Eine Meldung über einen Dugong ist kein automatisches Startsignal.
  2. Nicht auf den Dugong zuschwimmen, ihn verfolgen oder einkreisen: Bleibe ruhig und lass das Tier seine Richtung bestimmen. Schwimme nicht hinterher, wenn es Abstand aufbaut, und beteilige dich nicht an einer Gruppe, die den Dugong umringt.
  3. Beim Fressen nicht stören und den Weg zur Oberfläche freilassen: Positioniere dich nicht zwischen Dugong und Wasseroberfläche. Tauche nicht direkt über dem Tier hinunter und nähere dich nicht weiter, wenn es frisst oder zum Atmen aufsteigt.
  4. Nicht berühren oder füttern: Auch ein ruhig wirkendes Tier bleibt ein Wildtier. Nähe, Berührung und ein Foto aus Armlänge machen die Begegnung nicht besser.
  5. Bei Mutter und Kalb besonders viel Raum lassen: Der VESS-Leitfaden nennt für Mutter und Kalb mindestens fünf Meter Abstand. Er wurde für Vanuatu entwickelt; diese Distanz ist deshalb ein allgemeiner Vorsichtsmaßstab und kein ägyptisches Ortsrecht.
  6. Im Zweifel mehr Abstand: Sobald du den Eindruck hast, dass der Dugong wegen deiner Anwesenheit Richtung oder Verhalten verändert, schaffe Raum und beende die Annäherung.
  7. Lokale Zonen und Regeln respektieren: Bojen, gesperrte Seegrasflächen, Guide-Anweisungen, Bootsregeln und aktuelle Zugänge stehen über dem Wunsch nach einem Bild.
Dugong frisst Seegras am sandigen Grund von Marsa Mubarak
Beim Fressen zieht der Dugong mit der Schnauze durch das Seegras. Wer ruhig bleibt und Abstand hält, verringert das Risiko, dieses Verhalten zu unterbrechen. Foto: Sascha Tegtmeyer

Die wichtigste Kontrolle bleibt einfach: Verändert das Tier möglicherweise wegen mir sein Verhalten? Wenn die Antwort nicht sicher Nein lautet, bin ich zu nah oder zu aufdringlich. Beim nächsten Mal würde ich außerdem zuerst den Moment wahrnehmen und erst danach fotografieren. Die Kamera läuft nicht weg. Der Dugong schon.

Marsa Mubarak und Abu Dabbab: meine knappe Einordnung

Marsa Mubarak: viel Fläche und eine echte konditionelle Aufgabe

Marsa Mubarak war für mich die persönlichere Begegnung, aber auch die anstrengendere Suche. Die Bucht ist groß, und vom Wasser aus fehlt die Übersicht. Bei meinem Besuch hielten sich der Dugong und große Schildkröten in der mittleren Seegraszone auf. Das beschreibt meine damalige Beobachtung, ist aber keine Suchanleitung für einen anderen Tag. Ein Wildtier kann die Futterfläche wechseln oder die Bucht ganz verlassen.

Gute Schwimmkondition, ein Buddy und ein konservativer Wendepunkt sind wichtiger als Ausdauer um jeden Preis. Wer nach langer Suche erschöpft ist, muss den Rückweg trotzdem noch bewältigen.

Weite Sand- und Seegrasfläche unter Wasser in der Bucht Marsa Mubarak
Marsa Mubarak ist weitläufiger, als sie vom Ufer wirkt. Ohne Ortskenntnis und klaren Wendepunkt kann aus der Suche ein langer Rückweg werden. Foto: Sascha Tegtmeyer

Prüfe vor dem Einstieg Wind, Wellen, Bootsverkehr, den aktuellen Zugang und die Hinweise deiner Unterkunft oder eines seriösen Anbieters. Wege, Zuständigkeiten und Nutzungsregeln können sich ändern. Eine ältere Wegbeschreibung aus einem Blog ersetzt deshalb keine aktuelle Information vor Ort.

Abu Dabbab: bekannter und leichter einzuordnen

Abu Dabbab ist als Schildkröten- und Dugong-Bucht etabliert. HEPCA dokumentierte dort im Jahr 2007 Maßnahmen gegen störenden Bootsverkehr, Berührung und unkontrollierte Nutzung der Seegrasflächen. Das ist ein wichtiger historischer Beleg für den Schutzbedarf der Bucht, aber keine Bestätigung dafür, dass dieselben Zonen, Gebühren oder Zugänge 2026 unverändert gelten.

Für einen ersten Besuch kann ein seriöser Guide hilfreich sein, weil er die aktuellen Einstiege, Bedingungen und geschützten Bereiche kennt. Ein Guide kann jedoch keinen Dugong bestellen. Behandle die Schildkröten, Rochen und Seegraslandschaft als vollwertiges Erlebnis, sonst wird ein guter Schnorcheltag unnötig zur Enttäuschung.

Grüne Meeresschildkröte über Seegras an der Küste von Marsa Alam
Auch ohne Dugong sind die Seegrasbuchten keine leere Bühne: Grüne Meeresschildkröten gehören zu den häufigeren Beobachtungen. Foto: Sascha Tegtmeyer

Geführte Tour oder normaler Schnorchelgang: So würde ich heute entscheiden

Eine geführte Tour ist sinnvoll, wenn du die Bucht nicht kennst, Wind und Strömung schlecht einschätzen kannst, einen Transfer benötigst oder dich in einer großen offenen Bucht nicht sicher orientieren würdest. Ein normaler Schnorchelgang in einer geeigneten Bucht kommt für mich nur infrage, wenn der Zugang aktuell erlaubt ist, die Bedingungen passen, ein Buddy dabei ist und die Strecke deutlich innerhalb der eigenen Reserven liegt. Mit einer konkreten Sichtungsmeldung ins Wasser zu drängen oder einem bereits lokalisierten Tier hinterherzuschwimmen, fällt für mich nicht darunter.

Frage vor der Buchung nicht nur nach einer angeblichen Sichtungsquote, sondern nach dem Verhalten des Anbieters bei einer Begegnung:

  • Wie groß ist die Gruppe, und bleibt sie während der Suche zusammen?
  • Erklärt der Guide vorab Abstand, freie Atemroute und den Abbruch einer Annäherung?
  • Wird die Sichtung als Möglichkeit beschrieben oder mit einer auffälligen Garantie verkauft?
  • Hält das Boot die aktuell geltenden Schutz- und Nutzungszonen ein?
  • Gibt es für schwächere Schwimmer eine realistische Alternative zu einer langen offenen Suche?

Von Touren, deren Verkauf fast ausschließlich auf einer hohen Prozentzahl beruht, würde ich Abstand nehmen. Noch kritischer sind Anbieter, die mit Anfassen, sehr nahen Selfies oder dem Einkreisen des Tieres werben. Bei einer guten Tour ist das Briefing kein lästiger Vorspann, sondern ein Teil der Leistung.

Was gehört in die Schnorcheltasche?

  • passende Maske, Schnorchel und Flossen, die du bereits ausprobiert hast,
  • UV-Shirt oder dünner Neoprenanzug gegen Sonne und Auskühlung,
  • eine Oberflächenboje nur dort, wo sie erlaubt und wegen Bootsverkehr sinnvoll ist,
  • Wasser, Sonnenschutz und festes Schuhwerk für einen längeren Weg zum Einstieg,
  • eine Kamera mit Handschlaufe – aber keinen Selfiestick, mit dem du den Abstand künstlich verkürzt.

Eine Schwimmweste kann je nach Können, Tour und lokalen Regeln sinnvoll oder vorgeschrieben sein. Sie verhindert allerdings nicht, dass du dich überschätzt. Wer in ruhigem Poolwasser sicher schwimmt, muss in einer offenen Bucht mit Wind und Rückweg noch lange nicht entspannt sein.

Dugong-Fakten, die für die Begegnung wirklich wichtig sind

Der Dugong (Dugong dugon) ist ein pflanzenfressendes Meeressäugetier. Seekühe gehören zur Ordnung der Sirenen; zu ihren nächsten Verwandten außerhalb dieser Gruppe zählen Elefanten und Schliefer. Für deine Reiseentscheidung sind vor allem fünf Punkte wichtig:

  • Nahrung: Dugongs sind auf Seegras angewiesen. Deshalb sind flache Buchten mit weichem Grund wichtiger als ein spektakuläres Steilriff.
  • Größe: Nach Angaben des CMS-Dugong-Abkommens können erwachsene Tiere bis zu etwa drei Meter lang und rund 500 Kilogramm schwer werden.
  • Atmung: Als Säugetiere müssen sie regelmäßig an die Oberfläche. Eine Gruppe darf diesen Weg nicht blockieren.
  • Fortpflanzung: Dugongs bekommen gewöhnlich nur ein Kalb und vermehren sich langsam. Verluste lassen sich deshalb nicht schnell ausgleichen.
  • Gefährdung und Datenlage: Die Art wird global als gefährdet beziehungsweise Vulnerable geführt. Für das Rote Meer fehlen weiterhin flächendeckende aktuelle Bestandsdaten.

Die häufig zitierte Zahl von bis zu 4.000 Dugongs im Roten Meer stammt aus einer Hochrechnung auf Basis von Untersuchungen aus den 1980er-Jahren. Sie ist keine aktuelle Bestandsangabe. Eine Fotoidentifikationsstudie erfasste zwischen 2015 und 2017 insgesamt 30 einzelne Tiere an untersuchten Küstenabschnitten von Marsa Alam und im Wadi-El-Gemal-Nationalpark. Der 2025 veröffentlichte CMS-Gesamtbericht führt außerdem eine Schätzung von 73 bis 97 Tieren für das ägyptische Rote Meer an, die auf Fragebogenerhebungen und Fotoidentifikation beruht. Auch dieser Wert ist keine flächendeckende Direktzählung für Ägypten oder das gesamte Rote Meer.

Kopf und Schnauze einer Seekuh unter Wasser bei Marsa Alam
Die nach unten gerichtete Schnauze ist an das Fressen am Meeresboden angepasst. Für die Fotoidentifikation werden Körpermarkierungen, Narben sowie Kerben an Flossen und Schwanzflosse ausgewertet. Foto: Sascha Tegtmeyer

Ist eine Seekuh gefährlich?

Ich würde einen Dugong weder als bedrohlich inszenieren noch pauschal als harmlos bezeichnen. Ein mehrere hundert Kilogramm schweres Wildtier verdient Abstand. Für die konkrete Planung in Marsa Mubarak waren aus meiner Erfahrung jedoch die Größe der Bucht, die lange Schwimmstrecke, die eigene Kondition, möglicher Bootsverkehr und das Verhalten einer Gruppe die wichtigeren Risikofaktoren.

Wenn ein Dugong auf dich zukommt, bleibe ruhig und halte seitlich Platz frei. Versuche nicht, seine Richtung vorherzusehen oder dich für ein Foto vor ihn zu setzen. Eine Begegnung wird nicht besser, wenn zwischen Tier und Kamera nur noch eine Armlänge liegt.

Wann sind die Chancen bei Marsa Alam am besten?

Es gibt keine verlässliche Dugong-Saison und keine seriöse Uhrzeit mit Sichtungsgarantie. Bei meiner Begegnung 2021 war es früher Abend, eine größere Gruppe war bereits abgefahren und das Wasser lag glatt. Das beschreibt eine einzelne Situation. Es beweist nicht, dass ein Dugong zu dieser Uhrzeit häufiger in Marsa Mubarak frisst.

Frühe oder spätere Tageszeiten können angenehmer sein, wenn weniger Menschen in der Bucht sind. Wind, Wellen, Sicht und die aktuellen Hinweise vor Ort entscheiden aber jeden Tag neu. Plane deshalb nicht nur ein knappes Zeitfenster für die Seekuh ein. Wähle die Region wegen der gesamten Unterwasserwelt und betrachte einen Dugong als seltenes Extra.

Für konkrete Einstiege, Bedingungen und weitere Plätze hilft dir mein ausführlicher Beitrag zum Schnorcheln in Marsa Alam. Die Tierarten im größeren Zusammenhang ordnet mein Guide zu den Tieren im Roten Meer ein.

Lohnt sich eine Reise nach Marsa Alam nur wegen des Dugongs?

Nein, nicht als einziges Reiseziel. Meine beiden Sichtungen lagen sechs Jahre auseinander. Dazwischen gab es Reisen und Schnorchelgänge ohne Seekuh. Wer ausschließlich dieses eine Tier erwartet, kann trotz guter Planung enttäuscht abreisen.

Marsa Alam lohnt sich für mich wegen der Kombination aus Hausriffen, Seegrasbuchten, Schildkröten, Korallen und Tauchplätzen. Abu Dabbab beschreibe ich ausführlicher in meinem Reisebericht aus Abu Dabbab; meine Erfahrungen über und unter Wasser bündelt der Beitrag zum Tauchen in Abu Dabbab.

Drei kurze Fragen zur Seekuh in Ägypten

Kann man in Hurghada Dugongs sehen?

Einzelne Dugongs kommen im ägyptischen Roten Meer vor. Für eine gezielte, aber weiterhin ungewisse Chance würde ich jedoch die Region Marsa Alam wählen, weil dort die bekannten touristischen Seegrasbuchten Abu Dabbab und Marsa Mubarak liegen.

Darf man einen Dugong anfassen?

Nein. Berühren, Füttern, Verfolgen und Einkreisen widersprechen einer verantwortungsvollen Wildtierbeobachtung. Auch wenn ein Tier nahe kommt, entsteht daraus keine Einladung zum Kontakt.

Wie wahrscheinlich ist eine Sichtung in Marsa Mubarak?

Das lässt sich nicht seriös in Prozent angeben. Die Bucht besitzt geeignete Seegrasflächen und ist für Sichtungen bekannt. Ob ein Dugong am Besuchstag dort frisst, bleibt Glück.

Recherchegrundlage und Faktenstand

Faktenstand dieses Beitrags ist der 21. August 2026. Für Biologie, Gefährdung und Bestandslage habe ich die Informationen des CMS-Dugong-Abkommens und den 2025 veröffentlichten globalen CMS-Dugong-Bericht abgeglichen; der Bericht fasst auch die Angaben für das Rote Meer und die Ergebnisse der Fotoidentifikationsstudie aus Marsa Alam und Wadi El Gemal zusammen. Für den vorsorglichen Umgang bei Boots- und Wasserbegegnungen dienen die CMS-Leitlinien zu nachhaltigen Wildtierinteraktionen als allgemeiner Rahmen. Der VESS-Leitfaden für Dugong-Begegnungen wurde für Vanuatu entwickelt; ich nutze daraus nur allgemeine Tierwohlregeln und nicht als Quelle für ägyptisches Ortsrecht. Die HEPCA-Maßnahmen beziehen sich auf die Initiative von 2007; Zugang, Gebühren, Zonen und lokale Regeln müssen unmittelbar vor dem Besuch aktuell geprüft werden.

Mein Fazit zur Seekuh von Marsa Alam

Die zweite Begegnung gab mir die Zeit, die mir 2015 gefehlt hatte. Ich sah den Dugong fressen, atmen und über den Sand ziehen. Ich hörte das Plätschern an der Oberfläche und meinen eigenen Atem im Schnorchel. Gleichzeitig zeigt mir der Abstand von einigen Jahren, wie leicht Begeisterung in Drängeln umschlagen kann – auch bei mir selbst.

Heute wäre für mich nicht das naheste Bild die beste Erinnerung. Beim nächsten Mal würde ich die Kamera zunächst hängen lassen und darauf achten, dass das Tier sein Verhalten wegen meiner Anwesenheit nicht ändern muss. Wenn du bei Marsa Alam eine Seekuh siehst, hast du großes Glück. Wenn du keine siehst, war die Bucht trotzdem nicht leer: Seegras, Schildkröten und das langsame Beobachten des Meeres gehören genauso zu diesem Ort.

Hast du schon einmal einen Dugong erlebt – und wie wurde die Begegnung vor Ort organisiert?

Über Sascha Tegtmeyer

Über Sascha Tegtmeyer

Reisejournalist, Autor und Gründer von Just Wanderlust

Ich schreibe auf Just Wanderlust aus eigener Reiseerfahrung über Orte, Meer und Outdoor-Abenteuer. Mehr über mich und meine Arbeit.

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