Auf Sardinien riecht die Luft im Frühsommer mild-würzig nach Mittelmeer. Die Mittagssonne steht hoch, auf dem Wasser der Buchten tanzen kleine Lichtreflexe, und kurz nach unserer Ankunft wird mir klar: Diese Insel ist größer, wilder und schwerer in einen einzigen Urlaub zu pressen, als ich erwartet hatte.
Wir hatten zehn Tage, einen Mietwagen und viel zu viele Ideen. Der Plan, Sardinien einfach einmal gründlich anzuschauen, erledigte sich deshalb ziemlich schnell. Die zweitgrößte Insel des Mittelmeers ist kein kompaktes Ferienziel, das du nebenbei abhakst. Sardinien belohnt Fokus. Wer alles sehen will, sieht am Ende vor allem die Windschutzscheibe.
Für uns war San Teodoro im Nordosten ein Volltreffer. Wir wohnten in einem kleinen, persönlich geführten Hotel, hatten La Cinta fast vor der Tür und erreichten mit dem Auto einige der schönsten Buchten, die ich bis dahin in Europa gesehen hatte. Dazu kamen Ausflüge in den Norden, an den Golf von Orosei, ins Inselinnere und bis nach Bosa im Westen.
Lohnt sich ein Urlaub auf Sardinien? Ja – besonders, wenn du klares Meer, abwechslungsreiche Landschaften, Roadtrips und eine eigenständige mediterrane Kultur suchst. Für eine erste Reise würde ich eine Region wählen, mindestens sieben Tage bleiben und einen Mietwagen nehmen. Unsere zehn Tage im Mai waren für uns nahezu ideal: angenehm warm, vergleichsweise ruhig und gut geeignet, um Strandtage mit Ausflügen zu verbinden.
| Frage | Meine kurze Antwort |
|---|---|
| Wie lange bleiben? | Sieben Tage für eine Region, zehn bis 14 Tage für zwei Basen |
| Welche Region für die erste Reise? | Der Nordosten rund um San Teodoro ist vielseitig und vom Flughafen Olbia gut erreichbar |
| Braucht man einen Mietwagen? | Für mehrere Strände und Ausflüge praktisch ja |
| Wann reisen? | Für uns war der Mai stark; Juni und September sind ebenfalls interessante Alternativen |
| Was ist der größte Planungsfehler? | Die ganze Insel in einer Woche sehen zu wollen |
| Was muss 2026 beachtet werden? | Für einige beliebte Strände ist im Sommer eine Reservierung nötig |

Meine Sardinien-Erfahrung: natürlich, weitläufig und voller Kontraste
Sardinien wird gerne als „Kontinent auf einer Insel“ bezeichnet. Das klingt zunächst nach Tourismuswerbung, trifft den Charakter der Insel aber erstaunlich gut. An der Küste liegen helle Sandstrände und felsige Buchten. Wenige Kilometer weiter beginnt ein stilles Hinterland mit Feldern, Weiden, Seen, Granitfelsen und Straßen, die scheinbar ins Nirgendwo führen. Dazwischen stehen Nuraghen, kleine Orte und Städte, deren Geschichte weit vor die klassische Antike zurückreicht.
Wer die Balearen kennt, wird an manchen Küstenabschnitten eine gewisse Verwandtschaft erkennen. Auch zu Mallorca gibt es landschaftliche Parallelen. Sardinien fühlt sich dennoch anders an: weniger kompakt, an vielen Stellen spröder und deutlich weitläufiger. Die Insel verlangt mehr Planung – gibt dir dafür aber auch mehr Raum.
San Teodoro war ein Glücksgriff
Wir hatten San Teodoro im Nordosten damals beinahe auf gut Glück gewählt. Im Rückblick war die Entscheidung goldrichtig. Der Ort ist groß genug für Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten und abendliches Leben, aber überschaubar genug, um sich schnell zurechtzufinden. Schon nach ein paar Tagen grüßten uns die ersten Menschen auf der Straße. Dieses kleine Detail ist mir geblieben, weil es viel über unser Gefühl vor Ort erzählt: Wir waren nicht nur irgendwo untergebracht. Wir kamen ein wenig an.
La Cinta liegt direkt vor dem Ort. Cala Brandinchi, Lu Impostu und Capo Coda Cavallo sind mit dem Auto erreichbar. Gleichzeitig kannst du von San Teodoro nach Süden in Richtung Orosei und Cala Gonone oder nach Norden in Richtung Olbia, Costa Smeralda und Palau aufbrechen.

Sardinien ist natürlich, authentisch und voller Überraschungen. Du kannst allein einen ganzen Urlaub damit verbringen, jeden Tag einen anderen Strand zu besuchen. – Sascha Tegtmeyer
Jeden Abend Pizza – eine völlig vernünftige Urlaubsstrategie
Bereits am ersten Abend hatte ich meine kulinarische Linie gefunden: Wir sind auf Sardinien, also gibt es Pizza. Jeden Tag. In allen erdenklichen Varianten. Meine Mitreisenden waren experimentierfreudiger und bestellten auch andere Gerichte, während ich meine persönliche Feldstudie über sardische Pizzerien fortsetzte.
Das klingt banal, war aber Teil des Gesamterlebnisses. Tagsüber waren wir unterwegs, badeten, wanderten oder fuhren über die Insel. Abends saßen wir bei Antipasti, Pizza und Wein zusammen. Sardinien erinnerte uns ziemlich wirksam daran, dass ein guter Urlaub nicht aus einer maximalen Zahl an Sehenswürdigkeiten besteht. Manchmal reicht es, am richtigen Ort langsamer zu werden.
Zehn Tage waren viel – und gleichzeitig viel zu wenig
Wir haben in zehn Tagen erstaunlich viel gesehen. Trotzdem blieb die Reise lückenhaft. Den Süden mit Cagliari haben wir nicht erreicht. Auch für La Maddalena, längere Wanderungen und viele Strände reichte die Zeit nicht. Das ist keine Schwäche dieses Reiseberichts, sondern eine wichtige Einordnung: Meine Erfahrungen stammen vor allem aus dem Nordosten, Norden, Osten, Inselinneren und einem langen Ausflug nach Bosa. Über den Süden schreibe ich hier nicht aus eigener Anschauung.

Genau diese Grenze macht die Planung leichter. Du musst Sardinien nicht beim ersten Besuch vollständig verstehen. Du brauchst einen guten Ausschnitt.
So würde ich einen Sardinien-Urlaub heute planen
Kilometer sind auf Sardinien eine schlechte Maßeinheit. Fahrzeit ist die Wahrheit. Eine Strecke kann auf der Karte harmlos aussehen und sich durch Kurven, Ortsdurchfahrten und langsame Küstenstraßen erheblich ziehen. Deshalb würde ich die Insel nicht nach einer Liste möglichst vieler Orte planen, sondern nach Regionen und festen Basen.
Meine Faustregel:
- Sieben Tage: eine Region und eine Unterkunft.
- Zehn bis 14 Tage: zwei gut gewählte Basen.
- Drei Wochen: mehrere Inselteile, ohne jeden zweiten Tag umzuziehen.

Für den Nordosten habe ich inzwischen eine konkrete Sardinien-Rundreise für sieben Tage mit zwei Basen ausgearbeitet. Sie verbindet San Teodoro mit einer zweiten Unterkunft im hohen Norden und ist deutlich entspannter als der Versuch, jeden Abend weiterzuziehen.
| Region | Was sie besonders macht | Mein Erfahrungsstand |
|---|---|---|
| Nordosten rund um San Teodoro | Strände, Tavolara-Kulisse, kurze Wege ab Olbia | Intensiv selbst erkundet |
| Norden und Gallura | Granitlandschaften, Palau, Capo Testa, Costa Smeralda | Auf mehreren Ausflügen selbst erlebt |
| Ostküste und Golf von Orosei | Steilküste, Cala Gonone, Cala Fuili, Bootstouren | Teilweise selbst erkundet |
| Inselinneres bei Dorgali und Cedrino | Nuraghen, Seen, ländliche Landschaften | Selbst besucht |
| Westen rund um Bosa | Flussstadt, farbige Häuser, wilde Landschaft | Als langer Tagesausflug selbst erlebt |
| Süden mit Cagliari | Stadt, Strände und Kultur | Auf dieser Reise nicht besucht |
1. Nordosten: San Teodoro als erste Basis
Für eine erste Sardinien-Reise ist San Teodoro ausgesprochen praktisch. Du bist schnell vom Flughafen Olbia dort, hast mehrere sehr unterschiedliche Strände in Reichweite und kannst sowohl nach Norden als auch nach Süden fahren. Der Ort selbst funktioniert auch an Tagen, an denen du das Auto stehen lässt.
Der Nordosten ist allerdings längst kein stiller Geheimtipp mehr. In der Hochsaison können Straßen, Parkplätze und Strände voll werden. Genau deshalb hat uns der Mai so gut gefallen: Die touristische Infrastruktur war da, aber die Insel hatte noch Luft.
2. Norden: Porto Cervo, Palau und Granitfelsen

Nördlich von Olbia verändert sich die Landschaft. Rund um die Costa Smeralda wird sie gepflegter, mondäner und stellenweise demonstrativ luxuriös. Porto Cervo ist interessant für einen Spaziergang durch den Hafen – nicht, weil dort das „echte Sardinien“ konzentriert wäre, sondern weil dieser auf Hochglanz polierte Ort einen starken Kontrast zum ländlichen Inselinneren bildet.
Weiter nördlich wird die Gegend wieder rauer. Von Palau starten Fähren in den La-Maddalena-Archipel. In diesem Beitrag bleibe ich bei den Zielen auf dem Festland, die wir selbst erlebt haben – darunter die markante Roccia dell’Orso. Auch Capo Testa mit seinen vom Wind geformten Granitfelsen gehört für mich zu den Landschaften, die den Norden unverwechselbar machen.
Für diese Region würde ich heute nicht mehr aus San Teodoro hin- und zurückfahren, wenn mehrere Ziele auf dem Plan stehen. Eine zweite Basis bei Palau oder Santa Teresa Gallura spart Zeit und Nerven.
3. Ostküste: Cala Gonone, Cala Fuili und der Golf von Orosei
Die Ostküste südlich von Olbia ist keine schnelle Strandrunde. Rund um Cala Gonone trifft das Gebirge beinahe direkt auf das Meer. Die Küste wird steiler, dramatischer und schwerer zugänglich. Genau das macht ihren Reiz aus.
Cala Gonone ist ein sinnvoller Ausgangspunkt für Bootsfahrten zu Buchten und Grotten, die über Land nur auf anspruchsvollen Wegen erreichbar sind. Wir waren an der felsigen Cala Fuili. Von dort führt ein fordernder Küstenpfad weiter in Richtung Cala Luna. Das ist keine beiläufige Wanderung in Badeschlappen. Wer Cala Luna entspannt erleben möchte, nimmt meist ein Boot ab Cala Gonone.

Auch die Grotten del Bue Marino werden üblicherweise vom Meer aus angefahren. Die lokale Tourismusinformation von Dorgali beschreibt Cala Gonone ausdrücklich als Tor zu den schwer zugänglichen Küstenabschnitten des Golfs von Orosei. Vor der Tour solltest du Fahrplan, Wetter und Seegang direkt bei den aktuellen Anbietern prüfen.
4. Inselinneres: Cedrino und Serra Orrios
Einer der stärksten Kontraste unserer Reise lag nur wenige Kilometer von der Küste entfernt. Rund um den Lago del Cedrino wird Sardinien grün, still und bergig. Statt Strandliegen bestimmen Weiden, Felsen und kleine Straßen das Bild. Auf dem See werden je nach Anbieter Kajak- und Bootstouren angeboten; schon die Fahrt durch die Landschaft lohnt sich.
In der Nähe von Dorgali besuchten wir das Nuraghendorf Serra Orrios. Die über 3000 Jahre alten Siedlungsreste machen sichtbar, dass Sardinien nicht nur eine Badeinsel ist. Laut dem offiziellen italienischen Tourismusportal gehört Serra Orrios zu den größten und am besten erhaltenen Nuraghensiedlungen der Insel. Wer tiefer in dieses Kapitel einsteigen möchte, findet mit Su Nuraxi di Barumini außerdem das bekannteste sardische Nuraghen-Ensemble und eine UNESCO-Welterbestätte – dort war ich auf dieser Reise allerdings nicht selbst.
5. Westen: Bosa war die lange Fahrt wert
Bosa leuchtet einem schon von Weitem entgegen. Die dicht stehenden, farbigen Häuser ziehen sich den Hang hinauf, darüber thront das Castello Malaspina, und unten fließt der Temo durch den Ort. Bosa ist der einzige sardische Ort, der an einem Fluss gewachsen ist; der Temo gilt zugleich als einziger schiffbarer Fluss der Insel. Vor allem ist sie aber ein Ort, an dem man ohne große Agenda durch Gassen laufen, einkehren und schauen kann.
Unser Ausflug von San Teodoro bis an die Westküste war lang. Er zeigte mir zwei Dinge zugleich: Bosa lohnt sich – und eine einzige Unterkunft ist für die gesamte Insel keine kluge Idee. Wer den Westen intensiver erkunden möchte, sollte dort übernachten.

In der Region besuchten wir außerdem den Wasserfall Sos Molinos. Er liegt in einer grünen, überraschend üppigen Landschaft und war ein schöner Gegenentwurf zu den trockenen Küstenabschnitten. Aus einem einzelnen Ausflug würde ich allerdings keine pauschale Wasserfallroute ableiten. Wasserführung und Zugänglichkeit können sich saisonal verändern.
Die schönsten Strände aus meiner Sardinien-Reise
Sardinien braucht den abgegriffenen Vergleich mit der „Karibik Europas“ eigentlich nicht. Das Wasser ist klar, die Farben sind spektakulär, und viele Buchten spielen landschaftlich in der obersten europäischen Liga. Gleichzeitig sind die bekannten Strände im Sommer keine einsamen Paradiese. Ein schöner Strand bleibt schön, auch wenn andere Menschen dieselbe Idee hatten.
1. Cala Brandinchi: mein persönlicher Favorit
Cala Brandinchi ist der Strand, an den ich bei Sardinien zuerst denke. Das Wasser war bei unserem Besuch so klar und flach, dass die Bucht beinahe unwirklich wirkte. Ich habe Strände in Asien und der Karibik gesehen – und Cala Brandinchi muss sich vor ihnen nicht verstecken.
Wir verbrachten dort gleich mehrere Tage. Nicht, weil uns nichts anderes einfiel, sondern weil der Strand zu schön war, um ihn nur für ein schnelles Foto anzufahren. Das ist meine persönliche Bewertung, keine objektive Rangliste. Für mich gehört Cala Brandinchi dennoch zu den schönsten Stränden, an denen ich bisher war.

Wichtig für die Planung: Stand Juli 2026 ist der Zugang zu Cala Brandinchi und Lu Impostu vom 1. Juni bis 30. September reservierungspflichtig. Buche ausschließlich über das offizielle Strandportal von San Teodoro und prüfe die Regeln kurz vor deiner Reise erneut.
2. La Cinta: die große Sichel vor San Teodoro
La Cinta ist das Gegenstück zur kompakten Cala Brandinchi. Der helle Sandstrand zieht sich in einer langen Sichel vor San Teodoro entlang. Dahinter liegt die Lagune, in der sich mit etwas Glück Flamingos beobachten lassen. Allein die Dimension macht La Cinta eindrucksvoll.
Der Strand eignet sich gut für einen langen Badetag und Spaziergänge am Wasser. Bei Wind bekommt der Ort einen sportlicheren Charakter. Für SUP, Kite- oder Windsport gelten jedoch lokale Bereiche und Regeln – also nicht einfach irgendwo Material aufbauen und losfahren.
3. Capo Coda Cavallo: damals noch mit Weg durchs Gebüsch
Eine kleine Bucht am Capo Coda Cavallo erreichten wir damals erst nach einer kleinen Krabbelei durch das Gebüsch. Danach lagen wir an einem erstaunlich ruhigen Küstenabschnitt mit Blick auf die vorgelagerten Inseln. Genau solche Momente bleiben hängen.
Ich würde den Ort heute trotzdem nicht als „geheim“ verkaufen. Zugänge verändern sich, Flächen können geschützt oder privat sein, und was im Mai ruhig war, kann im August völlig anders aussehen. Die richtige Lehre lautet nicht: Finde exakt diese versteckte Stelle. Sie lautet: Nimm dir Zeit für die kleineren Küstenabschnitte – und respektiere Wege, Schilder und Schutzregeln.

4. Capo Comino: Dünen und viel Landschaft
Capo Comino wirkte auf uns offener und wilder als die Buchten bei San Teodoro. Hinter dem langen Strand liegen Dünen und niedrige Vegetation. In der Vorsaison fanden wir dort viel Ruhe und Platz.
Gerade an solchen Stränden merkst du, wie stark Sardinien vom Wind geprägt ist. Das kann die Küste großartig aussehen lassen, verändert aber auch Badebedingungen, Wellen und Strömung. Vor Ort entscheiden – nicht am Schreibtisch.
5. Cala Fuili und Cala Luna: felsig, dramatisch, nicht nebenbei
Cala Fuili liegt am Ende der Straße südlich von Cala Gonone. Die kleine Bucht ist felsig und nicht der klassische weiche Sandstrand, aber die hohen Kalkwände geben ihr eine starke Kulisse. Auch Kletterer schätzen die Gegend.
Der bekannte Weg in Richtung Cala Luna beginnt in diesem Küstenabschnitt. Er ist anspruchsvoll, steinig und je nach Wetter nichts für einen spontanen Spaziergang. Gute Schuhe, Wasser, realistische Kondition und eine saubere Zeitplanung sind Pflicht. Wer vor allem baden möchte, fährt mit dem Boot. Das ist weniger heroisch, aber meistens deutlich entspannter.

Strandreservierungen auf Sardinien: vor der Anfahrt prüfen
Cala Brandinchi ist kein Einzelfall. Mehrere stark besuchte Strände begrenzen inzwischen den Zugang oder arbeiten mit Reservierungen. Stand Juli 2026 hat La Pelosa bei Stintino ebenfalls ein eigenes Buchungssystem für den Zeitraum vom 15. Mai bis 15. Oktober. Die Regeln können sich jährlich ändern.
Meine Empfehlung ist simpel: Suche den gewünschten Strand ein bis zwei Tage vorher auf der Website der zuständigen Gemeinde oder des offiziellen Buchungsportals. Verlasse dich nicht auf einen alten Blogbeitrag, einen Karteneintrag oder irgendeine Reservierungsseite, die bei Google oben erscheint.
Sardinien jenseits der Strände: meine stärksten Entdeckungen
Ein reiner Badeurlaub wäre auf Sardinien problemlos möglich. Er würde der Insel aber nicht gerecht. Gerade die Ausflüge weg vom Meer haben dafür gesorgt, dass sich unsere Reise nicht wie eine Aneinanderreihung schöner Buchten anfühlte.
Nuraghen: die Insel vor den Römern

Sardinien ist übersät mit Nuraghen, Dörfern, Gräbern und Kultstätten aus der Bronzezeit. Serra Orrios bei Dorgali war für uns der greifbarste Zugang zu dieser Geschichte. Zwischen den kreisförmigen Grundmauern wird aus dem abstrakten Begriff „Nuraghenkultur“ plötzlich ein Ort, an dem Menschen lebten, arbeiteten und religiöse Rituale ausführten.
Du brauchst kein Archäologie-Studium, um das interessant zu finden. Eine gute Führung oder ein wenig Vorbereitung helfen aber, mehr zu sehen als alte Steine.
Bosa: Farbe, Fluss und Gassen
Bosa gehörte zu den Orten, die mir auf dieser Reise besonders im Gedächtnis geblieben sind. Die Häuser am Hang, der Temo, das Kastell und die verwinkelten Straßen ergeben ein Stadtbild, das sofort hängen bleibt. Plane nicht nur einen Fotostopp ein. Der Ort funktioniert am besten, wenn du dir Zeit für die Gassen, einen Espresso und das Ufer lässt.
Lago del Cedrino: Sardinien wird plötzlich still
Am Cedrino zeigt die Insel eine andere Geschwindigkeit. Die Landschaft ist bergig, das Wasser liegt ruhig zwischen den Hängen, und die Küste wirkt plötzlich weit weg. Für mich war dieser Wechsel wichtig: Erst durch das Inselinnere versteht man die Dimension Sardiniens.
Roccia dell’Orso und Capo Testa: Granit als Landschaftsarchitekt

Im Norden formt der Wind aus Granitblöcken beinahe surreale Figuren. Die Roccia dell’Orso erinnert tatsächlich an einen Bären. Capo Testa wirkt noch größer und wilder. Wer gerne fotografiert oder einfach durch ungewöhnliche Felslandschaften läuft, sollte für den Norden mehr als einen schnellen Zwischenstopp einplanen.
Porto Cervo: interessant als Kontrast
Porto Cervo ist gepflegt, teuer und auf Repräsentation gebaut. Im Hafen liegen Yachten, an den Hängen Villen und Hotels. Ich würde den Ort nicht zum Zentrum einer Sardinien-Reise machen, fand den Besuch aber interessant. Er zeigt eine Seite der Insel, die kaum stärker vom ländlichen Hinterland abweichen könnte.
Baden, Wandern, Paddeln: Sardinien ist eine Insel für Aktive
Ich hätte die zehn Tage ohne Weiteres im Wasser verbringen können. Für diesen Reisebericht wäre das etwas dünn geworden – für meine Erholung allerdings hervorragend. Sardinien bietet aber weit mehr als Schwimmen.
Je nach Region und Jahreszeit kannst du:
- in geschützten Buchten schwimmen und schnorcheln,
- an Küsten und im Inselinneren wandern,
- rund um Cala Gonone klettern,
- Kajak- oder Bootstouren unternehmen,
- mit dem SUP paddeln,
- windabhängig surfen oder kiten,
- Rad- und Mountainbike-Touren fahren,
- morgens am Strand oder auf Nebenstraßen laufen.

Der entscheidende Zusatz lautet: Bedingungen schlagen Planung. Wind, Hitze, Wellengang und Wegzustand können aus einer einfachen Aktivität eine anspruchsvolle Unternehmung machen. Gerade bei Wanderungen an der Steilküste und bei Wassersport solltest du lokale Hinweise ernst nehmen, genug Wasser mitnehmen und nicht aus Ehrgeiz an einem schlechten Plan festhalten.
Praktische Reiseinformationen für Sardinien
Anreise: Wähle den Flughafen nach deiner Region
Sardinien hat drei wichtige Flughäfen. Welcher sinnvoll ist, hängt nicht nur vom Flugpreis ab, sondern von deinem Reiseziel:
- Olbia passt besonders gut für den Nordosten, die Costa Smeralda und den Norden.
- Alghero ist praktisch für den Nordwesten und die Westküste.
- Cagliari erschließt den Süden und Südosten.
Ich bin damals von Hamburg über Zürich nach Olbia geflogen. Die Umsteigeverbindung funktionierte gut. Heute würde ich zuerst prüfen, welcher Flughafen die Fahrwege auf der Insel verkürzt – und erst dann den billigsten Flug auswählen. Flugpläne sind stark saisonabhängig; aktuelle Verbindungen findest du direkt bei den Flughäfen Olbia, Alghero und Cagliari.
Alternativ reist du mit dem eigenen Auto per Fähre vom italienischen Festland an. Das lohnt sich vor allem, wenn du länger bleibst, viel Gepäck dabeihast oder ohnehin einen Roadtrip durch Italien planst. Vergleiche nicht nur den Ticketpreis, sondern auch Kabine, Treibstoff, Maut, Fahrzeit und Ankunftshafen.

Mietwagen: Für einen Roadtrip fast unverzichtbar
Wenn du nur in einem Ort bleiben und organisierte Ausflüge buchen möchtest, kommst du ohne Auto zurecht. Für die Reise, die wir gemacht haben, war der Mietwagen dagegen unverzichtbar. Viele Buchten, archäologische Stätten und Landschaften sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur umständlich oder gar nicht sinnvoll kombinierbar.
Bei der Buchung würde ich heute auf diese Punkte achten:
- vollständigen Endpreis inklusive sinnvoller Versicherung vergleichen,
- Selbstbeteiligung und Kaution prüfen,
- Anforderungen an Kredit- oder Debitkarte lesen,
- bestehende Schäden bei Abholung fotografieren,
- Tankregelung und Rückgabezeit kontrollieren,
- nicht nur Fahrzeuggröße, sondern Gepäck und enge Ortsstraßen bedenken.
Der historische Mietwagenpreis unserer Reise ist als heutiger Richtwert wertlos. Preise schwanken stark nach Saison, Flughafen und Buchungszeitpunkt. Entscheidend ist der Gesamtpreis mit Versicherung – nicht der Lockbetrag in der ersten Suchansicht.
In Städten solltest du außerdem auf ZTL-Zonen und Parkmarkierungen achten. Nach den offiziellen italienischen Verkehrshinweisen stehen blaue Linien grundsätzlich für gebührenpflichtige, weiße für kostenlose und gelbe für reservierte Stellplätze. Ein scheinbar freier Parkplatz kann sonst ein ziemlich teures Souvenir werden.
Unterkünfte: lieber gute Basis als täglicher Umzug

San Teodoro war für uns eine sehr gute Basis. Wir wohnten in einem kleinen Hotel, das persönlich vom Inhaber geführt wurde. Der Ort bot kurze Wege, Restaurants und einen schnellen Zugang zu mehreren Stränden.
Auf Sardinien findest du Ferienwohnungen, Ferienhäuser, Campingplätze, Agriturismi und Hotels sowie Resorts. Welche Unterkunft passt, hängt stärker als anderswo von der Route ab. Ein wunderschönes Haus im Nirgendwo kann perfekt sein – oder jeden Ausflug um eine Stunde verlängern.
Für zehn bis 14 Tage würde ich zwei Basen wählen und dazwischen genau einmal umziehen. Das schafft Reichweite, ohne den Urlaub in eine Logistikübung zu verwandeln.
Essen: Pizza war erst der Anfang
Meine Pizza-Serie war konsequent, aber kulinarisch natürlich nicht vollständig. Sardinien hat eine ausgeprägte eigene Küche. Typisch sind unter anderem Culurgiones, Malloreddus, Fregola, Pane carasau, Pecorino und Seadas. An der Küste spielen Fisch und Meeresfrüchte eine größere Rolle, im Inselinneren eher Käse, Fleisch und kräftigere Gerichte.
Reserviere in der Hochsaison beliebte Restaurants rechtzeitig und schau ein paar Straßen abseits der Promenade. Dort ist die Chance größer, einen Ort zu finden, an dem nicht nur die Lage auf der Rechnung steht.
Ist Sardinien teuer?

Sardinien ist nicht pauschal günstig und nicht pauschal teuer. Die Costa Smeralda, Strandnähe und die Hochsaison können das Budget kräftig belasten. Mietwagen, Parkgebühren, Strandzugänge, Bootstouren und Restaurantbesuche addieren sich schneller, als es eine günstige Ferienwohnung vermuten lässt.
Außerhalb der Hauptsaison, mit früher Buchung und einer Unterkunft etwas abseits der bekanntesten Küstenorte lässt sich die Reise deutlich besser steuern. Ich würde ein realistisches Tagesbudget mit drei Blöcken planen: Unterkunft und Auto, Essen sowie Aktivitäten und Parken.
Beste Reisezeit: Warum uns der Mai überzeugt hat
Unser Urlaub im Mai war für diese Reise nahezu perfekt. Wir konnten baden, wandern und lange Ausflüge machen, ohne dass die Hitze jeden Plan dominierte. Viele Orte waren bereits geöffnet, aber Strände und Straßen noch nicht so voll wie im Hochsommer.
Das macht den Mai nicht automatisch für jeden zur besten Reisezeit. Wer maximale Badewärme und stabiles Hochsommergefühl sucht, wird eher im Juni, Juli, August oder September schauen. Wer wandern, Rad fahren und Städte besuchen möchte, profitiert stärker von Frühling und Herbst.
Meine praktische Einordnung:
| Zeitraum | Gut geeignet für | Womit du rechnen solltest |
|---|---|---|
| April bis Mai | Roadtrips, Wandern, ruhige Strände | Meer und Wetter können noch wechselhaft sein |
| Juni | Baden und Ausflüge | beliebte Orte werden voller, erste Reservierungspflichten greifen |
| Juli bis August | klassischer Hochsommerurlaub | Hitze, hohe Nachfrage, volle Strände und höhere Preise |
| September | Baden mit etwas weniger Trubel | weiterhin beliebt, aber häufig ausgewogener als August |
| Oktober | Kultur, Wandern und ruhigeres Reisen | kürzere Tage, wechselhafteres Wetter, reduzierte Saisonangebote |

Wer bewusst außerhalb der Ferien reist, findet in meinem Beitrag über Urlaub in der Nebensaison weitere Planungstipps.
Für wen ist Sardinien das richtige Reiseziel?
Sardinien passt besonders gut zu Reisenden, die mehr wollen als eine Woche Hotel und Strand – aber nicht auf Erholung verzichten möchten.
| Reisetyp | Wie gut passt Sardinien? | Worauf achten? |
|---|---|---|
| Strandurlauber | Sehr gut | Region nach Strandtyp wählen, Sommerreservierungen prüfen |
| Familien | Sehr gut | flache Buchten, kurze Wege und schattige Unterkunft priorisieren |
| Paare | Sehr gut | Mischung aus Strand, Orten, Essen und Roadtrip |
| Alleinreisende | Gut | zentrale Basis wählen und abgelegene Touren sorgfältig planen |
| Aktivurlauber | Sehr gut | Reisezeit, Hitze und Windbedingungen beachten |
| Roadtrip-Fans | Hervorragend | wenige Basen, realistische Tagesetappen |
| Reisende ohne Auto | Eingeschränkt | zentraler Ort oder organisierte Ausflüge nötig |
| Kurzurlauber | Nur regional sinnvoll | Flughafen und Unterkunft konsequent nach einer Region wählen |
Weniger geeignet ist Sardinien für Menschen, die in drei Tagen „die Insel“ gesehen haben möchten. Dafür ist sie schlicht zu groß. Ein kurzer Urlaub kann trotzdem großartig sein – wenn du ihn radikal lokal planst.
Sieben Fehler, die ich bei der Sardinien-Planung vermeiden würde

- Die ganze Insel in sieben bis zehn Tagen einplanen. Du sammelst Fahrzeit statt Erlebnisse.
- Entfernungen nur nach Kilometern bewerten. Kurven, Ortsdurchfahrten und Küstenstraßen verlängern viele Etappen.
- Jeden bekannten Strand anfahren. Zwei intensive Strandtage sind oft besser als fünf Parkplatztouren.
- Reservierungspflichten ignorieren. Bei Cala Brandinchi, Lu Impostu, La Pelosa und weiteren Hotspots vorher offiziell prüfen.
- Jeden Abend die Unterkunft wechseln. Sardinien ist groß, aber kein Etappenrennen.
- Den Mietwagen nur nach dem niedrigsten Grundpreis buchen. Versicherung, Kaution und Kartenbedingungen entscheiden über den echten Preis.
- Nur die Küste sehen. Das Inselinnere, Nuraghen und Orte wie Bosa geben der Reise Tiefe.
Häufige Fragen zu Sardinien
Wie viele Tage braucht man für Sardinien?
Für eine Region sind sieben Tage sinnvoll. Mit zehn bis 14 Tagen kannst du zwei Basen verbinden und deutlich abwechslungsreicher reisen. Für eine große Runde durch mehrere Inselteile würde ich mindestens drei Wochen einplanen.
Braucht man auf Sardinien einen Mietwagen?
Für einen Strand- und Roadtrip mit mehreren Ausflügen ist ein Mietwagen sehr empfehlenswert. Ohne Auto funktioniert Sardinien am besten, wenn du einen gut angebundenen Ort wählst und Bootstouren oder organisierte Ausflüge nutzt.
Welche Region eignet sich für die erste Sardinien-Reise?
Der Nordosten rund um San Teodoro ist ein starker Einstieg: Der Flughafen Olbia liegt nah, es gibt sehr unterschiedliche Strände, und du erreichst sowohl den Norden als auch die Ostküste. Wer vor allem Städte und den Süden sehen möchte, sollte dagegen Cagliari als Ausgangspunkt wählen.

Wann ist die beste Reisezeit für Sardinien?
Für uns war der Mai ideal, weil wir Strand, Roadtrip und Aktivitäten verbinden konnten. Für einen klassischen Badeurlaub sind Juni bis September verlässlicher. Juli und August sind zugleich die heißesten, vollsten und meist teuersten Monate.
Welcher Strand auf Sardinien hat mir am besten gefallen?
Cala Brandinchi war mein persönlicher Favorit. Wir verbrachten dort mehrere Tage, weil uns die Kombination aus hellem Sand, flachem klarem Wasser und der gesamten Kulisse außergewöhnlich gut gefiel.
Muss man Strände auf Sardinien reservieren?
Nicht alle. Für einige stark frequentierte Strände gelten jedoch saisonale Zugangsbeschränkungen oder Reservierungssysteme. Stand Juli 2026 sind Cala Brandinchi und Lu Impostu vom 1. Juni bis 30. September reservierungspflichtig; La Pelosa nutzt ein eigenes System vom 15. Mai bis 15. Oktober. Prüfe die offiziellen Angaben immer erneut für dein Reisedatum.
Ist Sardinien für Familien geeignet?

Ja. Viele Buchten fallen flach ab, Ferienwohnungen bieten viel Platz, und Strandtage lassen sich gut mit kurzen Ausflügen verbinden. In der Hochsaison sind Schatten, Parkplatz, Reservierung und die Entfernung zwischen Unterkunft und Strand wichtiger als das schönste Luftbild.
Mein Fazit: Sardinien muss niemanden imitieren
Am ersten Abend dachte ich vor allem: Wir sind auf Sardinien, jetzt gibt es jeden Tag Pizza. Zehn Tage später wusste ich, dass die Pizza nur der ausgesprochen angenehme Rahmen gewesen war.
Geblieben sind die großen, klaren Buchten. Die Fahrten durch ein stilles Inselinneres. Die Farben von Bosa. Die Granitfelsen im Norden. Das Gefühl, morgens in San Teodoro loszufahren und nie genau zu wissen, ob am Ende des Tages ein Strand, ein Nuraghendorf, ein See oder ein Wasserfall der stärkste Eindruck sein würde.
Sardinien hat uns auf ganzer Linie überzeugt. Nicht, weil alles bequem und perfekt organisiert war. Sondern weil die Insel sich ihre Eigenständigkeit bewahrt hat. Sie zwingt dich zu Entscheidungen, belohnt Neugier und erinnert dich daran, dass Urlaub nicht nur aus Sehenswürdigkeiten besteht, sondern aus Zeit, Essen, Bewegung, Meer und den Abenden dazwischen.
Sardinien ist nicht die Karibik Europas. Sardinien ist Sardinien. Das reicht völlig.
Transparenz: Flug, Unterkunft, Mietwagen und alle Ausgaben dieser Sardinien-Reise haben wir selbst bezahlt. Es gab keine Rabatte oder Gegenleistungen.
Warst du schon auf Sardinien oder planst du deine erste Reise? Welche Region oder welcher Strand hat dich besonders beeindruckt? Teile deine Erfahrungen in den Kommentaren.





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