Haie im Roten Meer: Arten, Risiko und meine Erfahrungen

by Sascha Tegtmeyer | Juni 1, 2025

Im März 2015 war ich als Reporter für das TAUCHEN-Magazin in der Region Marsa Alam, nachdem dort ein deutscher Urlauber bei einem Haiunfall getötet worden war. Ich recherchierte vor Ort und habe seitdem viele Tauchgänge im Roten Meer gemacht. Meine Antwort auf die Sicherheitsfrage ist deshalb weder beschwichtigend noch alarmistisch: Haie leben im Roten Meer, schwere Zwischenfälle sind möglich, das dokumentierte Risiko ist aber niedrig. Bleib in freigegebenen Bereichen, beachte jede Sperrung und verlasse das Wasser ruhig, wenn ein Hai auftaucht.

Das klingt weniger spektakulär als die üblichen Extreme. Genau darin liegt der Nutzen. „Völlig ungefährlich“ ist bei einem wilden Raubtier keine belastbare Aussage. „Du kannst in Ägypten nicht mehr ins Meer“ ist ebenso falsch. Entscheidend ist nicht nur, ob Haie vorkommen, sondern wo du ins Wasser gehst, was du dort tust und welche aktuellen Hinweise vor Ort gelten.

Dieser Ratgeber trennt deshalb Badezone, Hausriff, offene Riffkante und anspruchsvolles Außentauchen. Du erfährst, welche Haiarten für Urlauber wirklich relevant sind, was bestätigte Vorfälle aussagen und wie du dich beim Schwimmen, Schnorcheln oder Tauchen vernünftig verhältst. Faktenstand ist der 24. August 2026.

Sind Haie im Roten Meer gefährlich? Die ehrliche Antwort

Ein Hai kann einen Menschen schwer verletzen oder töten. Das ist der unangenehme Teil der Antwort, und den sollte man nicht wegmoderieren. Gleichzeitig liefern die bestätigten Fälle keine Grundlage für die Behauptung, ein normaler Badeurlaub am Roten Meer sei grundsätzlich gefährlich.

Das International Shark Attack File (ISAF) bestätigte für 2025 weltweit 65 unprovozierte Bisse mit neun Todesfällen. Ägypten erscheint in der zugehörigen Ländertabelle für 2025 nicht. Im Jahr 2024 wurde dagegen ein tödlicher Vorfall in Ägypten erfasst. Aus diesen Zahlen lässt sich keine persönliche Prozentwahrscheinlichkeit für deinen Hotelstrand berechnen, weil ein belastbarer Nenner fehlt: Wie viele Menschen waren wo, wie lange und bei welcher Aktivität im Wasser?

Die brauchbare Antwort entsteht daher über die Situation. Eine markierte Badezone bei ruhigem Wetter ist etwas anderes als tiefes Wasser außerhalb der Begrenzung. Ein geführter Tauchgang an einem Außenriff ist wiederum nicht mit einer spontanen Schwimmrunde vom Strand vergleichbar.

SituationMeine EinordnungWas du konkret tun solltest
Freigegebene Badezone am HotelDas ist der normale Rahmen für Badegäste. Ein niedriges Risiko ist dennoch kein Nullrisiko.Innerhalb der Begrenzung bleiben, Hinweise des Hotels beachten und bei einer Sichtung ruhig aus dem Wasser gehen.
Hausriff mit markiertem EinstiegStrömung, Riffkante und Bootsverkehr sind hier oft die praktischeren Gefahren.Strömung und Ausstieg vorab klären, mit Partner schnorcheln und die markierte Zone nicht eigenmächtig verlassen.
Offenes Wasser außerhalb der BadezoneMehr Distanz zum sicheren Ausstieg, schlechtere Übersicht und gegebenenfalls tiefes Wasser erhöhen die Folgen eines Fehlers.Nicht allein losschwimmen. Ich würde dort ohne lokale Einweisung und klaren Rückweg gar nicht erst einsteigen.
Geführte Schnorcheltour vom BootDer Guide, die Gruppe, der Bootsverkehr und der Abholpunkt bestimmen die Sicherheit.Beim Briefing zuhören, in der Gruppe bleiben und nicht für ein Foto hinter einem Tier herschwimmen.
Außenriff oder TauchsafariHier sind Sichtungen wahrscheinlicher, aber auch Strömung, Tiefe und Freiwasser anspruchsvoller.Nur mit passender Erfahrung, seriösem Anbieter und einem konkreten Hai- und Notfallbriefing tauchen.

Wovon ich dringend abraten würde: Schwimme nicht auf eigene Faust weit über eine Hotelbegrenzung hinaus, nur weil das Wasser ruhig aussieht. Im Roten Meer können Riffe steil in tiefes Wasser abfallen. Das ISAF nennt diese Topografie als regionale Besonderheit, durch die pelagische Arten näher an küstennahe Bereiche gelangen können, als viele Urlauber erwarten.

Sascha Tegtmeyer spricht in Ägypten mit einem Tauchexperten über Haie im Roten Meer
2015 war ich als Reporter für das TAUCHEN-Magazin in Ägypten und recherchierte nach einem tödlichen Haiunfall vor Ort. Foto: Sascha Tegtmeyer

Was meine eigene Erfahrung zur Risikofrage beiträgt

Ich war über viele Jahre für das TAUCHEN-Magazin unterwegs, habe Fachleute interviewt und in Ägypten häufiger getaucht als in jedem anderen Land. Das ersetzt keine Statistik. Es hilft aber, die Suchfrage aus der Praxis zu sortieren: Meine Hai-Begegnungen hatte ich überwiegend an Außenriffen und auf Tauchausfahrten, also dort, wo Taucher die Tiere bewusst suchen.

In der Region Makadi Bay habe ich Riffhaie am Grund ruhen sehen. Einen Fuchshai habe ich ebenfalls in Ägypten beobachtet. Weißspitzen-Hochseehaie, meist Longimanus genannt, sind eine andere Begegnung. Sie können im Freiwasser sehr nahe kommen und aufmerksam kreisen. Das ist für mich kein Motiv für lässige Selfies, sondern eine Situation, in der Gruppe, Blickkontakt, Tarierung und das Briefing zählen.

Welche Haie im Roten Meer leben

Der FAO/PERSGA-Artenführer führt 49 zuverlässig gemeldete Haiarten für die größere Region Rotes Meer und Golf von Aden auf. Das ist eine biologische Bestandsübersicht, keine Urlauber-Checkliste. Viele Arten wirst du an einem Hotelriff nie sehen. Für die Reiseplanung sind vor allem die folgenden Gruppen relevant.

HaiartTypischer KontextPraktische Einordnung
Weißspitzen-RiffhaiRiff, Höhlen, Sandflächen und tieferer GrundKann tagsüber ruhen. Nicht anfassen, nicht den Rückweg abschneiden und für ein Foto keinen Ruheplatz bedrängen.
Grauer RiffhaiAußenriffe und strömungsexponierte RiffkantenFür Taucher eine mögliche Sichtung, für Badegäste kein Grund, eine offene Riffkante auf eigene Faust zu suchen.
Schwarzspitzen-Riffhaiflachere Riffbereiche und Lagunen der größeren RegionVor allem junge Tiere können flach stehen. Auch ein kleines Tier bleibt ein Wildtier und braucht Abstand.
Weißspitzen-Hochseehai (Longimanus)Freiwasser, Außenriffe und Bereiche nahe der OberflächeEine aktive, neugierige Art. Begegnungen gehören in einen klar geführten Tauchkontext, nicht in eine improvisierte Annäherung.
Hammerhaioffene und tiefere Bereiche an abgelegenen RiffenSichtungen sind ein Spezialziel für erfahrene Taucher. Es gibt keine seriöse Garantie.
Fuchshaitieferes Freiwasser und abgelegene RiffeSelten und leicht zu verpassen. Ich habe einen in Ägypten gesehen, würde daraus aber keine Orts- oder Zeitgarantie ableiten.
Tigerhaiweite Küsten- und Offshore-BereicheSeltene Sichtung, aber aufgrund der Größe und dokumentierter Vorfälle mit besonderem Respekt zu behandeln.
Walhaioffenes Wasser nahe der OberflächeDer größte Fisch der Erde filtriert Nahrung aus dem Wasser. Abstand, freie Schwimmrichtung und kein Berühren gelten trotzdem.

Artenlisten verführen zu zwei Fehlern. Erstens wird aus „kommt in der Region vor“ schnell „schwimmt vor meinem Hotel“. Zweitens wird aus „selten“ eine werbliche Exklusivität. Beides hilft dir nicht. Der konkrete Lebensraum, die Wassertiefe, Strömung und eine aktuelle Einschätzung des Tauchcenters sind aussagekräftiger als die längste Liste.

Walhai schwimmt knapp unter der Wasseroberfläche im Roten Meer bei Safaga
Nach fast 20 Jahren Suche zog dieser Walhai im Roten Meer bei Safaga kurz unter unserem Tauchboot vorbei. Foto: Sascha Tegtmeyer

Diese Walhai-Begegnung hatte ich 2022 nach einem Tauchgang am Wrack der Salem Express. Auf der Rückfahrt nach Safaga zog das Tier knapp unter dem Bug vorbei. Vielleicht 15 Sekunden, dann war es wieder weg. Genau so unplanbar können gute Wildtierbeobachtungen sein. Mehr über die Art und diese konkrete Sichtung findest du in meinem Beitrag über den Walhai als größten Hai und Fisch der Welt.

Wo du Haie in Ägypten realistisch sehen kannst

Wer nur sicher baden möchte, muss keinen Hai-Hotspot studieren. Wer die Tiere gezielt beobachten will, braucht dagegen eine andere Reiseplanung. Die meisten meiner eigenen Sichtungen lagen nicht direkt am Hotelstrand, sondern an exponierten Riffen und während geführter Tauchgänge.

Hotelstrand und Hausriff

An Hotelstränden zwischen Hurghada, Makadi Bay, Soma Bay, Safaga und Marsa Alam können Hausriffe sehr nah an die Küste reichen. Das bedeutet nicht automatisch viele Haie. Es bedeutet vor allem, dass sich Bedingungen innerhalb kurzer Distanz ändern können: flaches Sandfeld, Korallendach, Riffkante, tiefes Blauwasser.

Frage vor dem ersten Einstieg nach der markierten Schnorchelroute, Strömung, Bootsrinne und dem Ausstieg bei auflandigem Wind. Mein breiter Überblick zu Fischen, Rochen, Schildkröten und weiteren Arten steht im Beitrag über die Tiere im Roten Meer. Der vorliegende Artikel bleibt bewusst bei Haien und der Sicherheitsentscheidung.

Elphinstone, Daedalus, Brothers und Abu Kafan

Außenriffe wie Elphinstone, Daedalus und die Brothers Islands werden mit großen Haien verbunden. Abu Kafan bei Safaga ist ebenfalls ein exponierter Tauchplatz. Gemeinsam ist diesen Orten nicht nur die Chance auf Großfisch, sondern das offene Wasser: Strömung, steile Wände, tiefe Plateaus und anspruchsvolle Ein- oder Ausstiege können die eigentliche Prüfung sein.

Elphinstone ist deshalb keine vernünftige Empfehlung für einen Schnorchelausflug auf eigene Faust. Auch beim Tauchen zählt nicht die Zahl der geloggten Tauchgänge allein. Entscheidend ist, ob du mit Strömung, Blauwasser, einem Einstieg ins Freiwasser, kontrollierter Tiefe und einer eventuell längeren Oberflächenphase umgehen kannst. Das Center muss die Anforderungen am konkreten Tag festlegen.

Taucher schwebt über einem Korallenriff im Roten Meer in Ägypten
An einem Außenriff entscheiden Strömung, Tiefe, Buddykontakt und der geplante Ausstieg über den Tauchgang. Die Hai-Sichtung kommt erst danach. Foto: Sascha Tegtmeyer

Tagesboot oder Tauchsafari?

Von Marsa Alam aus werden manche exponierten Riffe mit dem Tagesboot erreicht. Eine Tauchsafari schafft mehr Reichweite und mehrere Versuche an abgelegenen Plätzen. Sie macht aus einem Wildtier aber keinen Programmpunkt mit Anwesenheitspflicht. Wenn ein Anbieter „Hai garantiert“ verspricht, würde ich genauer nachfragen, was tatsächlich garantiert wird: ein Riff, eine Route oder eine Tierbegegnung?

Für mich sind fünf Fragen wichtiger als jede Hochglanzaufnahme: Welche Erfahrung wird vorausgesetzt? Wie groß ist die Gruppe? Was gilt bei starker Strömung? Wie läuft das Longimanus-Briefing? Und welcher Plan besteht, wenn Wetter, Tierverhalten oder Bootsverkehr den vorgesehenen Tauchgang unvernünftig machen?

Bestätigte Haiunfälle in Ägypten: Was daraus folgt

Ein einzelner tödlicher Vorfall ist für Betroffene eine Katastrophe. Für Reisende ist er zugleich schwer einzuordnen, weil Schlagzeilen oft schneller sind als die Untersuchung. Deshalb nenne ich hier nur bestätigte Eckdaten und trenne sie von Vermutungen über Ursache oder Tierart.

Zeit und OrtBestätigter StandWas du daraus ableiten kannst
März 2015, Region Marsa AlamEin deutscher Urlauber starb nach einem Haiangriff. Ich war damals als Reporter in der Region und recherchierte vor Ort. Die Artzuordnung bleibt in diesem Beitrag offen.Auch ein seltener Vorfall verdient eine nüchterne Untersuchung. Spekulationen ersetzen keine bestätigte Ursache.
Juli 2022, Sahl HasheeshZwei Frauen starben bei getrennten Vorfällen in derselben Region. Die Behörden setzten Wasseraktivitäten vorübergehend aus.Lokale Sperrungen sind keine optionale Empfehlung. Sie stehen über Reiseplänen und alten Blogangaben.
Juni 2023, HurghadaDas ISAF führt einen tödlichen Vorfall mit einem Tigerhai in Ägypten.Eine bestätigte Artzuordnung darf genannt werden. Sie macht nicht jede Sichtung eines anderen Hais zu derselben Gefahrenlage.
Dezember 2024, nördlich von Marsa AlamNach Angaben des ägyptischen Umweltministeriums wurden zwei ausländische Urlauber in tiefem Wasser außerhalb der Badezone angegriffen; einer starb, einer wurde verletzt. Der betroffene Bereich wurde vorübergehend geschlossen.Begrenzungen, tiefe Bereiche und behördliche Maßnahmen sind konkrete Informationen. Eine in der Meldung nicht genannte Haiart sollte nicht nachträglich erfunden werden.
Jahr 2025Ägypten erscheint nicht in der ISAF-Ländertabelle der bestätigten unprovozierten Bisse für 2025.Das ist ein Datenbankstand, kein Beweis für ewige Sicherheit und keine Prognose für die nächste Saison.

Für 2015 stütze ich mich neben meiner eigenen Reporterarbeit auf die zeitgenössische Meldung von Daily News Egypt. Die beiden Todesfälle von 2022 wurden von ägyptischen Behörden bestätigt und unter anderem von ABC News dokumentiert. Für 2023 nutze ich den ISAF-Jahresbericht, für 2024 die Mitteilung des ägyptischen Umweltministeriums.

Was ich ausdrücklich nicht behaupte: dass alle Haiunfälle durch Abfälle, Überfischung, Fütterung, Krankheiten oder Fehler der Opfer verursacht wurden. Solche Faktoren können in der Forschung und in einzelnen Untersuchungen eine Rolle spielen. Ohne belastbare Feststellung für den konkreten Fall bleiben sie Hypothesen.

Wenn du beim Schwimmen oder Schnorcheln einen Hai siehst

Der erste Schritt ist unspektakulär: Ruhe bewahren, den Hai im Blick behalten und kontrolliert zum sicheren Ausstieg zurückkehren. Du musst das Tier nicht bestimmen, bevor du handelst. Du musst auch kein Video aufnehmen. Ein seltenes Bild ist weniger wert als ein geordneter Rückweg.

  • Bleib bei deinem Partner oder der Gruppe. Trenne dich nicht für eine bessere Perspektive.
  • Vermeide hektisches Planschen. Schwimme kontrolliert zum nächsten sicheren Ausstieg oder folge den Anweisungen des Guides.
  • Behalte Abstand und freie Wege. Verfolge den Hai nicht, berühre ihn nicht und dränge ihn nicht zwischen Menschen, Riff und Ufer ein.
  • Warne andere und informiere die Aufsicht. Rettungsschwimmer, Hotel, Bootscrew oder Tauchcenter können die Lage prüfen und gegebenenfalls den Bereich schließen.
  • Geh nicht erneut ins Wasser, solange eine Sperrung gilt. Auch dann nicht, wenn du den Hai vom Steg aus nicht mehr siehst.
  • Meide Fischerei, Köder und Fütterung. Steige nicht dort ein, wo Fische ausgenommen, Tiere angefüttert oder Köder eingesetzt werden.

Die Risikohinweise des ISAF empfehlen unter anderem, in Gruppen und in Ufernähe zu bleiben, schlechte Sicht und Dämmerung zu meiden, Abstand zu Fischerei und Futterquellen zu halten und unnötiges Spritzen zu vermeiden. Keine einzelne Regel schafft Sicherheit. Zusammen reduzieren sie vermeidbare Risiken.

Ein dunkler Neoprenanzug macht dich nicht nachweislich „hai-sicher“. Eine Kamera ist kein Schutzschild. Und eine Schwimmboje vertreibt keine Haie. Ich nutze im offenen Wasser trotzdem gern eine gut sichtbare Boje, weil sie Auftrieb und Sichtbarkeit gegenüber Booten verbessern kann. Wo Leinen am Riff oder in einer Gruppe stören könnten, klärst du die Nutzung vorher mit dem Anbieter. Meine Erfahrungen dazu findest du im Restube-Test.

Für Taucher: Longimanus, Briefing und Außenriffe

Der Weißspitzen-Hochseehai ist für viele Taucher die Ikone des ägyptischen Roten Meeres. Das Tier kann nahe an der Oberfläche auftauchen und wiederholt an einer Gruppe vorbeiziehen. Ich empfinde sehr nahe Longimanus-Begegnungen als anspruchsvoll. Nicht aus Panik, sondern weil die Neugier des Tieres und das offene Wasser einen klaren Kopf verlangen.

Die lokale Meeresschutzorganisation HEPCA empfiehlt bei Longimanus-Begegnungen, ruhig zu bleiben, aufmerksam zu beobachten, Blickkontakt zu halten, die Tarierung zu kontrollieren und das Wasser geordnet zu verlassen. Füttern und Anlocken sind kein Service, sondern ein Warnsignal.

Sascha Tegtmeyer im Neoprenanzug auf der nassen Plattform eines Tauchboots
Vor einem Tauchgang am Roten Meer prüfe ich nicht nur die Ausrüstung. Einstieg, Strömung, Gruppe, Ausstieg und Abbruchkriterien gehören ins Briefing. Foto: Sascha Tegtmeyer

Ein brauchbares Briefing beantwortet vor dem Sprung ins Wasser konkrete Fragen: Wo bleibt die Gruppe? Welche Position ist bei einer Sichtung vorgesehen? Welche Mindest- und Maximaldistanz gelten? Wie verhalten wir uns bei mehreren Tieren? Wann wird der Tauchgang abgebrochen? Wo nimmt das Boot die Taucher auf? Bleibt es bei allgemeinen Sätzen wie „alles kein Problem“, fehlt genau die Information, die du draußen brauchst.

Ebenso wichtig ist die ehrliche Selbsteinschätzung. Wer lange nicht getaucht ist, Probleme mit Tarierung oder Luftverbrauch hat oder in Strömung schnell Stress bekommt, muss nicht ausgerechnet an einem exponierten Außenriff wieder einsteigen. Ein ruhiger Check-Dive ist keine verpasste Chance. Er ist die Voraussetzung dafür, dass eine spätere Begegnung nicht zur Nebensache eines überfordernden Tauchgangs wird.

Die praktischeren Gefahren im Roten Meer nicht übersehen

Haie bekommen die Schlagzeilen. Strömung, Wind, Wellen, Bootsverkehr, schwierige Einstiege und die eigene Kondition arbeiten leiser. Genau deshalb werden sie leichter unterschätzt. Wer kilometerweit am Riff entlangschnorchelt und erst dann merkt, dass der Rückweg gegen Wind und Strömung führt, hat ein sehr konkretes Problem, ganz ohne Rückenflosse.

Vor jedem Schnorchelgang kläre ich deshalb die Richtung der Strömung, den sicheren Ausstieg und den Bootsverkehr. Ich gehe nicht allein weit ins offene Wasser. Eine Boje kann sinnvoll sein, ersetzt aber weder Partner noch Planung. Ausführlicher behandle ich das im Ratgeber zum Schnorcheln im Roten Meer und in meinem Erfahrungsbericht zum Schnorcheln in Marsa Alam.

Meine kurze Checkliste vor dem Einstieg

  • Ist der Bereich heute ausdrücklich freigegeben?
  • Wo verlaufen Badegrenze, Riffkante und Bootsrinne?
  • Wie stehen Wind und Strömung, und wo ist mein sicherer Ausstieg?
  • Wer ist mein Partner, und wie bleiben wir in Kontakt?
  • Gibt es Fischerei, Köder, Fütterung oder ungewöhnliche Tierbeobachtungen in der Nähe?
  • Welche Signale und Abbruchregeln gelten auf der geführten Tour?
  • Bin ich für Strecke, Tiefe und Bedingungen heute wirklich fit?

Wenn eine dieser Fragen offenbleibt, ist die Lösung nicht Mut. Die Lösung ist nachfragen, eine einfachere Route wählen oder draußen bleiben. Das Meer läuft nicht weg.

Quellen und Aktualitätsstand

Die Risikoeinordnung und die Vorfallchronik wurden am 24. August 2026 anhand des International Shark Attack File, des ägyptischen Umweltministeriums, des regionalen FAO/PERSGA-Artenführers und der HEPCA-Verhaltenshinweise geprüft. Ändern Behörden vor Ort Badezonen, Sperrungen oder Tauchbedingungen, gilt immer die aktuelle Anweisung am Reisetag. Ein Blogbeitrag kann diese Lage nicht in Echtzeit ersetzen.

Häufige Fragen zu Haien in Ägypten

Gibt es vor Hurghada oder Marsa Alam mehr Haie?

Eine belastbare Rangliste für Badegäste gibt es nicht. Marsa Alam liegt näher an mehreren bekannten Außenriffen, die Taucher gezielt anfahren. Das sagt wenig über eine zufällige Sichtung in einer freigegebenen Hotelbucht aus. Frage das Tauchcenter nach den jüngsten lokalen Beobachtungen, aber verwechsle Erfahrungsberichte nicht mit einer Sichtungsgarantie.

Darf ich nach einer Hai-Sichtung wieder ins Wasser?

Erst wenn der Bereich von der zuständigen Stelle wieder freigegeben wurde. Dass du vom Strand aus keinen Hai mehr siehst, reicht nicht. Hotel, Rettungsaufsicht, Bootscrew oder Behörden können Strömung, weitere Meldungen und den betroffenen Abschnitt besser einordnen. Eine aktuelle Sperrung steht immer über diesem Artikel.

Kann ich als Schnorchler gezielt Haie suchen?

Nur in einem professionell geführten Rahmen, der ausdrücklich für die Bedingungen und die jeweilige Tierart geeignet ist. An einer offenen Riffkante selbstständig weit hinauszuschwimmen, ist keine vernünftige Suchstrategie. Für viele Urlauber ist ein geführter Hausriffgang die bessere erste Entscheidung, auch wenn dabei kein Hai auftaucht.

Mein Fazit: Respekt ist nützlicher als Angst

Die Recherche nach dem tödlichen Vorfall von 2015 ist mir geblieben. Ebenso geblieben sind die ruhenden Riffhaie bei Makadi Bay, der seltene Fuchshai und diese wenigen Sekunden mit dem Walhai bei Safaga. Das widerspricht sich nicht. Haie können gefährlich sein, und eine Begegnung kann trotzdem zu den stärksten Momenten unter Wasser gehören.

Für deinen Urlaub folgt daraus eine klare Linie: Nutze freigegebene Bereiche, nimm Grenzen und Sperrungen ernst, kläre Strömung und Ausstieg, bleib bei deiner Gruppe und geh bei einer Sichtung ruhig aus dem Wasser. Wenn du Haie gezielt sehen möchtest, such dir einen Anbieter, der über Anforderungen und Abbruchkriterien genauso offen spricht wie über Sichtungschancen. Weitere Artenporträts und Hintergründe findest du in meinem Themenbereich über Haie.

Was beschäftigt dich vor einer Ägyptenreise mehr: die Wahrscheinlichkeit einer Haibegegnung oder die Frage, wie du dich im seltenen Fall richtig verhältst?

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Reisejournalist, Autor und Gründer von Just Wanderlust

Ich schreibe auf Just Wanderlust aus eigener Reiseerfahrung über Orte, Meer und Outdoor-Abenteuer. Mehr über mich und meine Arbeit.

1 Comment

  1. Ich hatte im Dezember 1999 in Hurghada meine erste und bisher einzige Begegnung mit einem Hai(Weissspitzenriffhai).Diesen faszinierenden Moment werde ich nie vergessen. Ich hoffe dieses Jahr in Marsa Alam auf eine Wiederholung.

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