Am Playa Chica beginnt der Tauchtag nicht still. Schon am Morgen klacken Flaschenventile, Reißverschlüsse werden hochgezogen, Guides sortieren Gruppen, und auf der kleinen Mole stehen Taucher aus halb Europa zwischen Kisten, Flossen und Jackets. Bei meiner Lanzarote-Tauchreise war ich zunächst baff, wie viel Betrieb sich an dieser winzigen Bucht sammelt. Wenige Meter später, unter Wasser, löst sich das Gedränge jedoch auf: Hinter dem geschützten Sandbereich fällt das vulkanische Riff in den Atlantik ab, und zwischen Lavawänden, Höhlen und Sandflächen beginnt einer der vielseitigsten Tauchplätze der Insel.
Mein Urteil vorweg: Tauchen am Playa Chica lohnt sich, wenn du den Tauchplatz nicht als einzelne Sehenswürdigkeit, sondern als ganzes Revier verstehst. Die flache Bucht eignet sich für Eingewöhnung, Ausbildung und Nachttauchgänge. Weiter draußen liegen anspruchsvollere Ziele wie La Catedral, der Veril und die Cueva de las Gambas. Genau diese Spannweite macht den Spot stark, sorgt aber auch für Missverständnisse: Nicht jede Route ist für jedes Brevet geeignet.

Tauchen am Playa Chica: das Wichtigste in Kürze
| Lage | Puerto del Carmen an der Südostküste Lanzarotes; auf Karten auch Pila de la Barrilla |
|---|---|
| Zugang | Je nach Route vom Sandstrand, über Treppen oder per großem Schritt von der Mole |
| Tiefen | Flache Bucht für Anfänger; La Catedral bis etwa 32 Meter, Veril bis rund 40 Meter |
| Geeignet für | Einsteiger in Begleitung, zertifizierte Sporttaucher und – routenabhängig – erfahrene Tieftaucher |
| Typische Motive | Lavakanten, Sandflächen, Höhlen, Zackenbarsche, Schwarmfische, Krustentiere und mit Glück Engelhaie |
| Mein wichtigster Tipp | Den ersten Tauchgang als Orientierung planen und die Route nach Brevet, Erfahrung und Tagesbedingungen wählen |
Die offizielle Tourismusinformation beschreibt Playa Chica als kleine, von Lava eingefasste Bucht mit meist ruhigem Wasser und Tauchschulen in unmittelbarer Nähe. Das erklärt den bequemen Einstieg, aber nicht die gesamte Unterwasserlandschaft. Hinter dem geschützten Bereich beginnt ein steiler Veril – eine submarine Abbruchkante –, an dem die Tiefe rasch zunimmt.
Wenn du den Platz noch nicht kennst, bleib bei einem lokalen Guide. Das gilt besonders für La Catedral, den Agujero Azul und die tieferen Höhlen. Auf der Karte wirken manche Wege kurz; unter Wasser verändern Tiefe, Gasverbrauch, Strömung und Navigation die Rechnung. Der volle Strand ist kein Beweis dafür, dass jede Route unkompliziert ist.
Meine Erfahrung: vom Tauchertrubel in die Lavawelt
Ich tauchte damals mit Georg Reichelmann und dem Team von Island Watersports. Vom Sandbereich führte unser Weg mit der linken Schulter am Riff entlang zur Abbruchkante. Oberhalb blieb das Wasser hell und freundlich, doch am Veril änderte sich die Stimmung: Das Blau wurde tiefer, die Lavawand nahm Kontur an, und zwischen Vorsprüngen standen Fische in der Strömung.
Was mir vom Playa Chica besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist dieser abrupte Wechsel. Über Wasser herrscht beinahe Festivalstimmung; unter Wasser strukturieren Sand, schwarzes Gestein und einzelne Höhlen den Raum. Man muss nicht möglichst tief tauchen, um viel zu sehen. Schon im flacheren Bereich lohnt es sich, langsam über den Sand zu schweben und an den Felskanten nach Tintenfischen, kleinen Rochen oder eingegrabenen Bewohnern zu suchen.
Der Betrieb hat allerdings eine Schattenseite. Gruppen kreuzen sich, am Einstieg kann es eng werden, und Hektik schleicht sich schnell in den Ausrüstungscheck. Ich würde deshalb heute noch konsequenter auf einen ruhigen Buddy-Check abseits der Laufwege achten. Wer seine Flossen erst am Wasserrand sucht oder die Bleimenge zwischen zwei Gruppen korrigiert, startet mit unnötigem Stress.
La Catedral: der bekannteste Tauchgang am Playa Chica
La Catedral ist eine große Höhlen- beziehungsweise Überhangstruktur am Veril und einer der bekanntesten Tauchgänge von Puerto del Carmen. Der offizielle Tauchführer für Lanzarote gibt für die Route einen Bereich von null bis ungefähr 32 Metern an. Damit gehört sie nicht automatisch in ein normales Open-Water-Profil: Entscheidend sind die tiefste Stelle der tatsächlich geplanten Route, dein Brevet und dein Gasvorrat.

Bei meinem Tauchgang gingen wir tief in den dunkleren Bereich hinein. Neugierige Zackenbarsche folgten uns, und im Licht der Lampen wurden unzählige Krustentiere in den Felsspalten sichtbar. Damals schalteten wir die Lampen zeitweise aus und wieder an; das Licht beeinflusste sichtbar das Verhalten der Tiere. Heute würde ich daraus keine Show machen. Licht sollte der Orientierung und Beobachtung dienen, nicht dazu, Jagdverhalten wiederholt auszulösen.
Auch eine breite Öffnung macht aus La Catedral keinen Raum für unkontrolliertes Hineintauchen. Bleib in dem Bereich, den Ausbildung, Guide und Tagesplanung erlauben, achte auf die Decke über dir und vermeide Kontakt mit Gestein oder Bewuchs. Wer fotografiert, sollte seine Tarierung vorher stabil haben. Ein rückwärts flatternder Taucher mit Kamera kann in einer Sekunde Sediment aufwirbeln und die Sicht für die ganze Gruppe verschlechtern.
Welche Route passt zu deinem Erfahrungsstand?
El Muellito und die Bucht: für Orientierung und Nacht
Zwischen Strand und den beiden Molen bleibt der Grund zunächst flach und übersichtlich. Dieser Bereich eignet sich für Checktauchgänge, Übungen und geführte erste Meerestauchgänge. Gerade weil der Einstieg bequem wirkt, solltest du Badegäste, Schnorchler und andere Gruppen aktiv im Blick behalten. Eine Oberflächenmarkierung kann je nach Route und lokalen Vorgaben wichtig sein.
La Catedral: für sichere Tiefe und gute Tarierung
Die Kathedrale verbindet eine eindrucksvolle Struktur mit erheblicher Tiefe. Sie passt zu Tauchern, die ihr Profil sicher beherrschen, mit Lampe umgehen können und in der Nähe von Überhängen ruhig bleiben. Sie ist kein sinnvoller Ort, um gleichzeitig eine neue Kamera, ungewohnte Ausrüstung und die persönliche Maximaltiefe auszuprobieren.
Veril und Cueva de las Gambas: tief und anspruchsvoll
Der Veril von Playa Chica reicht laut offiziellem Tauchführer bis etwa 40 Meter. Die Cueva de las Gambas liegt am Fuß der Abbruchkante ungefähr in diesem Tiefenbereich. Dort sammeln sich zahlreiche Narwal-Shrimps, die der Höhle ihren Namen geben. Das ist ein Ziel für passend ausgebildete Taucher mit belastbarer Tieferfahrung – nicht die Verlängerung eines gemütlichen Rifftauchgangs.
Agujero Azul und Wracks: nur mit sauberem Plan
Der Agujero Azul ist ein Tunnel, der den flacheren Sandbereich mit der Wand verbindet. Ein Tunnel verändert Risiken und Rückweg; ein lokaler Guide und die passende Ausbildung sind hier keine Dekoration. Auch die Wracks vor Puerto del Carmen sind eigene Tauchziele. Lass dir nicht mehrere Namen in ein überladenes Profil packen, nur weil sie geografisch nah beieinander liegen.
Meerestiere am Playa Chica: was du realistisch sehen kannst
Playa Chica ist kein Aquarium mit Sichtungsgarantie. Bei meinen Tauchgängen prägten Zackenbarsche, Krustentiere und kleinere Schwärme das Bild. Je nach Route und Saison können außerdem Tintenfische, Schlangenaale, Barrakudas, Thunfische und Engelhaie auftauchen. Gerade Engelhaie liegen häufig so gut getarnt im Sand, dass man sie erst spät erkennt.
Halte Abstand zu ruhenden Tieren und versperre ihnen nicht den Fluchtweg. Im Sand ist eine saubere Flossentechnik doppelt wichtig: Sie schützt den Grund und verhindert, dass du die Tiere unter einer Staubwolke begräbst. Für Makrofotografie lohnt eine Lampe, aber nicht jedes Tier in einer Spalte sollte herausgeleuchtet oder bedrängt werden.
Praktische Planung: Anreise, Ausrüstung und Kosten
Playa Chica liegt am westlichen Rand von Puerto del Carmen und wird auf Karten auch als Pila de la Barrilla geführt. Öffentliche Verkehrsmittel fahren nach Puerto del Carmen; mit schwerer Tauchausrüstung ist der Transfer über eine Tauchbasis meist bequemer. Parkplätze im Umfeld sind begrenzt. Wer mit dem Mietwagen kommt, sollte früh da sein und niemals Zufahrten oder Ladezonen der Rettungskräfte blockieren.
- Beste Uhrzeit: früh am Morgen für leichteres Parken; Ruhe unter Wasser hängt dennoch von Gruppen und Route ab.
- Kälteschutz: Die Tourismusinformation nennt etwa 18 Grad Wassertemperatur im Winter. Ob 5 oder 7 Millimeter, Kopfhaube oder zusätzliche Weste passen, hängt von Saison, Tauchdauer und persönlichem Kälteempfinden ab.
- Mitnehmen: Brevet, Logbuch, Tauchcomputer, Oberflächenboje, Lampe für Überhänge und – falls nicht im Paket – gültiger Versicherungsnachweis.
- Vor Ort klären: Flaschengröße, Nitrox, Leihausrüstung, Versicherung, Guide, Transfer, Einstieg und geplante Maximaltiefe.
Als Preisorientierung, nicht als Versprechen: Island Watersports listete bei meiner Aktualisierung im Juli 2026 einen einzelnen geführten Tauchgang mit Flasche und Blei für 45 Euro beziehungsweise 57 Euro mit Standard-Leihausrüstung. Ein Paket mit sechs Tauchgängen kostete 228 beziehungsweise 300 Euro. Die Seite weist außerdem auf eine in Spanien erforderliche Tauch- und Haftpflichtversicherung hin und bietet Kurzzeitschutz ab sechs Euro pro Tag an. Prüfe Preise, Leistungsumfang und Rechtslage unmittelbar vor der Buchung erneut.
Der billigste Paketpreis ist nicht automatisch das beste Angebot. Entscheidend sind Gruppengröße, Sprache, Zustand der Leihausrüstung, Sauerstoff und Notfallkonzept, passende Routenauswahl sowie die Frage, ob ein Guide dein Erfahrungsniveau ernst nimmt. Für einen ersten Tauchgang am Playa Chica würde ich eine kleine Gruppe einem möglichst günstigen Massenpaket vorziehen.
Nachttauchen am Playa Chica: reizvoll, aber nicht spontan
Die geschützte Bucht gilt als klassischer Platz für Nachttauchgänge, und selbst die offizielle Lanzarote-Tourismusinformation nennt einen Tauchgang bei Vollmond. Im flachen Sandbereich werden nach Sonnenuntergang Tintenfische, Schlangenaale und Krustentiere aktiv. Das kann ein starker Abschluss der Reise sein – vorausgesetzt, du kennst Einstieg und Route bereits bei Tageslicht.
Plane Haupt- und Backup-Lampe, eindeutige Lichtzeichen, Ein- und Ausstieg sowie Umkehrzeit vor dem Abtauchen. Bleib von Molenverkehr und Angelbereichen fern und folge den Vorgaben der Basis. Ein Nachttauchgang ist nicht der Moment, eine unbekannte tiefe Route mit einer neuen Buddy-Konstellation zu kombinieren.
Meine Anti-Empfehlung: nicht der Menge hinterhertauchen
Am Playa Chica ist es verführerisch, aus dem Betrieb am Ufer auf eine einfache Standardroute zu schließen. Genau das würde ich vermeiden. Wähle den Tauchgang nicht nach dem bekanntesten Namen, sondern nach deiner aktuellen Routine. La Catedral darf warten, wenn Tarierung, Tiefenerfahrung oder Tagesform nicht passen. Der flache Bereich ist keine zweitklassige Alternative, sondern ein eigenes, oft entspannteres Erlebnis.
Ebenso wenig würde ich den gesamten Lanzarote-Tauchurlaub nur an diesem einen Einstieg verbringen. Playa Chica zeigt die markante Abbruchkante von Puerto del Carmen; andere Küstenabschnitte wirken unter Wasser anders. Für die Auswahl des Reviers, der Basis und weiterer Spots findest du die breite Einordnung in meinem Guide zum Tauchurlaub auf Lanzarote. Sehenswürdigkeiten und Touren an Land bündelt mein Lanzarote-Reisebericht.
Quellen und Aktualität
Die Angaben zu Strand, Verkehrsanbindung und Charakter der Bucht habe ich mit der offiziellen Tourismusseite von Lanzarote abgeglichen. Tiefen und Routennamen stammen aus dem offiziellen Tauchführer. Der Kostenrahmen basiert auf der im Juli 2026 abrufbaren Preisliste von Island Watersports. Sicherheit, Preise und Bedingungen können sich ändern; die Tagesentscheidung trifft immer die verantwortliche Basis. Vor dem Rückflug hilft dir außerdem mein Ratgeber Fliegen nach dem Tauchen.
FAQ zum Tauchen am Playa Chica
Ist Playa Chica für Anfänger geeignet?
Ja, der geschützte flache Bereich eignet sich für Ausbildung und erste Meerestauchgänge in professioneller Begleitung. Tiefe Ziele wie La Catedral oder die Cueva de las Gambas sind keine Anfängerrouten.
Wie tief ist La Catedral auf Lanzarote?
Der offizielle Tauchführer gibt für La Catedral einen Tiefenbereich bis ungefähr 32 Meter an. Die konkrete Maximaltiefe hängt von der gewählten Route ab.
Kann man am Playa Chica vom Ufer tauchen?
Ja. Je nach Route erfolgt der Einstieg vom Sandstrand, über Treppen oder von der Mole. Bedingungen und lokale Vorgaben sollten vor jedem Tauchgang geprüft werden.
Was kostet ein Tauchgang am Playa Chica?
Ein lokaler Anbieter listete im Juli 2026 einen einzelnen Tauchgang ab 45 Euro ohne beziehungsweise 57 Euro mit Standard-Leihausrüstung. Preise und enthaltene Leistungen bitte aktuell beim Anbieter prüfen.
Lohnt sich ein Nachttauchgang am Playa Chica?
Ja, besonders im flachen, geschützten Bereich. Tauche die Route vorher bei Tageslicht und plane Lampen, Signale, Ein- und Ausstieg sowie Reserven gemeinsam mit der Basis.
Mein Fazit: ein Tauchplatz für mehrere Urlaubstage
Playa Chica ist nicht deshalb gut, weil dort jeden Morgen viele Taucher stehen. Der Platz überzeugt, weil auf engem Raum sehr unterschiedliche Tauchgänge möglich sind: ein ruhiger Check im Sand, eine Tour entlang der Lavakante, die atmosphärische Kathedrale oder ein sorgfältig geplanter Nachttauchgang. Wer Tiefe und Route passend auswählt, kann hier mehrere Tage tauchen, ohne denselben Tauchgang zu wiederholen.
Ich erinnere mich vor allem an den Kontrast zwischen dem geschäftigen Ufer und den dunklen, von Leben besetzten Nischen unter Wasser. Welche Route am Playa Chica würdest du zuerst wählen: einen entspannten Tauchgang in der Bucht, La Catedral oder einen Nachttauchgang?


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