Falsche Entscheidungen bereuen: Die Reise, die Ihr nie gemacht habt

Welche fatalen Auswirkungen können falsche Entscheidungen beim Reisen, im Job und in der Liebe auf uns haben?

Falsche Entscheidungen bereuen: Der Reise, die Ihr nie gemacht habt, werdet Ihr vielleicht ein Leben lang hinterhertrauern. Foto: Pixabay
Falsche Entscheidungen bereuen: Der Reise, die Ihr nie gemacht habt, werdet Ihr vielleicht ein Leben lang hinterhertrauern. Foto: Pixabay

Die einzige Reise, die Ihr jemals bereuen werdet, ist mit Sicherheit der Trip, den Ihr nie gemacht habt. Das ist jetzt auch wissenschaftlich bestätigt: Forscher haben herausgefunden, welche Effekte falsche Entscheidungen bei Reisen, Job und Liebe auf uns haben – und geben Tipps, was man dagegen tun kann!

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Ihr wolltet schon immer diesen Road-Trip durch die USA machen oder habt überlegt, euren tristen Bürojob zu kündigen. Die Reise musste warten, weil gerade keine Zeit oder kein Geld für Urlaub da war. Den Job habt Ihr aus Angst vor der Zukunft lieber behalten, anstatt zu kündigen. Und nun sitzt Ihr da und überlegt: War das alles vielleicht ein ganz großer und schlimmer Fehler? Oder vielleicht bereut Ihr auch einfach, den ganzen Sommer im Büro verbracht zu haben? Oder dass Ihr eine Fremdsprache nicht vernünftig gelernt habt? Wissenschaftler der Cornell Universität sind der Frage auf den Grund gegangen, ob wir falsche Entscheidungen bereuen müssen. Egal ob Reisen, Job, Liebe oder sonstwas – die Forscher raten vor allem, den allerschlimmsten Fehler zu vermeiden!

Jeder von uns trifft manchmal böse Fehlentscheidungen, die er bereut

Denkt mal ganz kurz an euer bisheriges Leben. Habt Ihr es bisher in vollen Zügen gelebt oder seid Ihr ständig dabei, faule Kompromisse zu machen und falsche Entscheidungen zu bereuen? Gerade was das Reisen, Jobs und Beziehungen anbelangt, kann man in der Tat unheimlich böse Fehlentscheidungen treffen, die sich hinterher nur noch schwer berichtigen lassen. Davor sind auch wir von Just Wanderlust nicht gefeit. Ich wollte nach dem Master-Studium eigentlich ein bis zwei Monate in Kalifornien herumhängen, mir einen Mietwagen nehmen, Land und Leute anschauen und einfach eine gute Zeit haben.

Das günstige Apartment in L.A. war schon gebucht, der Flug herausgesucht und zwei Monate später hätte es losgehen sollen. Da kam die Zusage für den ersten richtigen Job nach dem Studium. Verdammt! hab ich gedacht, was für ein mieses Timing! Traumjob gegen Traumurlaub – und ich war vermeintlich „vernünftig“: Der Job ist es geworden, der Traumurlaub in Kalifornien wurde abgesagt.

Ihr könnt Euch denken, was ich damit sagen möchte: Falsche Entscheidungen bereuen ist eigentlich nicht so meine Art, aber in diesem Fall erwischt es mich immer wieder kalt, wenn ich daran zurückdenke, was einst hätte sein können. Und was dann am Ende wirklich war: Ich habe jede Woche mit 8 unbezahlten Überstunden vor einem Computer in einem muffigen Büro gehangen.

Falsche Entscheidungen bereuen: Wie erfüllend ist der vermeintlich sichere Bürojob wirklich? Foto: Pixabay
Falsche Entscheidungen bereuen: Wie erfüllend ist der vermeintlich sichere Bürojob wirklich? Foto: Pixabay

Besonders beim Reisen gibt’s falsche Entscheidungen zu bereuen

Seid Ihr immer ganz pflichtbewusst oder folgt Ihr lieber euren Träumen, auch wenn das Konto leer ist und die Pflicht ruft? Im Grunde gibt es immer zwei oder mehr Wege: Der eine ist der Weg des geringsten Widerstands. Und der andere ist die Straße, die direkt aus eurer Komfortzone hinaus ins Ungewisse führt. Ich hatte die Wahl zwischen einem vermeintlich sicheren Bürojob, der mir Geld einbringt und einem unsteten Road-Trip mit offenem Ende, der mich hätte sonstwo hinführen können. Vielleicht würde ich heute in Kalifornien leben?! Wo würdet Ihr leben, wenn Ihr einmal öfter den steinigen Weg eingeschlagen hättet?

Zweifel an eigenen Entscheidungen kennt jeder. Aber falsche Entscheidungen rückgängig machen ist schwierig. Ich könnte heute jederzeit einen Monat in Kalifornien verbringen, gar kein Problem. Aber es wäre nicht dasselbe – und meine damalige Fehlentscheidung wieder gutmachen würde so eine Reise in die USA noch lange nicht. Und auch heute noch erwischt uns beim Buchen der nächsten Reise öfters mal die Trägheit, weil es ja vermeintlich noch so viel zu tun gibt und jetzt eigentlich gar keine Zeit ist für die nächste Tour. Doch wenn uns diese Reisebuchungsträgheit überkommt, geben wir ihr natürlich nicht nach und planen dennoch den nächsten Trip. Was aber sagt die Wissenschaft zur Problematik der falschen Entscheidungen, die wir bereuen? Das so häufig zitierte „es gibt keine falschen Entscheidungen“ ist jedenfalls keines der Ergebnisse der Forscher.

Die laut Wissenschaftlern allergrößte Fehlentscheidung, die Euch später immer wieder plagt

Die Mehrheit der Menschen bedauert Fehlentscheidungen, weil sie es bedauern, nicht der Person gerecht zu werden, die sie eigentlich von tiefstem Herzen sein wollen. Laut der Studie der Cornell Universität bedauern drei von vier erwachsenen Menschen nicht die Fehlentscheidung, die sie getroffen haben, sondern – und das ist die Folge von zu wenigen und schlechten Entscheidungen – dass sie nicht ihren eigenen Erwartungen an sich selbst entsprechen und nicht der Mensch sind, der sie ihrer eigenen Meinung nach sein sollten.

Und dieser Zustand lässt sich weder an einem Job, an einer längeren Reise in ein wildfremdes Land oder gar an einem zweiwöchigen Luxusurlaub auf den Malediven festmachen. Die zeitliche Dimension wird bei genauer Betrachtung irrelevant. Es geht um das Mindset, dass umso destruktiver wird, je länger es im Leben fortbesteht. Auf den Punkt bedeutet das, die Menschen werden mehr von der Nichterfüllung ihrer Träume, Ziele und Bestrebungen verfolgt als von der Nichterfüllung ihrer Pflichten, Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten. Falsche Entscheidungen zu bereuen bezieht sich genau hierauf.

Wer öfter mal ins kalte Wasser springt, lebt glücklicher und erfüllter, bestätigen nun auch Wissenschaftler. Foto: Pixabay
Wer öfter mal ins kalte Wasser springt, lebt glücklicher und erfüllter, bestätigen nun auch Wissenschaftler. Foto: Pixabay

Ergebnis der Studie: Menschen treffen tatsächlich zu viele falsche Lebensentscheidungen

Die Studie der Cornell Universität wurde von Autor Tom Gilovich durchgeführt und bezieht sich auf frühere Forschungen. Laut dieser früheren Studien bereuen Menschen die Dinge am Meisten, die sie nicht getan haben, und nicht die, die sie getan haben. An dieser Stelle müssen wir einmal das viel zitierte und allseits bekannte Zitat von Mark Twain einwerfen:

„In 20 Jahren wirst du mehr enttäuscht sein über die Dinge, die du nicht getan hast, als über die Dinge, die du getan hast. Also löse die Knoten, laufe aus aus dem sicheren Hafen. Erfasse die Passatwinde mit deinen Segeln. Erforsche. Träume.“

Die Richtigkeit dieses Aphorismus ist jetzt wissenschaftlich bewiesen.

Forscher Gilovich und Team haben in sechs Studien hunderte von Patienten und Online-Befragten interviewt. Die Forscher legten drei Elemente zugrunde, die das Selbstverständnis einer Person ausmachen:

  • 1. tatsächliche Attribute, die eine Person glaubt zu haben,
  • 2. ideale Attribute wie Hoffnungen, Ziele, Bestrebungen und Wünsche und
  • 3. innere Imperative wie Pflichtgefühl, Pflichten, Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten.

Sie baten die Forschungsteilnehmer, ihr größtes Bedauern anhand dieser Beschreibungen aufzulisten und zu kategorisieren. Das Ergebnis der Studie war verblüffend: Das Bereuen von Fehlentscheidungen bezog sich immer auf die Hoffnungen, Ziele, Bestrebungen und Wünsche, die nicht verwirklicht wurden und so gut wie in keinem Fall auf Pflichten, Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten. 76 Prozent der Teilnehmer haben angegeben, dass sie ihr ideales Selbst nicht erfüllten. Wir finden: das ist nachvollziehbar! Wer bereut schon, in seinem Bürojob eine Pflicht nicht erfüllt zu haben. Aber wir alle bereuen die Reise, die wir nicht gemacht haben und dass wir den Abenteurer in uns nicht geweckt haben, obwohl wir uns doch eigentlich von ganzem Herzen so fühlen.

Seite 2: Kann man falsche Entscheidungen rückgängig machen?

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