Tauchsafari in Ägypten mit der Seawolf Felo: mein ehrlicher Erfahrungsbericht

by Sascha Tegtmeyer | Okt. 18, 2016

In der Marina von Hurghada liegt eine Woche vor mir, in der das Festland schnell bedeutungslos werden soll. Ich checke auf der Seawolf Felo ein. Es ist meine erste Tauchsafari in Ägypten. Auf der Nordroute wartet die Thistlegorm, und an Bord soll ich Sidemount-Tauchen lernen. Ich bin aufgeregt, neugierig und, wie ich heute weiß, an manchen Stellen deutlich sorgloser gewesen, als ich es mit meiner heutigen Erfahrung wäre.

Dieser Beitrag ist deshalb zweierlei: eine persönliche Reportage über meine damalige Reise und eine fachlich aktualisierte Einordnung. Die Erlebnisse mit Jan, Dariusz, Axel und der Crew sind unverändert meine. Sicherheitsbewertungen, Buchungsfragen und aktuelle Schiffsdaten habe ich im August 2026 neu geprüft.

Die Reise fand im Rahmen einer Pressereise statt. Meine Einschätzung ist davon unabhängig. Für die allgemeine Planung des Reiseziels findest du ergänzend meinen Ägypten-Reisebericht.

Für wen passt eine Tauchsafari in Ägypten?

Eine Tauchsafari passt zu Tauchern, die mehrere Tauchgänge pro Tag machen möchten, mit wenig Landprogramm auskommen und ihre Ausrüstung über eine Woche hinweg auf dem Tauchdeck eingerichtet lassen wollen. Sie ist keine schwimmende Version eines Strandhotels. Platz, Privatsphäre, Schlaf und Tagesrhythmus folgen dem Tauchen.

Auf einer Nordtour können Wracks und geschützte Riffe vergleichsweise nah beieinanderliegen. Trotzdem verändern Wind, Strömung, Genehmigungen und Erfahrung der Gruppe jeden Fahrplan. Ein gedruckter Routenname ist kein Anspruch auf einen bestimmten Tauchplatz.

Wähle eine Liveaboard-Woche nicht als ersten Sprung ins Tauchen, wenn du Tarierung, Luftverbrauch, Strömung oder Bootseinstiege noch nicht sicher beherrschst. Vier Tauchgänge am Tag machen kleine Unsicherheiten nicht kleiner. Sie machen sie müde.

Sidemount lernen: der Anfang auf der Tauchplattform

Zusammen mit Jan Bigge und Dariusz Rosa begann ich den Kurs bei Axel Früh. Zwei Abende lang beschäftigten wir uns mit Harness, Flaschenposition, Ventilen, Atemreglerwechsel und den Besonderheiten des Systems. Das Sidemount-Jacket wirkte zunächst fast zu schlicht: Gurte, eine kleine Blase und Befestigungspunkte statt eines großen Jackets mit Flasche auf dem Rücken.

Auf der Plattform kniete ich mit einem Bein, während Nazra aus der Crew die erste Aluminiumflasche einhängte. Mit der zweiten Flasche in der Hand sprang ich ins Wasser und befestigte sie dort. Unter Wasser veränderte sich mein Eindruck sofort. Die Flaschen lagen seitlich, der Rücken blieb frei, und nach der ersten Justierung fühlte sich die Wasserlage ruhig an.

Das ist bis heute eine meiner stärksten Erinnerungen an den Kurs. Sidemount kann sich sehr aufgeräumt anfühlen, wenn Konfiguration, Gewicht und Flaschenposition stimmen. Es kann ebenso unübersichtlich werden, wenn Schläuche, Clips und Gaswechsel nur ungefähr verstanden sind.

Sidemount-Taucher Axel Früh im Roten Meer
Axel Früh demonstriert eine aufgeräumte Sidemount-Konfiguration während der Tauchsafari. Foto: Sascha Tegtmeyer

Ulysses: Übungen an einem echten Wrack

Unser erster Sidemount-Tauchgang führte zur Ulysses bei Little Gubal Island. Der 1887 gesunkene Frachter lag in einer Tiefe, die uns Raum für Übungen ließ. Wir simulierten eine Ohne-Luft-Situation, gaben einem Buddy Gas, wechselten die Atemregler und legten die Flaschen im Wasser an und ab.

Danach blieb Zeit für das Wrack. Zwischen bewachsenem Stahl und offenen Strukturen merkte ich, warum viele Taucher das System mögen. Ich lag flach im Wasser und konnte mich ohne die Flasche auf dem Rücken freier bewegen. Der Tauchgang dauerte länger als meine üblichen Tauchgänge, aber nicht, weil Sidemount „unbegrenzt Luft“ liefert. Zwei Flaschen sind ein definierter Vorrat, der geplant, überwacht und mit Reserve beendet werden muss.

Diese Unterscheidung ist entscheidend. Redundanz ist eine Sicherheitsreserve, keine Einladung, Grenzen auszureizen. Wer abwechselnd aus zwei Flaschen atmet, muss deren Drücke und die Gasstrategie konsequent im Blick behalten.

An Bord: der Takt wird vom Tauchen bestimmt

Nach wenigen Tagen nannten uns die anderen Gäste die Sidemount-Crew. Wir waren oft früh im Wasser und spät zurück. Dazwischen bestand das Leben aus Essen, Briefing, Flaschen, nassem Neopren und Schlaf.

Korallenriff während einer Tauchsafari im Roten Meer
Eine Tauchsafari erschließt Riffe, die vom Land aus kaum oder nur mit langen Fahrten erreichbar sind. Foto: Sascha Tegtmeyer

Genau das mochte ich an der Tauchsafari. Ein Hotelurlaub zerfällt leicht in Transfers, Absprachen und Wartezeiten. Auf dem Liveaboard war der nächste Tauchplatz bereits unter oder vor uns. Die Ausrüstung blieb aufgebaut, die Gruppe kannte sich, und nach dem Auftauchen stand meist schon etwas zu essen bereit.

Die Kehrseite ist körperlich. Mehrere Tauchgänge täglich bedeuten Stickstoffbelastung, Flüssigkeitsverlust, Sonne, wenig Rückzug und je nach Wetter schlechten Schlaf. Wer jeden möglichen Tauchgang als Pflicht betrachtet, kann sich durch die Woche arbeiten, statt sie zu erleben. Einen Tauchgang auszulassen ist kein Versagen.

Thistlegorm: fünf Tauchgänge in 24 Stunden

Als die Seawolf Felo die Thistlegorm erreichte, waren die Bedingungen so günstig, dass wir ungefähr 24 Stunden am Platz blieben. In dieser Zeit machten wir fünf Tauchgänge, darunter einen Nachttauchgang. Beim ersten näherten wir uns dem Wrack von außen, gingen zur Schiffsschraube und zum Ruder und tauchten über das Oberdeck zurück.

Im Blau jagten Stachelmakrelen und Thunfische. Auf dem Schiff waren Waggons, Ladeluken und der Einschlagsbereich zu erkennen. Schon der Blick von außen erzählte mehr als jede aufgeregte Liste der Ladung.

Schlauchboot der Seawolf Felo auf dem Roten Meer
Mit dem Schlauchboot ging es von der Seawolf Felo zu den jeweiligen Einstiegsstellen. Foto: Sascha Tegtmeyer

Später sahen wir in den Laderäumen Lastwagen, Motorräder, Jeeps und Gummistiefel. Damals beschrieb ich die doppelte Flasche als Grund, mich in engeren Bereichen sicherer und sogar wagemutiger zu bewegen. Das war falsch formuliert und als Sicherheitsbotschaft ungeeignet.

Eine zweite, unabhängig nutzbare Gasquelle kann Teil einer geeigneten Konfiguration sein. Sie ersetzt aber weder Wrackausbildung noch Leinenführung, Licht, Teamverfahren und eine Gasplanung, die den gemeinsamen Ausstieg berücksichtigt. Die Divers Alert Network nennt Wrackinneres ausdrücklich eine Überkopfumgebung: Der direkte Aufstieg zur Oberfläche ist nicht möglich, Sediment kann die Sicht nehmen, und Kabel oder Netze können zur Falle werden.

Meine heutige Regel wäre knapp: Wenn die Ausbildung, der Plan oder das Bauchgefühl nicht eindeutig passen, bleibe ich draußen. Die Thistlegorm ist auch ohne Penetration ein außergewöhnlicher Tauchplatz.

Was Sidemount wirklich verändert hat

Der Kurs gab mir keinen magischen Vorteil, sondern ein neues System, das geübt werden wollte. Besonders überzeugten mich drei Punkte:

  • Zugriff auf die Ventile: Die Flaschenventile liegen im Sicht- und Griffbereich.
  • Wasserlage: Eine sauber eingestellte Konfiguration kann sehr stabil und stromlinienförmig sein.
  • Getrennte Gasquellen: Ein Problem an einer Flasche betrifft nicht automatisch das gesamte Gas, sofern der Taucher die Situation beherrscht.

Ebenso klar sind die Nachteile. Das Anlegen braucht Routine. Zwei Flaschen müssen getragen, kontrolliert und im richtigen Rhythmus geatmet werden. Leinen, Leiter, Zodiac und bewegtes Wasser können die Handhabung erschweren. Sidemount ist nicht automatisch sicherer; sicherer wird es erst durch Ausbildung, Übung und disziplinierte Verfahren.

Die Seawolf Felo damals und heute

Ich reiste auf der Felo, die ich als geräumiges Tauchsafarischiff mit großer Heckplattform, Zodiac und mehreren Aufenthaltsbereichen erlebt habe. Meine Aussagen über Kabine, Essen und Crew beziehen sich ausschließlich auf diese konkrete Reise.

Auf der aktuellen Website des Betreibers Seawolf taucht die Felo in der sichtbaren Schiffsauswahl und Terminübersicht nicht auf. Eine noch hinterlegte Felo-Unterseite lieferte bei meiner technischen Prüfung einen Serverfehler. Ob das Schiff aktuell eingesetzt oder buchbar ist, muss der Betreiber vor einer Reise bestätigen. Vor einer Buchung würde ich für das tatsächlich eingesetzte Schiff aktuelle Schiffszeugnisse, Notfallausrüstung, Brandschutz, Rettungsmittel, Sauerstoff, Ausschreibungsbedingungen und die konkrete Besatzung erfragen.

Seawolf beschreibt zudem ein ENOS-Ortungssystem auf seinen Schiffen. Ein Ortungsgerät kann eine Suche nach abgetriebenen Tauchern erleichtern. Es ersetzt weder Oberflächenmarkierung noch Buddyverfahren, Strömungsbriefing und eine Crew, die Ein- und Ausstiege zuverlässig zählt.

Meine Prüfliste vor einer Ägypten-Tauchsafari

Das Schiff

  • aktuelle Zulassung und Betreiber nennen lassen
  • Rettungswesten, Rettungsinseln, Feueralarm und Fluchtwege ansehen
  • Sauerstoffmenge und Reichweite bis zur medizinischen Versorgung erfragen
  • Kabinenfenster, Türen und Notausgänge nicht mit Gepäck blockieren
  • Ladegeräte und Akkus nur nach Bordregel verwenden

Das Tauchen

  • Mindestbrevet und geforderte Zahl geloggter Tauchgänge prüfen
  • Nitrox nur mit passender Ausbildung nutzen
  • maximale Gruppengröße und Guide-System klären
  • Strömung, Tiefe und Wrackpenetration getrennt besprechen
  • Versicherung und medizinische Selbstauskunft prüfen
  • Mindestoberflächenintervall zwischen letztem Tauchgang und Rückflug nach Tauchprofil und DAN-Empfehlung einplanen

Die eigene Entscheidung

Ich würde heute nicht danach fragen, wie viele Tauchgänge maximal möglich sind. Ich würde fragen, wie viele ich über die ganze Woche konzentriert, warm und mit ausreichender Reserve machen kann. Das ist meist die bessere Zahl.

Tauchsafariboot Seawolf Felo im Roten Meer
Die Seawolf Felo war für eine Woche Tauchbasis, Unterkunft und gemeinsamer Lebensraum. Foto: Sascha Tegtmeyer

Für wen ich die Nordtour empfehlen würde

Die Nordtour passt gut zu erfahrenen Sporttauchern, die Wracks mögen und eine kompakte Route mit mehreren Tauchtagen suchen. Für Fotografen ist die wiederholte Rückkehr an denselben Platz wertvoll: Beim zweiten oder dritten Tauchgang muss nicht mehr jede Orientierung neu erarbeitet werden.

Weniger passend ist sie für Menschen, die viel Land sehen, jeden Abend ausgehen oder spontan allein ihren Tagesplan ändern möchten. Auch bei starker Seekrankheit, unsicherer Tarierung oder langer Tauchpause würde ich zuerst einige ruhige Landtauchgänge einplanen.

Ein Sidemount-Kurs kann an Bord funktionieren, wenn genügend Zeit für Theorie, Konfiguration, einfache Übungsplätze und individuelle Betreuung vorhanden ist. Er sollte nicht zwischen anspruchsvollen Wracktauchgängen hineingepresst werden.

Mein Fazit zur Tauchsafari mit Seawolf

Meine erste Tauchsafari in Ägypten war intensiv. Ich lernte ein neues Ausrüstungssystem, verbrachte fünf Tauchgänge an der Thistlegorm und gewöhnte mich an einen Alltag, der fast vollständig aus Tauchen bestand. Die Freundschaft in unserer kleinen Sidemount-Gruppe und das Gefühl, morgens bereits am nächsten Tauchplatz aufzuwachen, tragen den Bericht bis heute.

Gleichzeitig lese ich einige meiner damaligen Sätze heute kritischer. Mehr Gas ist nicht unbegrenzt. Redundanz ist kein Freifahrtschein. Und durch ein Loch zu passen, ist kein hinreichender Grund, hindurchzutauchen.

Gerade diese Korrektur macht die Reise nicht kleiner. Sie macht den Bericht ehrlicher. Ich würde erneut auf Tauchsafari gehen und auch wieder Sidemount tauchen. Ich würde nur weniger danach fragen, was technisch möglich ist, und genauer prüfen, was an diesem Tag mit dieser Gruppe sinnvoll ist.

Warst du schon auf einer Tauchsafari im Roten Meer, oder wäre eine Woche mit bis zu vier Tauchgängen am Tag für dich eher Traum als Erholung?

Recherche-Stand: 2. August 2026. Die persönlichen Szenen stammen aus meiner damaligen Pressereise. Aktuelle Schiffsdaten und Sicherheitsinformationen wurden neu geprüft; Routen, Crew und Leistungen können sich ändern.

Über Sascha Tegtmeyer

Über Sascha Tegtmeyer

Reisejournalist, Autor und Gründer von Just Wanderlust

Ich schreibe auf Just Wanderlust aus eigener Reiseerfahrung über Orte, Meer und Outdoor-Abenteuer. Mehr über mich und meine Arbeit.

0 Comments

Deine Erfahrung zählt

Für Prüfung, Moderation und Spam-Abwehr verarbeiten wir deinen Namen, deine E-Mail-Adresse, den Kommentar, deine IP-Adresse und Browserdaten. Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Mehr dazu steht in der Datenschutzerklärung.