Teneriffa-Reiseführer-Autor Jörg Metzner im Interview: „Die Insel ist Abwechslung pur!“

by Sascha Tegtmeyer | Feb. 7, 2019

Dieses Interview mit dem Teneriffa-Reiseführer-Autor Jörg Metzner erschien ursprünglich 2019. Metzner spricht über seinen ersten Winter auf der Insel, Playa San Juan, den Südwesten, Wandern und die Entstehung seines eigenen Reiseführers. Seine Antworten bleiben in dieser aktualisierten Fassung wortgetreu erhalten. Zahlen, Einschätzungen und einzelne Formulierungen spiegeln den damaligen Wissensstand und die persönliche Perspektive des Gesprächspartners wider; sie sind keine aktuellen redaktionellen Tatsachenbehauptungen von Just Wanderlust.

Der Beitrag ist damit ein Zeitdokument und Autoreninterview, kein aktueller Komplett-Reiseführer. Für heutige Reiseplanung, Wetter, Regionen und Unterkünfte sind mein Teneriffa-Reisebericht und der aktuelle Vergleich Teneriffa Norden oder Süden die passenden Einstiege.

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Wie Jörg Metzners Teneriffa-Reiseführer entstand

Jörg Metzner, Jahrgang 1961, lebte zum Zeitpunkt des Interviews in Köln und arbeitete als Geschäftsführer einer Maschinenbaufirma. Sein beruflicher Hintergrund lag unter anderem in Marketing, Vertrieb und Werbung. Aus wiederholten Aufenthalten, persönlichen Empfehlungen für Freunde und einer wachsenden Sammlung aus Orten, Wanderungen und Fotos entstand schließlich ein eigener Reiseführer mit Schwerpunkt auf Playa San Juan und dem Südwesten Teneriffas.

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Die folgende Unterhaltung wurde redaktionell neu gegliedert. Die Antworten des Interviewpartners wurden nicht modernisiert, geglättet oder inhaltlich korrigiert.

Wann und zu welchem Anlass sind Sie das erste Mal nach Teneriffa gereist? Wie sind Sie auf die Insel aufmerksam geworden?

Nachdem ich bereits die anderen großen Kanareninseln im Laufe der Jahre besucht hatte, blieb Teneriffa vor etwa fünf Jahren übrig. Ich wollte eine Woche im Dezember, also im Winter, mit etwas Sonne ausspannen. So kam ich auf Teneriffa.

Wie waren anfangs Ihre Eindrücke von der Kanareninsel? Und wie haben sie sich im Laufe der Zeit geändert?

Ich war begeistert vom Wetter. Im Dezember im T-Shirt durch die Berge zu wandern, abends bei einem Bier draußen zu sitzen, während zu Hause der Nieselregen in den Mantel dringt. Dieses Gefühl hatte mich sehr beeindruckt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Vor fünf bis sechs Jahren gab es noch vereinzelte auffällige Bauruinen, die die Finanzkrise in Spanien übrig gelassen hatte. Viele davon sind inzwischen verschwunden oder zu prachtvollen Hotels vollendet worden. Die Insel wirkt heute gepflegter als damals. Die Verkehrsinfrastruktur ist spürbar besser.

Luftaufnahme der Küste und Landschaft von Teneriffa
Teneriffas Landschaft und Wetter unterscheiden sich deutlich zwischen Norden und Süden. Foto: C. Jörg Metzner

Wie haben Sie Ihren favorisierten Ort Playa San Juan gefunden? Sie schrieben, dass Sie sehr viel Zeit auf Teneriffa verbringen. Wie viel ist es und wie verbringen Sie dort am liebsten Ihre Zeit?

Playa San Juan fiel mir beim ersten Besuch ins Auge, weil es dort den klassischen Tourismus mit riesigen Hotelanlagen , Animation vor den Restaurants und dem ganzen Rummel nicht gibt.

Im Rahmen einer gesunden Work-Life-Balance versuche ich den Business-Stress mit Terminen und Geschäftsreisen durch entspanntere Phasen auszugleichen. Heutzutage bietet Büroarbeit technisch viele Möglichkeiten. Deshalb versuche ich mehrmals im Jahr, mich mit kreativen Aufgaben nach Teneriffa zurückzuziehen, um von dort zu arbeiten. Glasfaserkabel und hervorragende Mobilfunkabdeckung gibt es auch auf Teneriffa. Wenn man Berufliches und Freizeit in einem gesunden Mix hält, lässt es sich auf der Insel gut leben und arbeiten. Da kommen einige Wochen im Jahr zusammen.

Den Rest des Tages verbringe ich dann am Pool, in den Bergen oder einfach im Café am Strand bei einem Barraquito.

Blick vom Teide über Teneriffa und die Nachbarinseln
Vom Teide reicht der Blick bei klaren Bedingungen bis zu weiteren Kanareninseln. Foto: C. Jörg Metzner

Was macht Teneriffa so besonders? Was sind die schönsten Ecken? Was sollte man auf keinen Fall verpassen?

Teneriffa ist wirklich dreidimensional durch den Teide, den höchsten Berg Spaniens. Das ist Abwechslung pur in der Natur. Innerhalb einer Stunde wechselt man bequem vom Strand mitten in eine hochgelegene Gebirgslandschaft. Der Südwesten ist aus meiner Sicht mit statistisch 14 Regentagen im Jahr attraktiver als der Norden.

Der Norden bringt es auf über 60 Tage, zeichnet sich hingegen durch üppige Vegetation und ein abwechslungsreiches Landschaftsbild aus. Durch das hervorragend ausgebaute Straßennetz ist aber kein Ort wirklich weit weg auf der Insel. Ein Muss für Touristen sind aus meiner Sicht die Cañadas, also die große Kraterlandschaft unterhalb des Teide auf circa 2000 Metern. Dort präsentiert sich eine geradezu unwirkliche Welt, die auch zu einigen Wanderungen einlädt.

Die genannten Regenzahlen sind Teil der Originalantwort und werden hier nicht als aktuelle Klimanormalwerte übernommen. Für eine heutige Nord-Süd-Entscheidung sollten aktuelle Daten und der konkrete Ort geprüft werden.

Wie erleben Sie den Tourismus bzw. Massentourismus auf der Insel? Gibt es ökologische Folgen? Tut die Inselregierung etwas, um einen nachhaltigeren, gemäßigten und okölogischen Tourismus zu etablieren? Wenn ja, was?

Der Massentourismus präsentiert sich nach meiner Empfindung auf Teneriffa deutlich weniger penetrant als etwa auf Mallorca oder Gran Canaria . Andererseits gibt es auch auf Teneriffa Touristenzentren , wo sich ein Hotel an das andere anschließt mit allem Nepp und Getöse, die Touristen nunmal anziehen. Im Vergleich geht es aber selbst dort kontrolliert und gesittet zu.

Vielleicht liegt das auch daran, dass die Provinzverwaltung auf Teneriffa bestrebt ist, den Hotelstandard hoch zu halten. Es werden nur noch 4-Sterne-Hotels und aufwärts gebaut. Selbst 3-Sterne-Hotels sind gehalten, aufzurüsten. Auf diese Weise möchte man die Kegelclubs draußen halten, was bisher sehr gut gelingt.

Redaktioneller Hinweis 2026: Die Wortwahl und politischen beziehungsweise touristischen Aussagen in dieser Antwort stammen vom Interviewpartner im Jahr 2019. Just Wanderlust macht sie sich nicht zu eigen. Aktuelle Bau-, Hotel- und Tourismuspolitik müsste separat über offizielle Stellen geprüft werden.

Vulkanlandschaft im Teide-Nationalpark auf Teneriffa
Die Cañadas im Teide-Nationalpark zeigen Teneriffas vulkanischen Charakter. Foto: C. Jörg Metzner

Was können Reisende tun, die dem übermäßigen Tourismus auf Teneriffa aus dem Weg gehen wollen? Was sind Ihre Geheimtipps?

Die Insel ist recht groß. Man kann sehr viele Kilometer auf der Insel fahren, wenn mit einem Mietwagen unterwegs ist. Mietwagen auf Teneriffa sind sehr preiswert und die Verkehrssituation relativ entspannt. Übrigens werden Sie so gut wie keine Verkehrsampel im Südwesten finden. Vereinzelt in Santa Cruz oder Puerto de la Cruz, aber der Verkehr rollt auch ohne Ampeln. Eigentlich viel besser als mit Ampeln.

Auch Preise, Verkehrslage und Infrastruktur können sich seit dem Interview verändert haben. Für eine heutige Mietwagenentscheidung gehören aktuelle Vertrags-, Versicherungs- und Straßenbedingungen geprüft.

Was hat Sie motiviert, einen Reiseführer über die Insel zu schreiben? Was zeichnet Ihren Reiseführer aus und unterscheidet ihn von anderen Reiseführern?

Meine offen kommunizierte Leidenschaft für Teneriffa hat natürlich auch Freunde und Bekannte aufmerksam gemacht, die mich immer wieder fragten, wo man denn gute Strände findet und wo man gut essen kann. Und natürlich sollte ich ausgefallene Wanderwege empfehlen.

Irgendwann habe ich dann für mich privat eine Zusammenstellung von Bademöglichkeiten, Wanderungen und besonderen Locations niedergeschrieben, später mit Fotos unterlegt und ständig weiterentwickelt, bis daraus ein kleiner privater Reiseführer entstand, den ich dann in letzter Konsequenz als Publikation überarbeitet und als Buch veröffentlicht habe.

Küstensiedlung im Westen von Teneriffa
Eine alternative Siedlung an der Westküste Teneriffas, aufgenommen von C. Jörg Metzner. Foto: C. Jörg Metzner

Der Unterschied zu großen, kommerziellen Verlagsprodukten besteht darin, dass sich dieser Reiseführer speziell mit dem Südwesten der Insel befasst. Es hat aus meiner Sicht wenig Sinn, einen Reiseführer über die gesamte Insel zu kaufen, wenn man sich nur in einem bestimmten Bereich bewegt. Wer im Süden wohnt, besucht mal den Norden, bewegt sich aber in der näheren Umgebung und sollte sich damit intensiver befassen. Und es ist ein sehr individueller Reiseführer mit persönlichen Hinweisen, Tipps und Empfehlungen für Events wie Live-Musik und wichtigen Rufnummern.

Was sind Ihre Zukunftspläne?

Da ich auf dieser Insel inzwischen einige Wurzeln gebildet und mich dort mit einer Wohnung niedergelassen habe, werde ich diesen Reiseführer kaum auf andere Inseln übertragen. Allerdings werde ich meine Erfahrungen und Entdeckungen auf Teneriffa auch in Zukunft in diesem Reiseführer festhalten und ihn mit der Zeit erweitern. Bei E-Books gibt es ja problemlos Updates. Deshalb ist der Reiseführer als Taschenbuch und als Kindle-E-Book erschienen.

Einordnung des Interviews aus heutiger Sicht

Das Gespräch zeigt, wie aus wiederholten Aufenthalten ein regional fokussiertes Buchprojekt entstand. Besonders interessant bleibt Metzners Entscheidung gegen den Anspruch, eine ganze Insel gleichmäßig abzudecken. Sein Reiseführer konzentrierte sich auf den Südwesten und damit auf den Teil Teneriffas, den er selbst regelmäßig nutzte.

Genau diese Stärke begrenzt zugleich die aktuelle Verwendbarkeit. Restaurants, Rufnummern, Veranstaltungen, Straßen, Preise und Ausgaben eines Reiseführers altern. Vor einem Kauf sollte deshalb geprüft werden, welche Ausgabe angeboten wird und wann sie zuletzt aktualisiert wurde.

Für Just Wanderlust bleibt das Interview ein redaktionelles Archivstück. Es ersetzt weder die aktuelle Reiseplanung noch eine unabhängige Bewertung des Buches. Es dokumentiert die Perspektive eines Autors, der aus seinen eigenen Wegen, Fragen aus dem Freundeskreis und einer privaten Sammlung eine Publikation entwickelt hat.

Wir bedanken uns bei Jörg Metzner für das damalige Gespräch.

Interview: ursprünglich veröffentlicht 2019. Redaktionell neu eingeordnet am 1. August 2026. Antworten des Interviewpartners wortgetreu; aktuelle Tatsachen und Verfügbarkeiten nicht aus den Originalantworten abgeleitet.

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Über Sascha Tegtmeyer

Über Sascha Tegtmeyer

Reisejournalist, Autor und Gründer von Just Wanderlust

Ich schreibe auf Just Wanderlust aus eigener Reiseerfahrung über Orte, Meer und Outdoor-Abenteuer. Mehr über mich und meine Arbeit.

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