Zypern roch im Frühjahr nach Orangenblüten und Seeluft. Im Landesinneren leuchteten die Hänge grün, während vor Larnaka ein 172 Meter langes Schiffswrack im dunklen Blau lag. Ich war zum Tauchen auf die Insel gekommen. Geblieben sind mir aber nicht nur zwei Tauchgänge an der Zenobia, sondern auch ein wortkarger Skipper, eine Fahrt über die Green Line und ein langes Mittagessen in Kyrenia, bei dem jede Antwort eine neue Perspektive auf die geteilte Insel öffnete.
Meine kurze Antwort nach dieser Reise: Zypern lohnt sich für Taucher, die ein außergewöhnliches Wrack mit einer eigenständigen Inselreise verbinden möchten. Wer tropische Korallengärten erwartet oder ohne passende Ausbildung tief in die Zenobia eindringen will, ist hier dagegen am falschen Ort. Das stärkste Erlebnis entsteht aus der Kombination: draußen am Wrack tauchen, über die Insel fahren, zuhören und die Widersprüche aushalten.
Dieser Reisebericht schildert meine Erlebnisse aus dem Frühjahr 2014. Regeln an der Green Line, der Zugang zu Varosha und der Betrieb meines damaligen Hotels haben sich seitdem verändert. Deshalb trenne ich im Text bewusst zwischen meiner damaligen Beobachtung und dem Faktenstand vom 27. August 2026.
Warum mich Zypern im Frühjahr sofort gepackt hat
Zsolt „George“ Teplan wurde in diesen Tagen zu meinem wichtigsten Zugang zur Insel. Der gebürtige Ungar leitete damals die Tauchbasis, lebte mit seiner kleinen Familie auf Zypern und kannte weit mehr als den Weg vom Hotel zum Hafen. Er zeigte mir Buchten, Orte und Übergänge, die ich bei einem reinen Badeurlaub vermutlich nie gesehen hätte.
George schwärmte von einem Wintertag, an dem man morgens im Troodos-Gebirge Ski fahren und später am Meer Wakeboarden könne. Seine Temperaturangabe von „fast dreißig Grad“ war eine begeisterte Momentaufnahme, keine Klimastatistik. Doch der Kern seiner Erzählung passte zu dem Zypern, das ich erlebte: Gebirge und Küste, stille Dörfer und laute Städte, orthodoxe Kirchen und Moscheen lagen erstaunlich nah beieinander.

Die Finanzkrise war 2014 in vielen Gesprächen noch präsent. Menschen erzählten mir, wie sie im Vorjahr zeitweise nicht wie gewohnt an ihr Geld gekommen waren. In meinem alten Text nahm diese Momentaufnahme viel Raum ein. Heute gehört sie zur historischen Kulisse der Reise, nicht mehr zu den praktischen Gründen für oder gegen einen Zypern-Urlaub.
Präsenter war ohnehin die Landschaft. Die Luft roch nach Blüten und salzigem Meer, in geschützten Lagen wuchsen Bananen, und im Inselinneren wechselten Olivenhaine mit Gebirgszügen. Das Frühjahr fühlte sich gut für lange Fahrten und Spaziergänge an. Im Hochsommer wird die Insel dagegen heiß und trocken. Auch die Wassertemperatur schwankt deutlich: Laut offizieller Klimainformation von Visit Cyprus liegt sie im Februar ungefähr zwischen 15 und 17 Grad, im August dagegen zwischen 23 und 28 Grad. Für einen Tauchurlaub sollte der Kälteschutz deshalb zum Monat und zur eigenen Kälteempfindlichkeit passen.
Wer Zypern zum ersten Mal plant, findet auf meiner Zypern-Themenseite die weiteren Berichte gebündelt. Dieser Text bleibt bewusst persönlicher: Er folgt der Route, die George und die Menschen unterwegs aus einer Tauchreise gemacht haben.
Tauchen an der Zenobia: Ein Wrack verändert den Maßstab
Die Zenobia liegt etwa 1,5 Kilometer vor Larnaka auf ihrer Backbordseite. Nach Angaben von Visit Cyprus ist das Schiff 172 Meter lang und 28 Meter breit; seine interessantesten Bereiche erstrecken sich ungefähr von 16 bis 42 Meter Tiefe. 108 Lastwagen und Sattelzüge gehörten zur Ladung. Die offizielle Darstellung nennt eine Fehlfunktion des computergesteuerten Ballastsystems als Ursache dafür, dass die Fähre im Juni 1980 sank.
Das ist wichtig, weil sich um berühmte Wracks fast zwangsläufig Geschichten bilden. Einige davon hörte ich schon auf der kurzen Bootsfahrt. Belegen konnte ich sie nicht. Was ich belegen und selbst sehen kann, ist eindrucksvoll genug: Die Zenobia ist kein einzelner Tauchplatz, den man nach einer Runde „abgehakt“ hat. Außenhaut, Propeller, Fahrzeugdeck und Innenräume sind verschiedene Tauchgänge mit sehr unterschiedlichen Anforderungen.
„Once I was a simple fisherman“: Unterwegs mit Kapitän Nikos
Kapitän Nikos Mentonis war Skipper aus Leidenschaft. Mit seiner Motoryacht Atlantis brachte er Taucher zur Zenobia. Als unsere Gruppe am Boot eintraf, war er längst beschäftigt. George verstaute mit uns die Ausrüstung an Bord. „Good morning, Captain!“, riefen wir. Den Seebären mit ledriger, sonnenverbrannter Haut und Fliegerbrille wollte niemand vergrätzen. „Morning“, murmelte er, ohne aufzublicken, löste die Taue und steuerte hinaus.
Die Überfahrt dauerte nur wenige Minuten. Genug Zeit für einen kleinen Plausch, dachte ich. Einmal gefragt, begann Nikos mit seiner Lebensgeschichte: „Once I was a simple fisherman.“ Er erzählte in gebrochenem zyprischem Englisch, wie er die Zenobia in Schräglage vor dem Hafen gesehen und am nächsten Morgen vom Treibgut auf dem Meer erfahren habe. Später habe er mit seinem Fischerboot die ersten Taucher hinausgefahren.
Seine Erinnerungen mischten unmittelbare Beobachtungen, Warnungen und jene Hafengeschichten, bei denen sich nach Jahrzehnten kaum noch sauber trennen lässt, was Augenzeugenbericht und was Weitererzählung ist. Seine wichtigste Botschaft war allerdings unmissverständlich: Das Innere dieses Wracks verzeiht keine Selbstüberschätzung.

Mein erster Tauchgang: Propeller, Fischschwärme und Lastwagen
Wir zogen die Anzüge an, stellten unsere Tauchcomputer auf das analysierte 32-Prozent-Nitroxgemisch, machten den Buddy-Check und sprangen ins Wasser. George tauchte vorweg, kopfüber ins Blau. Das Wrack zeichnete sich nur langsam ab. Zuerst konnte ich kaum erkennen, welcher Teil des Schiffs unter uns lag. Dann erschien eine der gewaltigen Schrauben.
Sie war der tiefste Punkt unserer damaligen, konservativ auf knapp 30 Meter geplanten Route. Das war unsere konkrete Tauchplanung an diesem Tag und keine allgemeingültige Tiefengrenze für ein 32-Prozent-Gemisch. Ein Taucher wirkte neben dem Stahlkoloss winzig. Erst in diesem Größenvergleich begriff ich, dass „Wrack“ hier nicht ein überschaubares Objekt, sondern eine ganze Landschaft aus Schiffsteilen bedeutete.

Vom Propeller ging es zu den Ladeklappen. Gerade am Heck standen Schwärme silberner Brassen, während Barrakudas in größerer Entfernung lauerten. Dazwischen entdeckte ich Zackenbarsche. Die Fische wichen uns kaum aus. Zeitweise bewegten sich die Brassen wie eine Wolke um die Buddy-Teams, während wir an der bewachsenen Außenhaut entlangtauchten.
Hinter den Ladeklappen begann das Fahrzeugdeck, das durch die Seitenlage des Schiffs wie eine Wand vor uns stand. Unter uns lagen Lastwagen, die beim Sinken und Aufschlagen ineinandergeschoben worden waren. Einzelne Zugmaschinen und Trailer ragten aus dem Durcheinander. Bewuchs bedeckte den Stahl, doch an einigen Reifen ließ sich noch das Profil erkennen.

Mein zweiter Tauchgang: Die Grenze zwischen Besichtigung und Penetration
Beim zweiten Tauchgang gingen wir in einen Innenbereich. Ich erinnere mich an einen langen Korridor, kleine Fenster, Toiletten, Stromkästen, alte Decken und sogar eine Kaffeemaschine. Alles lag durch die Seitenlage in einer räumlich verdrehten Ordnung. An Wänden, die keine Wände mehr waren, ragten rostige Ecken hervor. Ein großer Zackenbarsch hatte einen Treppenabsatz zu seinem Revier erklärt und ließ uns erstaunlich nah herankommen.

Heute würde ich an dieser Stelle etwas deutlicher schreiben als 2014: Ein Fenster, durch das Licht fällt, ist kein Notausgang. Sobald über einem Taucher Stahl statt freie Wasseroberfläche liegt, befindet er sich in einer Überkopfumgebung. Orientierung, Sicht und der Rückweg können sich durch aufgewirbelte Sedimente oder ein Ausrüstungsproblem schlagartig verändern.
Visit Cyprus führt für den Tauchplatz wörtlich „Advanced Open Water / Boat Diver“ als erforderliche Qualifikation auf. Das ist nicht gleichbedeutend mit einer Freigabe für jeden Innenraum. Divers Alert Network rät von einer Penetration ohne weiterführende Wrackausbildung ab und betont Leinenführung, Gasplanung, redundante Ausrüstung und einen klaren Plan. Meine Konsequenz daraus ist einfach: Die Zenobia ist bereits von außen großartig. Wer hinein möchte, sollte Ausbildung, Erfahrung, Ausrüstung und Route mit einer qualifizierten Basis sehr konkret besprechen.

Als wir wieder an Bord waren, fehlten zwei Taucher. Ein Militärtaucher und sein Begleiter hatten eine erhebliche Dekompressionsverpflichtung aufgebaut und hingen lange an der Leine. Zuerst war nur Wasser zu sehen, dann verrieten Luftblasen ihre Position. Die Erleichterung an Deck war spürbar. Nikos lief währenddessen unruhig auf und ab. Als klar war, dass beide kontrolliert dekomprimierten, verwandelte sich seine Sorge in Ärger: Er wollte einen Freund vom Flughafen abholen und würde zu spät kommen.

Die Szene war gleichzeitig komisch und lehrreich. Ein berühmtes Wrack macht normale Regeln nicht unwichtig. Im Gegenteil: Tiefe, Gasverbrauch, Nullzeit oder Dekompression und der Abstand zwischen Tauchen und Rückflug gehören vorab in die Planung. Wer nur einen Tauchgang Zeit hat, sollte nicht versuchen, die ganze Zenobia in eine einzige Route zu pressen.
Roadtrip über eine geteilte Insel
George zeigte mir Zypern auch über Wasser. Eine Fahrt führte zum Kap Greco nahe Ayia Napa. Dort trafen eine weiß-blaue Kapelle, helle Felsplatten, Höhlen und klares Wasser aufeinander. Bei einem kleinen Tauchgang setzten sich die Felsformationen unter Wasser fort. Ich sah Sepien und Trompetenfische; gerade das flache Licht ließ die mediterrane Landschaft stärker wirken, als es die oft gehörte Behauptung vom „leeren Mittelmeer“ erwarten ließ.
Varosha: Was ich 2014 sah und was heute anders ist
Unweit davon lag Varosha, der abgeriegelte Küstenstadtteil von Famagusta. 2014 betrachtete ich die verlassenen Hotelbauten aus großer Entfernung von einem Aussichtspunkt im von der Republik Zypern kontrollierten Gebiet. Zwischen Ferngläsern und einem angeschlossenen kleinen Tierpark wirkte der Ort gleichzeitig bedrückend und merkwürdig touristisch vermarktet.
Meine damalige Aussage, man könne sich Varosha grundsätzlich nur bis auf zehn Kilometer nähern, ist heute falsch. Teile des Gebiets wurden seit Oktober 2020 für Besucher geöffnet. Nach Angaben der UN-Friedensmission UNFICYP steht Varosha weiterhin unter türkischer Militärkontrolle; die Öffnungen sind politisch und völkerrechtlich umstritten. Unabhängig davon weist das Auswärtige Amt darauf hin, dass die UN-Pufferzone militärisches Sperrgebiet und teilweise vermint ist. Nahe der Pufferzone und militärischer Einrichtungen gilt zudem ein Fotografierverbot, das nicht immer gut ausgeschildert ist; konsularische Betreuung ist im Nordteil nur sehr eingeschränkt möglich. Wer Varosha heute besuchen möchte, sollte den Ort daher nicht wie eine normale Sehenswürdigkeit behandeln, aktuelle Hinweise prüfen und Fotografierverbote sowie Anweisungen vor Ort strikt beachten.
Nikosia: Zu Fuß über die Green Line
Der zweite Roadtrip führte nach Nikosia. Die Green Line verlief mitten durch die historische Stadt. Wenige Straßen trennten Einkaufsstraßen im Süden von Basaren, Moscheen, Kaffeehäusern und dem alten Karawanserei-Hof Büyük Han im Norden. Mich beeindruckte weniger ein abstraktes Etikett wie „Okzident trifft Orient“ als die Geschwindigkeit des Wechsels: ein Ausweis, ein paar Schritte, eine andere Sprache auf den Schildern und ein anderer Takt auf der Straße.
Auch hier muss ich meinen alten Text korrigieren. EU-Bürger benötigen an den ausgewiesenen Übergängen kein „Tagesvisum“. Nach den aktuellen Reise- und Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amts genügt grundsätzlich ein gültiger Personalausweis oder Reisepass. Die sogenannte Türkische Republik Nordzypern wird international nur von der Türkei anerkannt. Zypern gehört zwar als ganze Insel zur EU, doch im Norden ist der EU-Besitzstand ausgesetzt; die Green-Line-Verordnung der Europäischen Kommission regelt den Personen- und Warenverkehr über die Linie.
Auf Zypern herrscht Linksverkehr; der deutsche Führerschein wird für touristische Aufenthalte anerkannt. Für einen Mietwagen ist die Fahrt über die Green Line komplizierter als der Übergang zu Fuß. Der Vermieter muss die Fahrt in den Norden erlauben. Am Übergang ist zusätzlich eine dort gültige Kfz-Haftpflichtversicherung erforderlich; sie deckt laut Auswärtigem Amt jedoch keine Schäden am Mietwagen selbst. Eine mündliche Zusage am Schalter reicht mir bei einer heutigen Reise nicht: Ich würde die Erlaubnis und den Deckungsumfang vor der Buchung schriftlich klären.
Hinter dem Gebirgszug erreichten wir Kyrenia, auf Türkisch Girne. Die Hafenstadt verband enge alte Gassen, Restaurants am Wasser und ein junges Nachtleben. Noch stärker als die Kulisse blieb mir ein Mittagessen im Hafen in Erinnerung. Am Tisch saßen der Tauchbasis- und Barbesitzer Asim Uygur, die deutschstämmige Tourismusexpertin Irene Raab Marancos, ein Architekt, Restaurantbesitzer Aydin Canlibalik und ich.
Vor uns standen Meze, frisches Brot und eine große Platte mit gegrilltem Fisch. Aydin erzählte, dass er nach den Ereignissen von 1974 aus Zygi im Süden nach Girne gekommen sei. Sein Restaurantname bedeutete übersetzt „Fischer aus Zygi“. Aus einem politischen Konflikt wurde am Tisch plötzlich eine konkrete Biografie.
Asim sprach über Misstrauen auf beiden Seiten. George hatte Freunde und Bekannte im Norden und Süden und formulierte den Satz, der mir von diesem Gespräch geblieben ist: Seiner Erfahrung nach hätten griechische und türkische Zyprer mehr gemeinsam, als die politische Trennung vermuten lasse. Das war keine wissenschaftliche Bilanz des Konflikts, sondern die persönliche Einschätzung eines Mannes, der mit Menschen auf beiden Seiten arbeitete.
Eigentlich wollte ich auch im Norden tauchen. Der Nordwind machte uns einen Strich durch den Plan; die See war zu rau. Asim erzählte von Amphoren, Flugzeugwracks, Schildkröten, Strömung und großen Fischen an der Nordküste. Ich konnte diese Angaben auf der Reise nicht selbst überprüfen. Genau diese Trennung ist mir wichtig: Das Mittagessen und die Küstenfahrt habe ich erlebt, die Unterwasserwelt des Nordens an diesem Tag nur aus seinen Erzählungen kennengelernt.
Was aus meinem damaligen Hotel und der Tauchbasis geworden ist
Ich wohnte 2014 im Aldiana Club Zypern bei Alaminos. Die weitläufige Anlage lag direkt am Meer und war für diese Reise praktisch, weil sich die damalige Werner-Lau-Tauchbasis im Strandbereich befand. George und Balasz „Angel“ Angyal organisierten von dort unsere Tauchgänge. Meine ausführlicheren Eindrücke aus jener Zeit stehen im separaten historischen Hotelbericht.
Für eine heutige Buchung ist der alte Name nicht mehr brauchbar: Aus dem ehemaligen Aldiana wurde nach dem Betreiberwechsel der ROBINSON CYPRUS. Der Club nennt aktuell rund 20 Kilometer beziehungsweise etwa 30 Minuten Fahrzeit zum Flughafen Larnaka. Die Werner-Lau-Basis erwähne ich hier ausschließlich als Teil meiner Reise von 2014; aus ihrer Unternehmensgeschichte und dem historischen Zypern-Archiv lässt sich keine aktuelle Buchungsempfehlung ableiten.
Das ist mehr als eine Namenskorrektur. Reiseberichte altern an ihren praktischen Rändern schneller als an ihren Erlebnissen. Nikos' Fliegerbrille, die Lastwagen im Wrack und das Gespräch beim Fischessen bleiben. Hotelmarken, Tauchbasen, Grenzregeln und Zugänge müssen dagegen vor jeder Reise neu geprüft werden.
Mein Fazit zum Zypern-Reisebericht
Die Zenobia war der spektakulärste einzelne Tauchplatz dieser Reise. Zypern selbst blieb mir aber wegen der Wege dazwischen in Erinnerung. Das Grün des Frühjahrs, die schroffe Ostküste, der Ausweis am Übergang in Nikosia und die Stimmen am Tisch in Kyrenia ergaben ein Bild, das sich nicht in „Nord“ und „Süd“ auflösen ließ.
Wenn ich die Reise heute noch einmal planen würde, bekäme das Wrack mehr Zeit und die Insel weniger Termindruck. Drei Entscheidungen wären für mich gesetzt:
- Mehrere Zenobia-Tauchgänge statt einer überladenen Runde: Ich würde mit einer Route an den Außenbereichen beginnen und erst danach entscheiden, welche weiteren Bereiche zu Ausbildung, Erfahrung und Tagesform passen. Eine Penetration wäre kein Pflichtpunkt.
- Ein eigener Tag für die geteilte Hauptstadt: Nikosia würde ich zunächst zu Fuß erkunden. Das spart die Versicherungsfrage beim Mietwagen und lässt genug Zeit für beide Seiten der Altstadt, ohne den Übergang als kurze Fotostation zu behandeln.
- Kein Tauchgang am Abreisetag: Die Flugplanung würde ich schon vor der Buchung mit den geplanten Tiefen und Wiederholungstauchgängen abstimmen. Ein freier letzter Tag schafft Reserve und nimmt unnötigen Zeitdruck aus dem Urlaub.
Ich würde außerdem wieder im Frühjahr reisen. Nicht, weil dann automatisch perfekte Tauchbedingungen herrschen, sondern weil milde Tage und die grüne Landschaft zu einer Reise passen, die ausdrücklich auch an Land stattfinden soll. Wer möglichst warmes Wasser priorisiert, wird einen späteren Termin wählen. Genau darin liegt die ehrliche Abwägung: Zypern ist kein universell perfektes Tauchziel, aber für die Verbindung aus Wrack, Roadtrip und Geschichte ungewöhnlich stark.
Am deutlichsten wurde das in Pyla nahe Larnaka. Im Dorf stehen eine Moschee und eine griechisch-orthodoxe Kirche, türkische und griechische Straßennamen und ein Posten der UN-Friedensmission. Im Zentrum sah ich ältere Männer beim Backgammon. Vor dieser politischen Kulisse wirkte ihr Spiel beinahe alltäglich. Gerade deshalb blieb die Szene haften: Die Teilung war sichtbar, das gemeinsame Leben aber ebenso.
Für mich ist Zypern deshalb kein Ziel für einen hastigen Wrack-Haken auf einer Taucherliste. Ich würde wieder mehrere Tage einplanen, die Zenobia in unterschiedlichen Routen betauchen und mindestens einen Tag für Nikosia, Kap Greco oder eine Fahrt ins Inselinnere freihalten. So wird aus einem Tauchurlaub eine Reise, die auch an Land Substanz bekommt.
Warst du schon an der Zenobia oder bist du über die Green Line gereist? Welche Beobachtung von Zypern ist dir bis heute geblieben?


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