Ehemaliger Aldiana Club Zypern: meine Erfahrungen mit Tauchen und Cluburlaub

by Sascha Tegtmeyer | Okt. 13, 2021

Die Luft riecht nach Mittelmeer, Orangenbäumen und Frühsommer. Vom Strand her höre ich das Meer, und mein erster Weg führt nicht zum Pool oder zum Buffet. Ich gehe zu George und Angel an die Tauchbasis. Noch am selben Tag soll ein Checktauchgang stattfinden, danach stehen die Zenobia und zwei damals neu versenkte Wracks auf dem Plan. Genau diese Mischung aus Tauchen, Sport und einem erstaunlich komfortablen Cluballtag ist mir vom ehemaligen Aldiana Zypern geblieben.

Eine wichtige Einordnung vorweg: Das damalige Aldiana Zypern gibt es unter diesem Namen nicht mehr. Die Anlage bei Alaminos wurde 2020 übernommen und wird heute als ROBINSON CYPRUS betrieben. Dieser Beitrag ist deshalb ein persönlicher Rückblick auf meinen damaligen Aufenthalt, keine aktuelle Hotelbewertung des ROBINSON Clubs. Meine Tauchgänge, Begegnungen und Eindrücke bleiben real; Zimmer, Gastronomie, Sportprogramm und Tauchbetrieb können heute anders organisiert sein.

Der Aufenthalt fand im Rahmen einer Pressereise statt. Meine redaktionelle Einschätzung ist davon unabhängig. Wer heute eine Reise plant, sollte aktuelle Leistungen direkt beim Betreiber prüfen. Für eine allgemeine Einordnung der Insel gibt es zusätzlich meinen ausführlichen Reisebericht über Zypern.

Lohnt sich der alte Aldiana-Bericht heute noch?

Ja, wenn du wissen möchtest, wie sich der Club damals angefühlt hat und warum die Lage für einen aktiven Zypern-Urlaub interessant war. Nein, wenn du eine aktuelle Bewertung von Zimmern, Restaurants oder Kinderbetreuung suchst. Dafür ist der Text zu alt, und ein Betreiberwechsel ist mehr als ein neues Schild am Eingang.

Was sich nicht einfach umetikettieren lässt, sind die geografischen Stärken: der Strand an der Südostküste, die Nähe zu Larnaka und Limassol, Wassersportbedingungen und die Möglichkeit, einige der bekanntesten Wracks Zyperns zu betauchen. Der heutige Betreiber beschreibt den ROBINSON CYPRUS weiterhin als Sport- und Clubanlage direkt am Strand bei Alaminos. Nach Angaben der zyprischen Wettbewerbsbehörde wurde die damalige Anlage 2020 für den künftigen Betrieb als ROBINSON Club übernommen.

Buche den heutigen Club nicht auf Grundlage meiner alten Zimmer- und Serviceeindrücke. Nutze diesen Bericht für Atmosphäre, Lage und Tauchgeschichte. Prüfe für eine konkrete Reise aktuelle Fotos, geöffnete Angebote, Saisonzeiten und den gegenwärtigen Tauchpartner.

Mittelmeerlandschaft bei Kyrenia im Norden von Zypern
Zyperns Landschaft gehörte für mich ebenso zum Aufenthalt wie Club und Tauchgänge. Im Bild: die Region um Kyrenia. Foto: Sascha Tegtmeyer

Mein erster Tag: vom Club direkt an die Tauchbasis

George und Angel zeigten mir damals eine moderne Station am Beachbar-Bereich. Der Plan für die nächsten Tage war schnell gemacht: ein kurzer Checktauchgang, die Zenobia, die damals neuen Wracks Costandis und Lady Thetis und, wenn es passte, einige Plätze am Cape Greco.

Diese direkte Verbindung war der größte Luxus des Aufenthalts. Ich musste nicht jeden Morgen lange Transfers organisieren und konnte nach der Rückkehr vom Boot noch schwimmen, in die Sauna gehen oder am Strand laufen. Für Taucher ist das oft wertvoller als eine weitere Bar oder ein aufwendig dekoriertes Zimmer.

Der Club nahm mir viel Logistik ab, ohne dass ich mich ausschließlich in einer Tauchgruppe bewegen musste. Das machte die Reise auch für Paare oder Begleitpersonen interessant, die unterschiedliche Urlaubspläne haben. Während eine Person taucht, kann die andere segeln, trainieren, lesen oder am Pool liegen. Am Nachmittag trifft man sich wieder, statt eine ganze Woche getrennte Programme zu fahren.

Die Zenobia: ein Stahlkoloss vor Larnaka

Kapitän Nikos Mentonis brachte uns mit seiner Motoryacht Atlantis vom Hafen in Larnaka zum Wrack. Die Überfahrt dauerte nur wenige Minuten. Während wir die Ausrüstung vorbereiteten, erzählte er, er sei früher Fischer gewesen und habe beobachtet, wie die Fähre in Schräglage geriet und evakuiert wurde. Damals habe kaum jemand geglaubt, dass sie tatsächlich sinken würde.

Dann ging es ins Wasser. George tauchte voran, bis sich im Blau eine Struktur abzeichnete. Erst an der gigantischen Schiffsschraube verstand ich die Dimensionen. Von dort führte der Tauchgang zum Heck und zu den Ladeklappen. Silberne Brassen standen in dichten Schwärmen am Wrack; Barrakudas jagten dazwischen, dazu kamen Thunfische und Zackenbarsche.

Taucher am Wrack der Zenobia vor Zypern
An der Zenobia werden die Dimensionen des gesunkenen Fährschiffs bereits an der Schiffsschraube sichtbar. Foto: Sascha Tegtmeyer

Das Autodeck lag wie eine Wand vor uns. Lastwagen und Trailer waren beim Sinken ineinandergerutscht. Solche Bilder bleiben im Kopf, weil ein Wrack nicht nur ein Tauchplatz ist. Es ist ein eingefrorener Unfallort, und die Kombination aus Geschichte, Tiefe, Dunkelheit und scharfem Metall verändert die Wahrnehmung.

Wir tauchten damals auch durch einen Korridor im oberen Bereich des Schiffs. Aus heutiger Sicht gehört hier eine wichtige Sicherheitskorrektur hin: Sobald über einem Taucher kein direkter Weg zur Oberfläche besteht, ist das eine Überkopfsituation. Die Organisation Divers Alert Network weist darauf hin, dass eine Wrackpenetration besondere Ausbildung, Ausrüstung, Gasplanung, Licht und eine verlässliche Führungsleine verlangt. Ein zusätzlicher Atemgasvorrat macht einen ungeplanten Durchstieg nicht automatisch sicher.

Ich würde die Zenobia erneut betauchen, aber den konkreten Plan streng an Ausbildung, Erfahrung, Tagesform, Strömung und Briefing ausrichten. Auch von außen ist das Wrack außergewöhnlich groß und fischreich. Niemand muss in einen dunklen Gang, um diesen Tauchplatz ernsthaft erlebt zu haben.

Costandis: eine Premiere unter Wasser

Ein zweiter Tauchgang führte zur Costandis, einem Fischkutter, der damals erst kurz zuvor vor Limassol versenkt worden war. Das Wrack lag in ungefähr 25 Metern Tiefe und war von der Oberfläche aus zu erkennen. Wir glitten an einem Bojenseil hinab.

Die typischen Aufbauten für die Netze, die kleine Brücke, das Steuerrad und Teile der Instrumente waren gut zu erkennen. Am Bug stand eine Gruppe Flötenfische und beobachtete uns. Im Sand war zu sehen, wie das Schiff auf dem Grund aufgekommen war.

Auch hier gilt die Trennung zwischen Außenbesichtigung und Innenraum. Ein Wrack kann in moderater Tiefe liegen und trotzdem innen komplex sein. Sichtweite, Leinen, scharfe Kanten, Sediment und die Entfernung zum Ausgang zählen mehr als die Zahl auf dem Tiefenmesser.

Taucher im Innenraum eines Wracks vor Zypern
Wrackinnenräume verlangen passende Ausbildung, Ausrüstung und eine konservative Tauchplanung. Foto: Just Wanderlust

Zwischen Tauchdeck, Wasserski und Whirlpool

Am frühen Nachmittag waren wir oft zurück. Genau dann zeigte sich, warum der damalige Aldiana für mich funktionierte. Ich konnte im Fitnessraum trainieren, in die Sauna gehen, im Indoor-Pool schwimmen oder am Strand laufen. Ich probierte auch Wakeboarden und Wasserski. Mit der Anleitung des damaligen Werner-Lau-Teams klappte das überraschend schnell und ohne spektakulären Sturz.

Das Programm war groß, aber nicht verpflichtend. Tagsüber konnte ich ebenso am Pool liegen und zusehen, wie andere Gäste aktiv waren. Diese Freiheit klingt selbstverständlich, ist es in Clubanlagen aber nicht immer. Ein dichtes Wochenprogramm kann anregen oder nerven. Gut war, dass ich nicht dauernd das Gefühl hatte, an etwas teilnehmen zu müssen.

Abends folgten Buffet, Theater und Bar. Bei meinem Aufenthalt wurde ein Musical mit Szenen aus James-Bond-Filmen gezeigt, das die Mitarbeiter selbst auf die Bühne brachten. Danach trafen sich Gäste und Team an der Poolbar; später öffnete die Disco. Ich hatte nach einem langen Tauchtag selten den Ehrgeiz, bis zum Morgen durchzuhalten. Aber es war angenehm, die Wahl zu haben.

Was mir am damaligen Club wirklich gefiel

Die Stärke war nicht eine einzelne spektakuläre Einrichtung. Es war die Reibungslosigkeit zwischen sehr verschiedenen Urlaubstagen.

  • Tauchen: kurze Wege zur damaligen Basis und Zugang zu markanten Wracks.
  • Wassersport: mehrere Möglichkeiten direkt am Meer, ohne täglich neu organisieren zu müssen.
  • Erholung: Sauna, Pool und ruhige Stunden nach dem Tauchgang.
  • Essen: ein großes Buffet, an dem ich nach langen Tagen zuverlässig etwas Passendes fand.
  • Abendprogramm: vorhanden, aber für mich kein Zwang.

Am deutlichsten erinnere ich mich an die kleinen Übergänge: vom Boot in den Whirlpool, vom Strandlauf zum Abendessen, vom Wrackbriefing zum Eis am Buffet. Der Club machte aus diesen Wechseln keinen Organisationsakt.

Wo ein Cluburlaub auf Zypern an Grenzen stößt

Ein Club kann die Reise ebenso stark vereinfachen, dass die Insel dahinter verschwindet. Wer morgens Sport macht, mittags am Pool liegt und abends im Theater sitzt, kann eine Woche auf Zypern verbringen, ohne viel von Zypern zu sehen.

Ich war bei Fahrten über die Insel oft an der Scheibe und wollte mehr von der Landschaft verstehen. Zypern besitzt Bergdörfer, antike Stätten, unterschiedliche Küsten und mit Nikosia eine geteilte Hauptstadt. Diese Ebene lässt sich nicht durch einen Themenabend im Resort ersetzen.

Hinzu kommt: Cluburlaub ist selten die günstigste Form, wenn du hauptsächlich tauchen und ansonsten lokal essen möchtest. Der Gesamtpreis sollte Transfer, Verpflegung, Tauchpaket, mögliche Leihausrüstung, Nitrox, Bootszuschläge und Ausflüge enthalten. Ein günstiger Grundpreis sagt wenig über die tatsächliche Woche aus.

Meine Empfehlung wäre heute, mindestens einen freien Tag außerhalb der Anlage einzuplanen. Noch besser: Clubaufenthalt und individuelle Inselrunde kombinieren, sofern Zeit und Budget reichen.

So würde ich den heutigen ROBINSON CYPRUS prüfen

Der aktuelle ROBINSON CYPRUS wirbt weiterhin mit Wassersport, Fitness, Entertainment und direkter Strandlage. Daraus folgt nicht, dass alle Angebote meines damaligen Aufenthalts unverändert existieren. Vor einer Buchung würde ich diese Punkte schriftlich klären:

  1. Welcher externe oder interne Anbieter organisiert aktuell das Tauchen?
  2. Welche Wracks werden in meinem Reisezeitraum tatsächlich angefahren?
  3. Welche Mindestbrevetierung und Erfahrung werden verlangt?
  4. Welche Sportangebote sind inklusive, welche kosten extra?
  5. Welche Restaurants und Getränke umfasst die gebuchte Verpflegung?
  6. Gibt es saisonale Schließungen, Veranstaltungen oder Bauarbeiten?
  7. Wie komme ich ohne Mietwagen nach Larnaka, Limassol oder zu Ausflugszielen?

Wer hauptsächlich wegen der Zenobia reist, sollte zuerst den Tauchbetrieb und erst danach das Zimmer auswählen. Wer den Club wegen Tennis, Segeln oder Familienangeboten bucht, braucht eine andere Prioritätenliste.

Mein Fazit zu den Aldiana-Zypern-Erfahrungen

Der ehemalige Aldiana Zypern war für mich eine erstaunlich passende Basis: morgens ein großer Wracktauchgang, nachmittags Wassersport oder Wellness, abends Buffet und Theater. Besonders die Zenobia, die Begegnung mit Kapitän Nikos Mentonis und der Tauchgang an der damals neuen Costandis haben dem Aufenthalt eine Tiefe gegeben, die weit über das Clubprogramm hinausging.

Heute muss dieser Bericht anders gelesen werden. Das Hotel heißt ROBINSON CYPRUS, der Betrieb hat sich verändert, und meine alten Eindrücke sind keine aktuelle Leistungszusage. Was bleibt, ist eine belastbare Antwort auf die Frage, ob sich Aktivurlaub, Tauchen und Clubkomfort an dieser Küste verbinden lassen: grundsätzlich ja, wenn du die heutigen Anbieter und Bedingungen vorab prüfst.

Ich würde wieder hinfahren, aber nicht blind dieselbe Reise erwarten. Ich würde den aktuellen Tauchpartner kontaktieren, meine Wrackausbildung ehrlich einordnen und genug Zeit für die Insel außerhalb des Clubs lassen.

Was wäre dir auf Zypern wichtiger: möglichst viele Tauchgänge an den Wracks oder die Kombination aus Tauchen, Sport und entspannten Clubtagen?

Recherche-Stand: 2. August 2026. Persönliche Erfahrungen stammen aus meinem damaligen, als Pressereise gekennzeichneten Aufenthalt im Aldiana Zypern. Betreiber, Programme und Tauchangebote wurden nicht als unverändert vorausgesetzt.

Über Sascha Tegtmeyer

Über Sascha Tegtmeyer

Reisejournalist, Autor und Gründer von Just Wanderlust

Ich schreibe auf Just Wanderlust aus eigener Reiseerfahrung über Orte, Meer und Outdoor-Abenteuer. Mehr über mich und meine Arbeit.

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