Unterwasser-Yoga Erfahrungsbericht – so lief mein Kurs wirklich ab

by Sascha Tegtmeyer | Jan. 28, 2019

Ich treibe auf einer Matte im warmen Schwimmbecken, während Michaela Günther meine Atmung anleitet. Wenig später bin ich unter Wasser, werde über einen langen Schlauch aus einem Tauchgerät versorgt und versuche mit geschlossenen Augen, im Schneidersitz zu schweben. Das klingt auch rückblickend ungewöhnlich. Genau deshalb ist dieser Text heute kein Trendversprechen, sondern ein sauber eingeordneter Erfahrungsbericht über einen Kurs, den ich damals mit nicedive4u an der Ostsee ausprobiert habe.

Vorher hatte ich um Yoga einen großen Bogen gemacht. Meine Vorstellung bestand aus schmerzhaften Dehnübungen und der ziemlich sicheren Erwartung, mich in einer Gruppe lächerlich zu machen. Der Unterwasser-Kurs hat dieses Bild verändert. Nicht, weil Wasser automatisch gesund oder meditativ wäre, sondern weil Auftrieb, reduzierte Außenreize und die bewusste Bewegung für mich eine erstaunlich konzentrierte Situation geschaffen haben.

Wichtig vorweg: Der Kurs verband verschiedene Phasen, die sicherheitstechnisch nicht vermischt werden dürfen. Atemanhalteübungen fanden als angeleitete Apnoeübung statt. Die Asanas unter Wasser wurden mit Luftversorgung ausgeführt. Beim Gerätetauchen gilt: kontinuierlich atmen und niemals die Luft anhalten.

Was war Unterwasser-Yoga in diesem Kurs?

Der damalige Ablauf bestand aus drei Teilen:

  1. Entspannung und Atemwahrnehmung an der Oberfläche.
  2. Beaufsichtigte Übungen aus dem Apnoe- beziehungsweise Freediving-Bereich.
  3. Yoga-Haltungen unter Wasser mit einer externen Luftversorgung über lange Atemreglerschläuche.

Das war kein gewöhnlicher Yogakurs, den jemand einfach ins Becken verlegt hatte. Michaela Günther kombinierte Elemente aus Yoga, Tauchen und Apnoe zu einem eigenen Kurskonzept. Eine allgemein verbindliche Ausbildungsnorm für „Unterwasser-Yoga“ lässt sich daraus nicht ableiten.

Meine Einschätzung nach dem Kurs: Für zertifizierte Taucher, die sich unter kontrollierten Bedingungen mit Atmung, Tarierung und Körpergefühl beschäftigen möchten, kann das interessant sein. Für Menschen ohne sichere Wassergewöhnung, mit Panik unter Wasser oder mit ungeklärten medizinischen Risiken ist es keine Aktivität zum spontanen Ausprobieren.

Teilnehmer entspannt auf einer Matte beim Unterwasser-Yoga-Kurs
Der damalige Kurs begann mit angeleiteter Entspannung an der Wasseroberfläche. Foto: Thomas Günther

Die erste Phase: auf der Matte zur Ruhe kommen

Wir begannen im tropisch warmen Schwimmbad in Sierksdorf, nahe Scharbeutz. Ich lag auf einer Matte an der Wasseroberfläche, während Michaela die Übung führte und auf meine Atmung achtete.

Nach einigen Minuten fühlte ich mich deutlich ruhiger. In der alten Fassung hatte ich diesen Eindruck mit einer frei geschätzten Prozentzahl beschrieben. Das war unnötig. Ich habe weder Stresshormone gemessen noch eine medizinische Wirkung untersucht. Belegbar ist meine Wahrnehmung: Ich war nach der Übung entspannt und neugierig auf den nächsten Teil.

Michaela beschrieb ihre Idee damals so:

Der Unterschied bei Unterwasser-Yoga liegt zum einen darin, dass unser Körper, der einen Energiekreislauf darstellt, komplett vom Wasser umschlossen wird. Dadurch ist man unempfindlicher für äußere Reize.

Das ist ihre damalige Erklärung des Konzepts, kein medizinischer Wirkungsnachweis. Für mich passte ein Teil davon zur Erfahrung: Im warmen Becken waren Geräusche und visuelle Reize tatsächlich reduziert.

Die Apnoephase: nur angeleitet und nie allein

Anschließend folgten Übungen aus dem Freediving, bei denen ich die Luft anhielt. Dank der ruhigen Vorbereitung schaffte ich damals fast zwei Minuten. Das ist eine persönliche Momentaufnahme, kein Zielwert und schon gar keine Aufforderung zum Nachmachen.

Beaufsichtigte Apnoeübung im Schwimmbecken
Die Atemanhalteübung fand als betreute Apnoephase statt und war klar vom Gerätetauchen getrennt. Foto: Thomas Günther

Atemanhalten im Wasser gehört unter qualifizierte Aufsicht und in ein konsequentes Buddy-System. Hyperventilation, Leistungswettbewerbe und heimliches Üben allein sind gefährlich. Die Standards seriöser Freediving-Ausbildung stellen die Überwachung und Rettungsfähigkeit des Buddys in den Mittelpunkt.

Der entscheidende Punkt: Diese Apnoephase war von der späteren Gerätetauchphase getrennt. Wer Druckluft atmet, hält den Atem nicht an. Druckänderungen und eingeschlossene Luft können beim Aufstieg schwere Verletzungen verursachen. Diese Regel ist nicht verhandelbar.

Die Asanas unter Wasser: Augen schließen und der Tarierung vertrauen

Für den eigentlichen Unterwasserteil lagen die Tauchgeräte an der Oberfläche. Über Atemregler mit langen Schläuchen wurden wir versorgt und konnten uns im Becken frei bewegen. Michaela zeigte eine Haltung, ich versuchte sie nachzumachen.

Die Augen sollten dabei geschlossen bleiben. Das war zunächst der schwierigste Teil. Unter Wasser orientiere ich mich als Taucher normalerweise ständig: Tiefe, Abstand, Buddy, Instrumente, Umgebung. In einem begrenzten, kontrollierten Becken mit direkter Betreuung konnte ich diese visuelle Kontrolle für kurze Phasen abgeben.

Michaela erklärte die Wahl des Beckens damals so:

Der Unterwasser-Yoga-Kurs findet immer im Schwimmbad statt. Hauptsächlich aufgrund der Wassertemperaturen, aber auch, damit die Teilnehmer die Augen schließen können, ohne Bedenken zu haben, dabei „verloren“ zu gehen.

Das ist zugleich die Grenze des Erlebnisses. Solche Übungen gehören nicht ohne Weiteres ins offene Meer, in den Baggersee oder an ein Riff. Strömung, Tiefe, Bootsverkehr, Orientierung und Umweltschutz verändern die Risikolage vollständig.

Unterwasser-Yoga mit Atemregler im Schwimmbecken
Die Asanas wurden im kontrollierten Becken mit externer Luftversorgung ausgeführt. Foto: Thomas Günther

Hovern im Schneidersitz

Am besten gefiel mir das Schweben im Schneidersitz. Die Haltung wirkte unter Wasser weniger statisch als an Land. Jeder Atemzug veränderte den Auftrieb ein wenig. Damit wurde aus einer Yoga-Position zugleich eine sehr direkte Tarierungsübung.

Yoga-Haltung mit geschlossenen Augen unter Wasser
Mit geschlossenen Augen rückten Atemgeräusch, Auftrieb und Körperlage stärker in den Vordergrund. Foto: Thomas Günther

Handstand unter Wasser

Beim Handstand nahm das Wasser einen Teil des Gewichts. Dadurch fühlte sich die Bewegung freier an, obwohl die Orientierung anspruchsvoller wurde. Ich musste nicht Kraft demonstrieren, sondern langsam arbeiten und die Lage meines Körpers verstehen.

Handstand als Yoga-Übung unter Wasser
Beim Handstand nahm der Auftrieb Gewicht, verlangte aber eine kontrollierte Orientierung. Foto: Thomas Günther

Geschlossene Augen verändern die Aufmerksamkeit

Ohne visuellen Fixpunkt bemerkte ich Atemgeräusch, Auftrieb und kleine Bewegungen stärker. Gelegentlich lief Wasser in die Maske. Das war kein Drama, aber eine gute Erinnerung daran, dass Entspannung beim Tauchen nicht bedeutet, die Umgebung vollständig auszublenden.

Schwebende Yoga-Position unter Wasser im Schwimmbecken
Das Hovern im Schneidersitz verband die Haltung direkt mit der Tarierung über den Atem. Foto: Thomas Günther

Was der Kurs für mein Tauchen gebracht hat – und was nicht

Ich ging nach ungefähr eineinhalb Stunden leicht und entspannt aus dem Wasser. Besonders interessant fand ich das bewusste Verhältnis zwischen Atmung und Tarierung. Wer bei jedem Atemzug merkt, wie sich die Position verändert, versteht einen Grundmechanismus des Tauchens körperlich statt nur theoretisch.

Ich würde daraus trotzdem keine langfristige Wirkung versprechen. Der Kurs war ein einzelnes Erlebnis. Er hat meine Neugier auf Yoga geweckt und mir gezeigt, dass meine alten Vorurteile falsch waren. Ob sich Entspannung oder Tarierung dauerhaft verbessern, hängt von Training, Person und weiteren Tauchgängen ab.

Auch „Detox“ ist dafür der falsche Maßstab. Wer Ruhe sucht, kann sie bei Yoga, beim Schwimmen, beim Tauchen oder ganz ohne Wasser finden. Unterwasser-Yoga ist eine besondere Übungsform, keine notwendige Stufe auf dem Weg zu körperlichem Wohlbefinden.

Für wen ich einen solchen Kurs passend finde

Ein sorgfältig geführter Kurs kann passen, wenn du:

  • dich im Wasser und mit dem Atemregler sicher fühlst,
  • an Körpergefühl und Tarierung arbeiten möchtest,
  • kleine Gruppen und kontrollierte Beckenbedingungen schätzt,
  • Übungen ohne Leistungsdruck suchst,
  • und bereit bist, den Anweisungen der Kursleitung konsequent zu folgen.

Ich würde abraten, wenn du aus einem Video einzelne Übungen nachbauen möchtest, Atemanhalten als Wettbewerb verstehst oder gesundheitliche Fragen ungeklärt sind. Bei Problemen mit Herz, Lunge, Ohren, Bewusstsein oder Panik gehört vor einer solchen Aktivität qualifizierter medizinischer Rat dazu.

nicedive4u heute: Der alte Ostsee-Kontakt ist nicht mehr aktuell

Mein Kurs fand damals an der Ostsee statt. Die frühere Adresse in Timmendorfer Strand gebe ich bewusst nicht mehr als aktuellen Kurskontakt aus. Nach dem derzeitigen Stand der offiziellen nicedive4u-Website arbeitet das Team heute in Sitia auf Kreta; dort werden Tauchen und Freediving angeboten.

Ob Unterwasser-Yoga aktuell als buchbarer Kurs verfügbar ist, sollte direkt beim Anbieter erfragt werden. Mein Erfahrungsbericht dokumentiert den damaligen Ablauf und bewertet nicht ungeprüft ein heutiges Angebot.

Fazit: ungewöhnlich, konzentriert – aber kein Selbstversuch

Unterwasser-Yoga hat mich überrascht, weil es meine beiden damaligen Annahmen korrigierte: Yoga musste weder schmerzhaft noch peinlich sein, und Tarierung ließ sich spielerischer erfahren, als ich erwartet hatte.

Der Reiz lag für mich nicht in einem angeblichen Wellness-Wunder. Er lag in der kontrollierten Reduktion: warmes Becken, kleine Gruppe, geschlossene Augen, langsame Bewegung und ein sehr deutliches Gefühl für den eigenen Atem.

Genau deshalb würde ich es nur mit qualifizierter Leitung wiederholen. Apnoe, Druckluft und geschlossene Augen sind keine Mischung für Improvisation.

Hast du schon einmal Yoga, Atemtraining und Wassersport verbunden – oder wäre dir die Vorstellung mit geschlossenen Augen unter Wasser zu fremd?

Über Sascha Tegtmeyer

Über Sascha Tegtmeyer

Reisejournalist, Autor und Gründer von Just Wanderlust

Ich schreibe auf Just Wanderlust aus eigener Reiseerfahrung über Orte, Meer und Outdoor-Abenteuer. Mehr über mich und meine Arbeit.

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