Schwimmen in der Ostsee: unterschätzte Gefahr für Badeurlauber?

Welche Gefahren lauern beim Schwimmen in der Ostsee – und wie könnt Ihr Euch darauf vorbereiten?

Strand in Scharbeutz im Sommer: an manchen Tagen sieht man das Wasser vor lauter Badegästen nicht – das Schwimmen in der Ostsee ist nicht ganz ungefährlich. Foto: Sascha Tegtmeyer
Strand in Scharbeutz im Sommer: an manchen Tagen sieht man das Wasser vor lauter Badegästen nicht – das Schwimmen in der Ostsee ist nicht ganz ungefährlich. Foto: Sascha Tegtmeyer

Die Ostseeküste gehört im Sommer zu den beliebtesten Reiseziele in Deutschland. Allein in der Lübecker Bucht machen jedes Jahr mehr als eine Million Menschen Urlaub – Tendenz steigend. Zwischen Mai und September erreicht das klare und seicht abfallende Wasser angenehme Temperaturen von bis zu 24 Grad Celsius und lädt dementsprechend zum Baden und Schwimmen ein. Doch leider passieren jedes Jahr zahlreiche tragische Unfälle beim Schwimmen – manche sogar mit Todesfolge. Grund genug für uns zu fragen: Wie gefährlich ist das Schwimmen in der Ostsee? Wir geben Euch wertvolle Tipps, wie Ihr sicherer ins Wasser kommt und ein ungetrübtes Badevergnügen genießen könnt.

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Ich gehe jedes Jahr von Mitte Mai bis Mitte September nahezu täglich in der Ostsee schwimmen. Im Hochsommer schaffe ich es manchmal sogar zweimal täglich den Sprung ins Meerwasser. Besonders am frühen Morgen und am Abend ist das Wasser der Ostsee vor Scharbeutz manchmal spiegelglatt und glasklar. Für alle Badegäste, die ihren Sommerurlaub in Scharbeutz und Co verbringen, beste Bedingungen zum Planschen. Zwischen Mai und September lädt das Meer dann einfach zum Baden ein. Die ersten hartgesottenen springen schon im Mai bei 12 bis 15 Grad Celsius ins kühle Nass, ab Juni wird es bei bis zu 18 Grad schon deutlich voller und zwischen Juli und Anfang September ist das Meer manchmal so voll mit Badegästen, dass man fast kein Wasser mehr sieht.

Kaum ein Urlauber hält die Ostsee für gefährlich – das Wasser fällt in der Lübecker Bucht von Sierksdorf, Haffkrug, Scharbeutz, Timmendorfer Strand über Niendorf/Ostsee bis Travemünde meistens ganz seicht ab, ist oftmals klar, in Strandnähe selten tiefer als 5 Meter und der Grund ist meistens einfach sandig. Doch der Schein trügt. Das Meer kann auch anders. In der Tat bietet das Schwimmen in der Ostsee einige Gefahren, die unvorsichtigen und leichtsinnigen Badegästen schnell einige Verletzungen einbringen oder sogar das Leben kosten können. 18 Badetote gab es in Schleswig-Holstein 2018 – jeder einzelne davon ist einer zu viel. Versucht Euch also so gut es geht zu schützen, wenn Ihr in der Ostsee schwimmen geht. Indem Ihr Euch der Gefahr bewusst werdet, habt Ihr schon viel gewonnen.

Rote Flaggen, einsetzende Dunkelheit und kräftiger Wellengang: Badegäste ignorieren das Badeverbot nahe der Seebrücke von Scharbeutz.
Rote Flaggen, einsetzende Dunkelheit und kräftiger Wellengang: Badegäste ignorieren das Badeverbot nahe der Seebrücke von Scharbeutz.

Giftige Tiere und Strömungen: So gefährlich ist Schwimmen in der Ostsee wirklich

Ich selbst bin erst vor einigen Tagen beim Baden auf einen großen, spitzen Stein getreten und habe mir eine kräftig blutende Schramme eingefangen, die ich am Strand sogleich desinfiziert habe. Klingt harmlos? Ist es theoretisch auch. Allerdings gibt es nicht nur in tropischen Gewässern, sondern auch in der Ostsee fleischfressende Bakterien. Eine Infektion kann schwerwiegend sein und schlimmstenfalls tödlich verlaufen. Die Bakterien sind allerdings längst nicht die größte Gefahr. Schwimmer werden von Strömungen erwischt und unter Wasser gezogen. Strömungen und Wellengang gibt es längst nicht nur im Herbst und Winter. Ihr kennt vielleicht die sogenannte „rip current“ – zu deutsch: Brandungsrückströmung oder Rippenströmung. Diese Strömungen ziehen Schwimmer mit immenser Kraft hinaus ins Meer und können selbst für erfahrene Schwimmer tödlich sein. Aber auch ein höchst gefährlicher und giftiger Fisch lebt in der Ostsee – das Petermännchen.

1. Kräftige Strömungen in der Ostsee

Die sogenannte „rip current“ – zu deutsch: Brandungsrückströmung oder Rippenströmung – die etwa durch Sandbänke entstehen, wie sie entlang der deutschen Ostseeküste häufig vorkommen. Das Wasser wird dabei quasi zwischen zwei Sandbänken hindurch zurück ins Meer gesogen. Die Strömungen können immense Kräfte und Geschwindigkeiten bis zu 9 km/h entwickeln, bei der auch erfahrene Schwimmer kaum eine Chance haben. Der Schwimmweltrekord eines Menschen liegt aktuell bei 6,55 km/h. Aufgrund kräftigen Wellengangs und Strömungen sterben im Sommer manchmal mehrere Menschen beim Schwimmen und Baden innerhalb einer Woche. Viele dieser Unfälle wären vermeidbar.

2. Starker, plötzlich auftretender und ablandiger Wind

Ebenfalls ein Garant für einen Badeunfall kein starker, plötzlich auftretender und ablandiger Wind. Erst vor einigen Tagen hatte ein schnell herausziehendes Unwetter zwei Mädchen auf ihrer Luftmatratze nahe der Seebrücke von Scharbeutz überrascht und die Badegäste hinaus aufs Meer getrieben. Beide konnten von der Feuerwehr gerettet werden. Ich war zu dieser Zeit ebenfalls am Strand baden und konnte selbst erleben, wie die Witterungsverhältnisse in Minuten umgeschlagen sind und sich das Badevergnügen in eine Flucht vor dem aufziehenden Unwetter verwandelte.

3. Giftige Tiere in der Ostsee: Verletzungsgefahr für Badegäste?

Wenn Ihr glaubt, dass es in der Ostsee keine giftigen Tiere gibt, liegt Ihr völlig falsch. Nicht nur in tropischen Gewässern sondern auch in unserem möglichen Gewinn mehr gibt es Tiere, an denen Ihr Euch heftig verletzten könnt. Einen Hai habe ich in der Ostsee noch nicht gesehen – der ist ja auch eher nicht so gefährlich –, die giftigen Tiere sind hingegen eher unscheinbar. Beim Schwimmen in der Ostsee könnt Ihr diesen Tieren jederzeit begegnen. Bei den gefährlichen Tieren handelt es sich in erster Linie um das sogenannte Petermännchen – ein Fisch – und ganz fiese Feuerquallen.

Petermännchen

Der Name des Fisch lautet Petermännchen. Klingt erst einmal unheimlich harmlos. Dem ist aber leider nicht so. Das Petermännchen, das in der Ostsee vorkommt, ist eines der giftigsten Meerestiere überhaupt. Im Sommer suchen die Fische zum Leichen seichten Sandgrund in Strandnähe auf. Die Flossenstacheln der ersten Rückenflosse und ein Stachel auf dem Kiemendeckel sind giftig. Bei Berührung drohen Menschen, die gegen das Gift allergisch sind, Schwindel, Kopfschmerzen, Bewusstlosigkeit oder sogar ein Herzstillstand.

Feuerquallen

Im August 2018 fand in der Lübecker Bucht die schlimmste Invasion von gelben Haar- oder Nesselquallen statt, die ich je erlebt habe. Das Wasser zwischen Sierksdorf und Travemünde war voll von den Tieren, die auch als Feuerquallen bezeichnet werden. Und so nahm das Badevergnügen im vergangenen Jahr ein vorzeitiges Ende – denn egal, wo man in der Lübecker Bucht ins Wasser ging, kam man mit starkem Juckreiz und Vernesselungen wieder heraus. Selbst dort, wo keine Quallen waren, schwammen die feinen Haare umher und sorgten für brennende Haut. Macht also besser einen sehr großen Bogen um die Tiere.

Fleischfressende Bakterien

Bei Wassertemperaturen über 20 Grad Celsius können im Wasser der Ostsee zudem Vibrionen – fleischfressende Bakterien – auftreten. Sie leben normalerweise im Meeresboden, kommen bei Hitze im Hochsommer jedoch auch im Meerwasser vor. Gefahr durch diese winzigen Erreger besteht vor allem für Menschen mit chronischen Vorerkrankungen, geschwächtem Immunsystem und offenen Wunden. Bei den meisten Menschen passiert nichts, bei geschwächten Menschen sind Blutvergiftungen möglich. Solltet Ihr Euch nach einem Bad in der Ostsee sehr unwohl fühlen und Symptome wie Fieber und Frösteln bekommen, kann das am raschen und schweren Krankheitsverlauf liegen. In diesem Fall schnellstens einen Arzt aufsuchen, der verabreicht in der Regel ein Antibiotikum.

Dasa grünliche und klare Wasser lädt im Sommer zum Schwimmen in der Ostsee ein. Foto: Sascha Tegtmeyer
Dasa grünliche und klare Wasser lädt im Sommer zum Schwimmen in der Ostsee ein. Foto: Sascha Tegtmeyer

Warum geraten Menschen beim Schwimmen in der Ostsee in Not?

Menschen geraten häufig deshalb in Not, weil sie eine Gefahrensituation falsch einschätzen oder sich nicht an die Baderegeln halten. Die rote Flagge bedeutet Badeverbot. Kaum ein Urlauber hält sich daran.

Tipps für Badende und Schwimmer: so wird das Vergnügen sicherer

  1. Niemals alleine ins Wasser gehen und eine aufblasbare Rettungsboje am Körper tragen
  2. Vorsicht bei Strömungen und starkem Wellengang
  3. Möglichst nur an bewachten Badestellen ins Wasser gehen
  4. Achtet auf Meerestiere, scharfe Steine und Muscheln
  5. Vor dem Sprung ins Meer unter der Dusche abkühlen
  6. Behaltet Eure Kinder jederzeit im Auge
  7. Bei Gewitter sofort raus aus dem Wasser
Wer vorsichtig ist, kann das Baden und Schwimmen in der Ostsee im Sommer voll und ganz genießen. Foto: Sascha Tegtmeyer
Wer vorsichtig ist, kann das Baden und Schwimmen in der Ostsee im Sommer voll und ganz genießen. Foto: Sascha Tegtmeyer

Fazit – Schwimmen in der Ostsee: richtige Vorbereitung ist alles

Das Schwimmen in der Ostsee ist im Sommer ein unheimlich tolles Vergnügen und zugleich eine echte Alternative zu einem Urlaub am Mittelmeer. Das Wasser wird leicht über 20 Grad Celsius warm, ist nicht besonders salzig und hat eine herrliche grüne Farbe. Eigentlich sind das perfekte Voraussetzungen, um so richtig im Meer planschen zu gehen und es sich gut gehen zu lassen.

Die Ostsee ist jedoch trickreich und für Schwimmer und alle Badenden deutlich gefährlicher als man glauben mag. Mit Abstand am gefährlichsten ist beim Schwimmen in der Ostsee die starke Strömung, die Euch schlimmstenfalls aufs offene Meer hinauszieht oder unter Wasser drückt. Ich habe schon am eigenen Leib bemerkt, wie stark solche Strömungen sein können und wie schwierig es ist, sich wieder daraus zu befreien. Besonders unangenehm ist die Tatsache, dass man die Strömungen in der Ostsee erst bemerkt, wenn sie einen bereits gepackt haben. Nehmt Euch beim Schwimmen also in Acht, geht nur an einem von der DLRG bewachten Badestrand ins Wasser und achtet auf die Beflaggung – bei roten Flaggen ist das Schwimmen in der Ostsee verboten – und das niemals ohne Grund.

Und auch von den giftigen Meerestieren solltet Ihr Euch natürlich in Acht nehmen. Besonders das Petermännchen und Feuerquallen können Euch im Hochsommer gefährlich werden. Natürlich gibt es keine 100-prozentige Sicherheit, eines dieser Tiere nicht doch zu übersehen. Wenn Ihr Euch mental darauf vorbereitet, könnt Ihr im Notfall jedoch schnell handeln und mögliche Wunden behandeln lassen. Gleiches gilt übrigens auch für Scherben, Muscheln und Steine, die im flachen Wasser im Sand stecken und unter Wasser möglicherweise weniger gut sichtbar sind. Auch hier könnt Ihr Euch leicht Verletzungen zufügen, die sich im Salzwasser vielleicht entzünden. Im Zweifelsfall unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Wer die eigenen Fähigkeiten nicht überschätzt, nicht leichtsinnig ist und mit dem nötigen Respekt dem Meer gegenüber in der Ostsee schwimmen geht, wird mit Sicherheit viel Spaß und Freude im Wasser haben.

Baden und Schwimmen in der Ostsee natürlich immer auf eigene Gefahr. 

Welche Erfahrungen habt Ihr beim Baden und Schwimmen in der Ostsee gemacht? Teilt es uns in den Kommentaren mit.

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