Tauchen auf Gran Canaria ist für mich vor allem Atlantik: vulkanische Felslandschaften, dichte Fischschwärme, Wracks – und ein Meer, das deutlich unruhiger sein kann als ein geschütztes Hausriff im Roten Meer. Ich war im Süden der Insel mit verschiedenen Tauchbasen unterwegs und habe unter anderem die Wracks vor Puerto de Mogán betaucht. Mein Urteil: Gran Canaria ist ein vielseitiges Ganzjahresziel für Taucher, aber nicht jeder Tauchplatz passt zu jedem Erfahrungsstand. Strömung, Wellengang und anspruchsvolle Einstiege gehören ehrlich in die Planung.
Wenn du ruhiges, sehr warmes Wasser und garantierte Sichtungen erwartest, ist die Insel nicht automatisch die beste Wahl. Wenn du dagegen karge Vulkanlandschaften unter Wasser, Schwärme, Rochen, Muränen und mit Glück einen Engelhai erleben möchtest, kann sie eine starke Alternative sein. In diesem Erfahrungsbericht trenne ich meine eigenen Tauchgänge klar von aktuellen Platzdaten und zeige dir, welche Region zu deinem Tauchurlaub passt.
Tauchen auf Gran Canaria: Lohnt es sich?
Ja, besonders für brevetierte Taucher, die Abwechslung und vulkanische Topografie suchen. Die offizielle Tauchübersicht der Insel nennt Spots rund um nahezu die gesamte Küste. Dadurch kannst du zwischen Land- und Bootstauchgängen, flachen Einstiegsplätzen, Riffen und Wracks wählen.

Der wichtigste Gegenpunkt ist der Atlantik selbst. Bedingungen können sich unterscheiden, Bootsausfahrten schaukeln, und an exponierten Plätzen gibt es Strömung. Der bekannte Landtauchplatz El Cabrón wird im offiziellen Guide beispielsweise ausdrücklich mit häufig auftretender Strömung und mittlerem Schwierigkeitsgrad geführt. Eine gute Basis wählt den Spot nach Wetter, Erfahrung und Tagesform – nicht nach einer starren Wunschliste.
Meine Erfahrungen beim Tauchen auf Gran Canaria
Mein persönlicher Ausgangspunkt lag im Süden und Südwesten. Ich war damals unter anderem mit Extra Divers in Puerto de Mogán – heute dort unter anderem als Gran Canaria Divers vertreten – sowie mit Canary Diving Adventures in Taurito unterwegs. Diese Einordnung ist historisch: Teams, Eigentümer, Standorte und Abläufe können sich seit meinen Besuchen verändert haben.
Unter Wasser erinnere ich mich an dunklen vulkanischen Grund, Fischschwärme und Wrackstrukturen. Das Licht wirkt im Atlantik anders als an einem flachen Tropenriff. Weniger bunte Korallen bedeuten nicht weniger Spannung: Der Blick wandert stärker zu Felsformen, Sandflächen und in das Blauwasser.

Über Wasser hat mich eine andere Seite des Atlantiks erwischt: Auf einer ruppigen Bootsfahrt wurde mir deutlich, wie schnell Seekrankheit einen Tauchtag übernimmt. Wer dazu neigt, sollte nicht erst auf dem Schlauchboot reagieren. Lass dich vor der Reise ärztlich oder in der Apotheke beraten, denn Mittel gegen Reiseübelkeit können müde machen und sind nicht automatisch mit dem Tauchen vereinbar. Ich würde außerdem vor der Ausfahrt offen mit der Crew sprechen und einen Platz wählen, an dem ich Horizont und Frischluft habe. Wenn der Magen bereits vor dem Ablegen rebelliert, sage ich den Tauchgang lieber ab, statt unter Wasser ein zusätzliches Problem zu erzeugen.
Die besten Tauchplätze nach Können und Region
Eine Rangliste mit zehn angeblich immer gleichen „Top-Spots“ hilft wenig. Entscheidend sind Zugang, aktueller Seegang, Strömung, Tiefe und deine Ausbildung. Die folgenden Plätze bilden verschiedene Taucharten ab; die Tagesentscheidung triffst du mit einer autorisierten lokalen Basis.
El Cabrón bei Arinaga: artenreich, aber nicht automatisch leicht
El Cabrón an der Ostküste gehört zu den bekanntesten Tauchgebieten der Insel. Laut offizieller Tourismusinformation erfolgt der Zugang vom Land, die mittlere Tiefe liegt bei 19 Metern und die maximale Tiefe der beschriebenen Route bei 22 Metern. Als Schwierigkeit wird „mittel“ angegeben; Strömung tritt häufig auf.
Unter Wasser prägen ein Abfall, Höhlen und Spalten die Landschaft. Dort können sich Muränen, Zackenbarsche und andere Rifffische aufhalten; im Freiwasser werden Barrakudas und Bernsteinmakrelen genannt. Der Landzugang und die Strömung sind gute Gründe, den Platz nicht ohne ortskundige Führung zu unterschätzen.
Baja de Pasito Blanco: Bootstauchgang über Basalt
Die Baja liegt wenige Bootsminuten vor dem Hafen von Pasito Blanco. Der offizielle Guide beschreibt eine längliche Basaltplattform, eine mittlere Tiefe von 15 und eine maximale von 19 Metern. Die Schwierigkeit wird als niedrig, die Strömung als mittel eingestuft.
Auf den Sandflächen rund um das Plateau können Rochen und Engelhaie liegen; Sichtungen sind niemals garantiert. Für Unterwasserfotografen ist der Wechsel zwischen Fels, Sand und Fischschwärmen interessant. Bleib aufmerksam im Blauwasser, ohne der Gruppe oder einem Tier hinterherzuschwimmen.
Sardina del Norte: geschütztere Bucht im Norden
Sardina bietet einen gut erreichbaren Einstieg in einer vergleichsweise geschützten Bucht. Die offizielle Tourismusseite hebt den Platz auch für Einsteiger, Nacht- und Fototauchgänge hervor. Je nach Route kannst du kleine Lebewesen, Fischschwärme, Rochen oder Seepferdchen suchen – nicht als Checkliste, sondern als mögliche Begegnungen.
Der Norden ist logistisch eine andere Entscheidung als ein Hotel im touristischen Süden. Wenn Sardina und weitere Nordspots dein Schwerpunkt sind, spare dir tägliche lange Fahrten und wähle die Unterkunft entsprechend.
Taliarte: flacher Einstieg für ruhige Profile
Taliarte bei Telde wird im offiziellen Guide als leichter Landtauchgang mit durchschnittlich fünf und maximal acht Metern Tiefe sowie ohne nennenswerte Strömung beschrieben. Gerade flache Tauchgänge können viel Zeit für kleine Details bieten. Einfach bedeutet trotzdem nicht risikofrei: Hafenverkehr, Sicht und lokale Regeln müssen in das Briefing.
La Catedral: eindrucksvolle Räume für passend ausgebildete Taucher
La Catedral vor Las Palmas ist ein Bootstauchplatz mit großen Bögen, Lichtöffnungen und höhlenartigen Passagen. Der offizielle Guide nennt im beschriebenen Bereich durchschnittlich 17 und maximal 22 Meter. Sobald ein Weg in einen überdeckten Bereich führt, zählt aber nicht nur die Tiefe: Bleib strikt innerhalb deiner Ausbildung, folge dem Guide und dringe nicht in eine Umgebung ein, für die dir Verfahren oder Ausrüstung fehlen.
Wracks vor Puerto de Mogán: mein persönlicher Südwest-Favorit
Vor Puerto de Mogán habe ich unter anderem an der Cermonia II und im Bereich der Allegranza getaucht. Damals standen Fischschwärme um die Wrackteile, und allein der Abstieg am Seil gab dem Tauchgang eine klare Dramaturgie. Wracks verändern sich durch Korrosion und Stürme; deshalb veröffentliche ich hier keine Penetrationsroute und behandle alte Tiefenangaben nicht als heutige Garantie.

Engelhaie sehen, ohne sie zu bedrängen
Die Kanarischen Inseln sind ein bedeutendes Rückzugsgebiet des vom Aussterben bedrohten Engelhais. Er liegt häufig gut getarnt auf Sand. Eine Sichtung ist ein Glücksfall und kein Programmpunkt, den eine Tauchbasis seriös garantieren kann.
- Halte Abstand und versperre dem Tier nicht den Fluchtweg.
- Berühre, füttere oder verfolge keinen Engelhai.
- Leuchte nicht dauerhaft direkt in die Augen und begrenze Blitzaufnahmen.
- Melde eine Beobachtung über die vom Angel Shark Project genannten Wege, wenn dein Guide das empfiehlt.
Der Angel Shark Conservation Network stellt einen Verhaltenskodex für Taucher und Schnorchler bereit. Das Tier und sein Ruheplatz gehen immer vor dem Foto.
Welche Küste passt zu deinem Tauchurlaub?
| Region | Passt besonders, wenn du … | Worauf du achten solltest |
|---|---|---|
| Südwesten um Mogán | Bootstauchgänge, Wracks und kurze Wege aus Puerto de Mogán suchst | Bootsfahrten und mögliche Dünung; aktuelle Wrackbedingungen |
| Süden um Pasito Blanco | Riffprofile mit guter touristischer Infrastruktur verbinden möchtest | Strömung und Auslastung der Boote |
| Osten um Arinaga | El Cabrón und vulkanische Landtauchgänge priorisierst | Landzugang, häufige Strömung und passende Erfahrung |
| Norden um Sardina | geschütztere Bucht, Makro- und Fototauchgänge suchst | längere Anfahrt aus den südlichen Urlaubsorten |
| Las Palmas | Stadturlaub mit ausgewählten Bootstauchgängen kombinierst | Hafenlogistik und spotabhängige Anforderungen |
Für einen reinen Tauchurlaub würde ich die Unterkunft nach der Basis wählen, nicht umgekehrt. Für eine gemischte Reise mit Strand, Inselrundfahrt und einigen Tauchgängen ist der Süden oder Südwesten bequem. Mehr allgemeine Eindrücke zu Orten, Landschaft und Hotels findest du in meinem Reisebericht Gran Canaria; dieser Beitrag bleibt bewusst beim Tauchen.

So wählst du eine Tauchbasis
Die offizielle Tourismusorganisation veröffentlicht eine Liste autorisierter Tauchcenter. Das ist mein Ausgangspunkt, aber noch keine Qualitätsgarantie. Schreib zwei oder drei Basen vor der Buchung konkret an und vergleiche nicht nur den Preis.
- Welche Spots werden bei meinem Ausbildungsstand realistisch angefahren?
- Wie groß sind die Gruppen und wie werden Buddys eingeteilt?
- Sind Sauerstoff, Notfallplan und Kommunikationsmittel am Boot oder Einstieg vorhanden?
- Wie alt ist die Leihausrüstung und wie wird ihr Zustand dokumentiert?
- Welche Versicherung, Bescheinigung und welches Brevet muss ich mitbringen?
- Was passiert bei abgesagten Tauchgängen wegen Wetter oder Seegang?

Die aktuelle Liste der Center findest du in der offiziellen Tauchübersicht von Gran Canaria. Meine früheren guten Erfahrungen sind ein persönlicher Zeitzeugenbericht, keine zeitlich unbegrenzte Zertifizierung eines Betriebs.
Wassertemperatur, Ausrüstung und beste Reisezeit
Die offizielle Inselinformation nennt ungefähr 18 Grad im Winter und rund 22 Grad während der übrigen Zeit. Das sind Orientierungswerte; Wind, Tiefe und individuelle Kälteempfindlichkeit entscheiden über den passenden Anzug. Viele Taucher wählen einen dickeren Nassanzug, manche zusätzlich Kopfhaube oder Eisweste. Lass dir die aktuelle Temperatur von der Basis bestätigen.
Tauchen ist ganzjährig möglich, aber „möglich“ heißt nicht „jeden Tag an jedem Platz“. Winterliche Dünung, Passatwind oder lokale Bedingungen können die Auswahl verschieben. Plane bei einer Tauchreise mehrere mögliche Tage ein, statt einen einzigen unverrückbaren Ausflug zwischen andere Termine zu pressen.
Sicher planen: Atlantik, Berge und Rückflug
- Seegang: Iss vor einer Bootstour leicht, trink ausreichend und kläre geeignete Mittel gegen Seekrankheit medizinisch ab.
- Strömung: Nimm eine gut sichtbare Signalboje mit, wenn die Basis sie für den Tauchgang verlangt, und bleib innerhalb deiner Ausbildung.
- Bergtouren: Gran Canarias Inselinneres steigt deutlich an. Höhenfahrten nach dem Tauchen müssen ebenso wie ein Flug in die Dekompressionsplanung einbezogen werden.
- Rückflug: DAN nennt als Mindestabstände 12 Stunden nach einem einzelnen Nullzeittauchgang, 18 Stunden nach Wiederholungstauchgängen und mindestens 24 Stunden nach Dekompressionstauchgängen. Konservativ mehr Zeit einzuplanen kann sinnvoll sein.
Ausführlicher behandle ich das Thema in meinem Beitrag Fliegen nach dem Tauchen. Dein Tauchcomputer, der konkrete Verlauf und medizinischer Rat sind wichtiger als eine pauschale Blogzahl.
Häufige Fragen zum Tauchen auf Gran Canaria
Ist Gran Canaria für Anfänger geeignet?
Ja, wenn die Basis einen geschützten, flachen Platz und passende Bedingungen auswählt. Nicht jeder bekannte Spot ist ein Anfängerplatz: El Cabrón wird offiziell als mittelschwer mit häufiger Strömung geführt.
Kann man auf Gran Canaria Engelhaie sehen?
Sie kommen rund um die Kanaren vor, bleiben aber Wildtiere. Eine Sichtung lässt sich nicht garantieren. Halte Abstand, berühre das Tier nicht und beachte den Verhaltenskodex des Angel Shark Project.
Brauche ich ein eigenes Auto?
Das hängt vom Tauchcenter ab. Viele Basen organisieren Treffpunkte oder Transfers, doch für Landtauchgänge und eine flexible Inselreise ist ein Mietwagen praktisch. Kläre vor der Buchung, wer Ausrüstung transportiert und wie der Zugang zum Spot erfolgt.
Wie viele Tauchtage sollte ich einplanen?
Für einen ersten Eindruck sind zwei bis drei Tauchtage sinnvoller als ein einzelner Termin. So kann die Basis bei ungünstigen Bedingungen ausweichen, und du erlebst mehr als nur eine Küstenzone. Lass vor Flug oder Bergtour genügend Oberflächenzeit.
Mein Fazit zum Tauchen auf Gran Canaria
Gran Canaria hat mich nicht mit tropischer Farbenpracht überzeugt, sondern mit Kontrasten: dunkler Fels, heller Sand, Schwärme im Blau und Wracks vor einer kargen Küste. Der Atlantik macht den Tauchurlaub spannender, aber auch weniger planbar. Genau diese Mischung ist die Stärke der Insel – sofern du sie nicht kleinredest.

Ich würde wieder im Süden oder Südwesten starten und danach gezielt einen zweiten Küstenbereich ergänzen. Entscheidend wäre für mich heute eine Basis, die den Plan ohne Zögern ändert, wenn Seegang, Strömung oder Erfahrung der Gruppe nicht passen. Welcher Tauchplatz auf Gran Canaria ist dir besonders in Erinnerung geblieben?
Verwendete Quellen
- Offizielle Tourismusorganisation Gran Canaria: Tauchführer und autorisierte Center (abgerufen am 30. Juli 2026)
- Offizieller Tauchführer: El Cabrón (abgerufen am 30. Juli 2026)
- Offizieller Tauchführer: Baja de Pasito Blanco (abgerufen am 30. Juli 2026)
- Angel Shark Conservation Network: Canary Islands (abgerufen am 30. Juli 2026)
- DAN Europe: Safety Rules (abgerufen am 30. Juli 2026)
- Eigene Tauchgänge und Vor-Ort-Erfahrungen im Süden und Südwesten Gran Canarias.

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