Reiseblog oder Travel Vlog? Welches Format passt zu dir?

by Sascha Tegtmeyer | Feb. 16, 2025

Du möchtest von deinen Reisen erzählen und überlegst, ob ein Reiseblog oder ein Travel Vlog besser zu dir passt? Vielleicht schreibst du gern über kleine Beobachtungen und hältst Eindrücke in Fotos fest. Vielleicht möchtest du lieber die Kamera mitnehmen, Geräusche aufnehmen und im Video zeigen, was dich unterwegs beschäftigt. Beides bietet Raum für persönliche Geschichten und hilfreiche Tipps.

Titelfoto: Sascha Tegtmeyer

Für deine Entscheidung zählt auch die Arbeit dahinter: Hast du mehr Freude am Schreiben und Überarbeiten oder am Filmen, Vertonen und Schneiden?

Ein Reiseblog passt zu dir, wenn du gern schreibst, recherchierst, ordnest und konkrete Fragen ausführlich beantwortest. Ein Travel Vlog ist stärker, wenn Atmosphäre, Bewegung, Stimme und Persönlichkeit den Kern deiner Geschichte bilden. Möchtest du langfristig eine eigene Reisemarke aufbauen, können sich beide ergänzen: Auf der eigenen Website sammelst du Texte, Fotos und Videos; ein Videokanal bietet einen weiteren Weg zu deinem Publikum.

Wie eine dauerhaft aufgebaute Basis aus Texten, Fotos und Planungshilfen aussehen kann, siehst du auf Just Wanderlust.

Beginne am besten mit einem Format. Websitepflege, Schreiben, Bildauswahl und Videoschnitt brauchen jeweils Zeit. Wenn du zunächst einen Ablauf kennenlernst, kannst du besser einschätzen, wie viel daneben noch in deinen Alltag passt.

Reiseblog oder Travel Vlog im direkten Vergleich

KriteriumReiseblogTravel Vlog
Größte StärkeTiefe, Struktur, AktualisierbarkeitNähe, Atmosphäre, Bewegung
Typischer InhaltGuides, Routen, Vergleiche, ErfahrungsberichteReisegeschichten, Rundgänge, Erlebnisse, visuelle Reportagen
ArbeitsschwerpunktRecherche, Schreiben, Fotos, RedaktionDreh, Ton, Auftreten, Schnitt
Eigene PlattformJa, auf der eigenen DomainMeist nur ergänzend; Hauptkanal oft YouTube oder Social Media
ReichweitenwegSuche, Empfehlungen, interne Links, NewsletterPlattform-Suche, Empfehlungen, Abos, Social Feeds
KostenlogikLaufende Websitekosten plus viel RedaktionszeitGünstiger Start möglich, steigende Kosten für Ton, Speicher und Kameratechnik
KorrekturenAbsätze lassen sich jederzeit aktualisierenVeraltete Aussagen sind in fertigen Videos schwerer zu ersetzen
Austausch mit dem PublikumZum Beispiel über Kommentare, E-Mail oder NewsletterZum Beispiel über Kommentare, Abos oder Livechats
StartausrüstungDomain, Website, Laptop oder Tablet, Kamera oder SmartphoneSmartphone oder Kamera, Mikrofon, Stativ, Speicher, Schnittsoftware
MonetarisierungWerbung, Affiliate-Links, Kooperationen, eigene AngebotePlattformwerbung, Kooperationen, Affiliate-Links, Mitgliedschaften
Passt besonders zuErklärern, Schreibern, Rechercheurenvisuellen Erzählern, Moderatoren, Filmern

Die Tabelle zeigt unterschiedliche Schwerpunkte: Im Blog arbeitest du vor allem mit Text und Fotos, im Vlog mit bewegten Bildern und Ton. Beide können eine Reise anschaulich erzählen und bei der Planung helfen. Entscheidend ist, welche Arbeit dir mehr liegt.

Der wichtigste Unterschied: Wann findet die eigentliche Arbeit statt?

Beim Bloggen kannst du das Erleben und die Produktion stärker voneinander trennen. Du bist unterwegs, beobachtest, fotografierst, sammelst Belege und hältst Details fest. Später setzt du dich hin und machst daraus eine Geschichte oder einen Ratgeber. Gute Notizen und Journaling helfen dir, Gerüche, Geräusche, Preise, Wege, Fehler und kleine Beobachtungen nicht zu verlieren. Ein ordentlich geführtes Reisetagebuch ist dafür oft wertvoller als noch ein weiteres Objektiv.

Beim Vloggen musst du Bild und Ton bereits während der Aufnahme im Blick behalten. Dabei stellen sich zum Beispiel diese Fragen:

  • Ist der Ton brauchbar?
  • Habe ich eine Totale, Details und Übergänge?
  • Muss ich den Satz noch einmal sprechen?
  • Ist der Akku voll?
  • Darf ich die Menschen im Hintergrund zeigen?
  • Habe ich überhaupt erklärt, warum dieser Ort wichtig ist?

Für solche Aufnahmen brauchst du unterwegs Aufmerksamkeit und Zeit. Überlege deshalb vorher, welche Szenen dir wichtig sind und wann die Kamera in der Tasche bleiben darf.

Probiere aus, ob du gern mit der Kamera unterwegs bist oder deine Eindrücke lieber später in Ruhe aufschreibst. So findest du heraus, welche Arbeitsweise zu dir passt. Auch für Fotos und Notizen solltest du Zeit einplanen.

Reiseblog: stark bei Tiefe, Orientierung und langfristigem Nutzen

Ein Reiseblog kann persönliche Erinnerungen, schöne Fotos und praktische Hinweise verbinden. Wie unterschiedlich das aussehen kann, zeigt meine Auswahl lesenswerter Reiseblogs. Möchtest du anderen bei der Reiseplanung helfen, ergänze deine Eindrücke um konkrete Erfahrungen und nachvollziehbare Empfehlungen.

Du kannst in einem Artikel eine Route erklären, verschiedene Küstenabschnitte vergleichen, Hotelpreise einordnen, Karten ergänzen, Alternativen nennen und persönliche Erfahrungen sauber vom allgemeinen Rat trennen. Leser können direkt zu dem Abschnitt springen, den sie brauchen. In meinem Mallorca-Reisebericht stehen zum Beispiel persönliche Erinnerungen neben Hinweisen zu unterschiedlichen Reisestilen. Videos können ebenfalls gezielt zugänglich sein: Auf YouTube helfen Kapitel dabei, einzelne Abschnitte wiederzufinden.

Sascha Tegtmeyer steht mit Sonnenbrille und geschlossenem Laptop am Pool.
Sascha am Pool, der Laptop ist geschlossen. Foto: Sascha Tegtmeyer

Was für einen Reiseblog spricht:

Du gestaltest deine eigene Website. Auf einer eigenen Domain kannst du dein redaktionelles Archiv aufbauen und über Struktur, interne Links, Darstellung und Angebote entscheiden. Du bist damit weniger an die Vorgaben eines einzelnen Social-Media-Kanals gebunden. Abhängigkeiten bleiben, etwa von Hosting, Software und anderen genutzten Diensten.

Du kannst sehr präzise werden. Texte eignen sich hervorragend für Zahlen, Adressen, Routen, Checklisten, Tabellen, Vor- und Nachteile sowie differenzierte Einordnungen. Besonders bei komplexen Reiseentscheidungen ist das ein echter Vorteil.

Gute Beiträge lassen sich weiterentwickeln. Ein veralteter Preis, eine neue Verkehrsverbindung oder eine veränderte Einreiseregel kann im Artikel korrigiert werden. Der Text bleibt dieselbe Ressource und wird mit der Zeit besser.

Leser bestimmen das Tempo. Sie überfliegen, vertiefen, speichern oder vergleichen. Das ist bei Planungsinhalten oft angenehmer als ein linear laufendes Video.

Du musst nicht permanent vor die Kamera. Persönlichkeit entsteht auch durch Haltung, Auswahl, Sprache, eigene Fotos und ehrliche Erfahrung. Gerade ruhigere oder introvertierte Menschen können schriftlich sehr präsent sein.

Wo ein Reiseblog anstrengend wird:

Ein Blog braucht laufende Pflege. Die Website muss technisch funktionieren, Beiträge müssen recherchiert, geschrieben, bebildert, redigiert und später aktualisiert werden. Dazu kommen Bildbearbeitung, interne Verlinkung, rechtliche Seiten, Datensicherung und die Verteilung der Inhalte.

Für Leser wird ein Beitrag besonders hilfreich, wenn er konkrete Fragen beantwortet und eigene Erfahrungen nachvollziehbar macht. Dazu gehören sorgfältig geprüfte Details, gute Bilder und begründete Empfehlungen. Eine bestimmte Textlänge oder ein Keyword in der Überschrift sichert dir keine Sichtbarkeit in Suchmaschinen.

Ein Reiseblog passt besonders zu dir, wenn du gern erklärst, sorgfältig arbeitest und Freude daran hast, aus vielen Einzelbeobachtungen ein belastbares Ganzes zu bauen.

Travel Vlog: stark bei Atmosphäre, Persönlichkeit und sichtbarer Erfahrung

Ein Travel Vlog – also ein Reisevlog – zeigt nicht nur, wie ein Ort aussieht. Er zeigt Bewegung, Geräusche, Abstände, Stimmung und Reaktionen. Das Rauschen am Strand, die Enge eines Hotelzimmers, der Betrieb auf einem Markt oder der Verlauf eines Wanderwegs lassen sich im Video anschaulich vermitteln.

Ein Strandurlaub in Thailand lebt visuell von Licht, Wasser, Booten, Straßenküchen und Atmosphäre. Bei einem Thema wie Joggen am Strand kann ein Video zeigen, wie die Füße im Sand einsinken, wie die Laufbewegung aussieht und wo sich der Untergrund verändert. Das ist mit Text möglich. Mit bewegten Bildern ist es oft schneller verständlich.

Was für einen Travel Vlog spricht:

Video lässt Stimme und Bewegung hörbar und sichtbar werden. Wenn du selbst im Bild bist, kommen Mimik und Reaktionen hinzu. So können Zuschauer einen persönlichen Eindruck von dir bekommen.

Abläufe lassen sich zeigen statt beschreiben. Hotelrundgänge, Wege, Ausrüstung, Tauchbasen, Wanderungen oder Verkehrssituationen profitieren davon, dass Zuschauer tatsächlich sehen, was passiert.

Auf dem Display eines Smartphones ist Sascha Tegtmeyer mit seiner Kamera zu sehen; dahinter liegt ein Hotelgarten.
Ein Smartphone im Hotelgarten; auf dem Display ist Sascha mit seiner Kamera zu sehen. Foto: Sascha Tegtmeyer

Ein starker Vlog kann gleichzeitig informieren und unterhalten. Gute Reisevideos verbinden eine klare Frage mit einer Geschichte. Auch ruhige Landschaftsaufnahmen und Musik können dazu beitragen, wenn sie zur Geschichte passen.

Du kannst Rückmeldungen auswerten. Kommentare und die Daten zur Zuschauerbindung auf YouTube geben Hinweise darauf, welche Stellen Interesse wecken oder übersprungen werden. Gerade bei wenigen Aufrufen solltest du daraus noch keine weitreichenden Schlüsse ziehen.

Wo ein Travel Vlog anstrengend wird:

Der Aufwand wird gern unterschätzt. Du brauchst nicht zwingend teure Technik, aber du brauchst brauchbaren Ton, genügend Speicher, Energie, eine klare Geschichte und Zeit für den Schnitt. Eine Stunde Material kann erstaunlich wenig fertiges Video ergeben.

Wenn du deine Videos auf YouTube, Instagram, TikTok oder anderen Netzwerken veröffentlichst, gelten deren Regeln und technische Möglichkeiten. Suche und Empfehlungen können Menschen zu deinen Videos führen; wie oft das geschieht, kannst du nicht selbst bestimmen. Sichere deshalb deine Originaldateien und halte auch außerhalb eines einzelnen Kanals Kontakt zu deinem Publikum.

Auch Aktualisierungen solltest du mitdenken. Auf YouTube kannst du etwa die Beschreibung ändern oder Passagen herausschneiden. Eine neu bearbeitete Videodatei lässt sich dort jedoch nicht unter derselben Video-URL austauschen. Einen Absatz auf deiner Website kannst du dagegen direkt überarbeiten.

Und nein: Du musst nicht zwingend ständig dein Gesicht zeigen. Ein Travel Vlog kann mit Off-Kommentar, Point-of-View-Aufnahmen, Interviews, Karten, Texttafeln oder beobachtenden Szenen funktionieren. Entscheidend ist nicht dein Gesicht. Entscheidend ist eine erkennbare Perspektive.

Ein Travel Vlog passt besonders zu dir, wenn du in Szenen denkst, gern sprichst, visuell arbeitest und auch nach der Reise noch Lust auf Auswahl, Schnitt und Tonbearbeitung hast.

Meine Einordnung nach Jahren mit Text, Fotos und Video

Ich habe Just Wanderlust 2016 als Reiseblog gegründet. Der Blog ist bis heute die Basis: ein eigenes Archiv, in dem Erfahrungen, Reiseberichte, Tests und Ratgeber miteinander verbunden werden können.

Ich habe unterwegs in Zügen und auf Flügen geschrieben, Fotos sortiert und Videos am Laptop geschnitten. Dabei ist mir ein Unterschied immer deutlicher geworden: Beim Schreiben kann ich meine Eindrücke ordnen; im Video bleiben auch Bewegung und Stimmen erhalten.

Ein Artikel zwingt mich, eine Reise zu durchdringen. Was war wirklich wichtig? Welche Empfehlung trägt? Wo lag ich vorher falsch? Ein Video bewahrt dagegen Bewegungen, Stimmen und Situationen, die sich später nicht vollständig rekonstruieren lassen.

Deshalb sehe ich Reiseblog und Travel Vlog nicht als Gegner. Ich würde nur nicht beide Formate gleich behandeln. Für mein Projekt ist eine klare Reihenfolge hilfreich:

  1. Die eigene Website ist das Zuhause.
  2. Video erweitert Erfahrung und Reichweite.
  3. Social Media verteilt einzelne starke Momente.
  4. Ein Newsletter hält den direkten Kontakt.

Das ist kein Naturgesetz. Wer eindeutig stärker vor der Kamera ist, kann auch vom Video aus denken. Der entscheidende Punkt bleibt: Baue nicht dein gesamtes Projekt auf einem einzigen fremden Kanal auf.

Welches Format passt zu welchem Inhalt?

Inhalt oder ZielBesseres HauptformatWarum?
Destination Guide mit PlanungstippsReiseblogViele Details, Sprungmarken, Karten und Aktualisierungen
Hotelrundgang oder KabinenbesichtigungTravel VlogRaumgefühl, Geräusche und Wege werden sichtbar
Persönlicher ReiseberichtBeidesText liefert Reflexion, Video bewahrt Szenen
Route mit Etappen und KostenReiseblogZahlen und Varianten lassen sich sauber vergleichen
Atmosphäre eines Markts oder FestivalsTravel VlogTon, Bewegung und Stimmung tragen den Inhalt
AusrüstungstestBeidesArtikel für Daten und Einordnung, Video für Handhabung
Kurze InspirationKurzvideoSchneller visueller Eindruck
Langfristige NischenautoritätReiseblog plus VideoEigene Wissensbasis trifft auf sichtbare Persönlichkeit
Sascha Tegtmeyer sitzt mit einem Tablet am Rand eines Holzstegs am Strand im Gegenlicht.
Mit dem Tablet am Strand: Sascha auf einem Holzsteg im Gegenlicht. Foto: Sascha Tegtmeyer

Frag bei jedem Thema: Was möchten deine Leser nachschlagen, was können deine Zuschauer besser im Bild verstehen? Bei einem Hotel können etwa ein Rundgang und eine schriftliche Übersicht zu Lage, Zimmern und Kosten einander ergänzen.

Geld verdienen: Welches Format hat die besseren Chancen?

Mit beiden Formaten sind Einnahmen möglich. Dafür brauchst du ein passendes Angebot, eine erreichbare Zielgruppe und Inhalte, denen Menschen vertrauen können. Eine schöne Reise allein sagt noch nichts darüber aus, ob sich die Arbeit wirtschaftlich lohnt.

Reiseblog:

Ein Reiseblog kann unter anderem über Displaywerbung, Affiliate-Links, bezahlte Kooperationen, eigene Produkte, Beratungsleistungen oder Newsletter-Angebote Einnahmen erzielen. Besonders wertvoll sind Inhalte, bei denen Leser tatsächlich planen und vergleichen: Hotels, Ausrüstung, Routen, Versicherungen, Aktivitäten oder konkrete Reisezeiten.

Der Vorteil liegt nicht automatisch in riesiger Reichweite. Für buchungs- oder kaufbezogene Angebote ist zum Beispiel wichtig, ob du Menschen bei einer konkreten Entscheidung erreichst. Dafür braucht es Vertrauen und sauber gekennzeichnete Empfehlungen.

Travel Vlog:

Bei Videos kommen Plattformwerbung, Kooperationen, Affiliate-Links, Mitgliedschaften, bezahlte Integrationen und eigene Angebote infrage. Für Werbeumsätze über das reguläre YouTube-Partnerprogramm gelten nach aktuellem Stand unter anderem 1.000 Abonnenten sowie entweder 4.000 gültige öffentliche Wiedergabestunden innerhalb von zwölf Monaten oder zehn Millionen gültige öffentliche Shorts-Aufrufe innerhalb von 90 Tagen. YouTube bietet in teilnehmenden Ländern für ausgewählte Fan-Funding- und Shopping-Funktionen einen früheren Einstieg: 500 Abonnenten, drei gültige öffentliche Uploads innerhalb von 90 Tagen sowie entweder 3.000 gültige öffentliche Wiedergabestunden innerhalb von zwölf Monaten oder drei Millionen gültige öffentliche Shorts-Aufrufe innerhalb von 90 Tagen. Wiedergabezeit aus dem Shorts-Feed zählt nicht zu den genannten 4.000 Stunden. Die Schwellen allein garantieren keine Aufnahme; weitere Voraussetzungen gelten und der Kanal wird geprüft. Die jeweils aktuellen Anforderungen stehen direkt in der offiziellen Übersicht zum YouTube-Partnerprogramm und zum erweiterten Partnerprogramm. Stand der genannten Zugangsschwellen: 17. Oktober 2026.

Kooperationen oder Affiliate-Einnahmen können unabhängig davon möglich sein. Auch hier entscheidet nicht allein die Zahl der Aufrufe. Prüfe deshalb, ob Thema, Publikum und das jeweilige Angebot zusammenpassen.

Wähle dein Format auch danach, welche Arbeit du gern regelmäßig machst. Das hilft dir einzuschätzen, ob du neben dem ersten Beitrag auch die nächsten mit Sorgfalt umsetzen möchtest.

Blog und Vlog verbinden: eine Reise, zwei passende Erzählweisen

Wenn du Blog und Vlog verbinden möchtest, kannst du dieselben Notizen, Fotos und Recherchen für beide nutzen. Plane dabei, was der Artikel ausführlich erklären und was das Video zeigen soll. So kannst du vorhandenes Material gezielt weiterverwenden.

1. Vor der Reise: eine Leitfrage festlegen

Nicht „Ich mache Content über Portugal“, sondern beispielsweise:

  • Lohnt sich die Küste für eine Reise ohne Mietwagen?
  • Welcher Ort eignet sich als ruhige Basis?
  • Wie gut funktioniert das Hotel tatsächlich für Familien?
  • Welche Strecke ist für Anfänger machbar?

Eine solche Frage hilft dir, passende Notizen, Fotos und Videoaufnahmen zu sammeln. Lass trotzdem Raum für Beobachtungen, mit denen du vorher nicht gerechnet hast.

2. Vor Ort: wenige, aber gezielte Belege sammeln

Sascha Tegtmeyer hält im flachen Meer ein Smartphone mit beiden Händen im Querformat.
Sascha mit dem Smartphone im flachen Meer – das Gerät hält er im Querformat. Foto: Sascha Tegtmeyer

Für den Blog brauchst du konkrete Details: Wege, Zeiten, Preise, Beobachtungen, Fehler, Alternativen, Fotos und gegebenenfalls Belege. Für den Vlog brauchst du zusätzlich Bewegung und Ton: eine Eröffnungsszene, Übersichten, Details, Abläufe, kurze Einordnungen und einen klaren Abschluss.

Wähle die Aufnahmen danach aus, was du erzählen möchtest. Ein Frühstück kann dazugehören, etwa wenn du das Angebot eines Hotels zeigen willst.

Halte lieber die Momente fest, die eine Aussage tragen. Wenn der Weg zum Strand beschwerlich ist, filme den Weg. Wenn das Zimmer hellhörig ist, erkläre die Situation sachlich. Wenn eine Aussicht spektakulär ist, zeige nicht nur das Panorama, sondern auch, wie man dorthin kommt.

3. Nach der Reise: ein Hauptstück bestimmen

Bist du stärker im Schreiben, entsteht zuerst der ausführliche Artikel. Daraus lassen sich Videoidee, Sprechertext, Kurzclips und Social Posts ableiten.

Denkst du stärker visuell, schneidest du zuerst das Hauptvideo. Transkript und Recherchematerial können anschließend die Grundlage für den Artikel bilden. Überarbeite das Transkript für Menschen, die nachlesen möchten: Ordne die Abschnitte, prüfe die Fakten und ergänze hilfreiche Details. So wird der Artikel auch ohne das Video verständlich.

4. Jedes Format bekommt einen eigenen Job

  • Artikel: vollständige Planung, Details, interne Links, Aktualisierungen
  • Langes Video: Geschichte, Atmosphäre, sichtbare Erfahrung
  • Kurzvideos: einzelne starke Beobachtungen oder praktische Tipps
  • Newsletter: persönliche Einordnung und Rückkehr zur eigenen Website
  • Social Post: Diskussion, Teaser oder eine pointierte Erkenntnis

So können deine Leser und Zuschauer dieselbe Reise aus verschiedenen Blickwinkeln kennenlernen und die Informationen in der für sie passenden Form nutzen.

Dein 30-Tage-Versuch: Blog und Vlog im Alltag ausprobieren

Dieser Vorschlag für 30 Tage ist eine unverbindliche Entscheidungshilfe. Nimm ein Ziel in deiner Umgebung, das du gut erreichen kannst, und probiere dort beide Formate aus. Zeitraum und Umfang kannst du an deinen Alltag anpassen.

  1. Schreibe einen Blogbeitrag zu einer konkreten Frage. Nutze eigene Fotos und Beobachtungen und ergänze die Informationen, die deinen Lesern weiterhelfen.
  2. Produziere zum selben Thema ein Video von ungefähr fünf bis acht Minuten. Mit verständlichem Ton, einer kleinen Geschichte und sichtbaren Belegen.
  3. Schreibe bei beiden Formaten die Arbeitszeit mit. Vorbereitung, Aufnahme, Bearbeitung, Veröffentlichung und Nachpflege.
  4. Bewerte nicht nur Aufrufe. Prüfe Qualität, Freude, Wiederholbarkeit und die Art der Rückmeldung.

Nutze anschließend diese fünf Fragen. Du kannst die Tabelle ausdrucken und die leeren Felder von Hand ausfüllen oder die Fragen in deine Notizen übernehmen. Vergib für jedes Format einen bis fünf Punkte: ein Punkt bedeutet „trifft kaum zu“, fünf Punkte „trifft sehr zu“. Falls noch keine Rückmeldungen vorliegen, lass die letzte Frage vorerst offen.

PrüffrageReiseblogTravel Vlog
Wollte ich nach der Veröffentlichung sofort das nächste Stück machen?
Entspricht das Ergebnis meinen eigenen Qualitätsansprüchen?
Passt der Produktionsaufwand realistisch in meinen Alltag?
Kann ich in diesem Format etwas Eigenes beitragen?
Hat die Rückmeldung der Nutzer zum Ziel des Inhalts gepasst?

Schau dir vor allem an, warum du die Punkte vergeben hast. Die Bewertungen sind subjektiv und sagen weder künftige Reichweite noch Einnahmen voraus. Wenn dir eine Arbeit deutlich mehr Freude macht oder besser in deinen Alltag passt, ist das ein guter Ausgangspunkt für den nächsten Beitrag. Bei ähnlichen Ergebnissen kannst du mit dem Format beginnen, das du leichter regelmäßig umsetzen kannst.

Was du für den Start wirklich brauchst

Minimaler Einstieg für einen Reiseblog

Ein aufgeklappter Laptop liegt auf den Beinen am Strand; dahinter sind Meer und eine felsige Küste zu sehen.
Ein aufgeklappter Laptop am Strand, zwischen Meerblick und Felsen. Foto: Sascha Tegtmeyer

Du brauchst eine eigene Domain, ein verlässliches Hosting, ein Content-Management-System wie WordPress, ein schlichtes mobilfreundliches Design, eine Datensicherung und ein sauberes System für Fotos und Notizen. Dazu kommen grundlegende Analyse- und Datenschutzfunktionen.

Wichtiger als das perfekte Theme ist dein erstes belastbares Themenfeld. Schreib nicht über „die Welt“. Starte mit einem Ort, einer Reiseart oder einem Problem, bei dem du wirklich etwas zu sagen hast.

Minimaler Einstieg für einen Travel Vlog

Zum Start genügt häufig ein gutes Smartphone, ein kleines Stativ, ein brauchbares Mikrofon, eine Powerbank, genügend Speicher und eine Schnittsoftware, mit der du gern arbeitest. Tests und Auswahlhilfen für Reiseausrüstung findest du unter Reise-Gadgets. Für Bildgestaltung und Aufnahmen unterwegs helfen meine Tipps zur Smartphone- und iPhone-Fotografie.

Der Ton ist am Anfang meist wichtiger als die nächste Kamerastufe. Unverständliche Sprache, Windgeräusche und ständig wechselnde Lautstärke machen es schwer, einem Video zu folgen. Eine visuell nicht ganz perfekte Aufnahme kann dagegen immer noch funktionieren.

Zeit und laufende Kosten realistisch einplanen

Beim Blog entstehen laufende Kosten für Domain, Hosting und gegebenenfalls zusätzliche Software. Beim Vlog kannst du mit einem vorhandenen Smartphone sehr günstig beginnen, später aber erstaunlich viel Geld für Mikrofone, Kameras, Speicher, Musiklizenzen und Zubehör ausgeben.

Plane bei beiden Formaten auch deine Arbeitszeit ein. Beim Blog fließt sie in Recherche, Schreiben, Bildauswahl, Redaktion und Aktualisierung. Beim Vlog in Vorbereitung, Dreh, Dateiverwaltung, Sichtung, Schnitt, Ton und Export. Rechne deshalb nicht nur aus, was die Technik kostet. Halte bei deinem 30-Tage-Versuch fest, wie viele Stunden du für ein veröffentlichungsfähiges Ergebnis brauchst.

Drohne, Gimbal, mehrere Objektive und Actionkamera können später sinnvoll sein. Kauf sie erst, wenn du aus einem konkreten Problem heraus weißt, warum du sie brauchst. Prüfe außerdem vor jeder Reise die lokalen Regeln für Drohnen, Aufnahmen und Musikrechte.

Sascha Tegtmeyer sitzt mit Tablet und Stift auf einer Brüstung am Wasser.
Tablet und Stift an der Alster: Sascha an einer Brüstung am Wasser. Foto: Sascha Tegtmeyer

Fünf Fehler, die beide Formate ausbremsen

  1. Du kaufst zuerst Technik und suchst danach eine Geschichte. Gute Ausrüstung löst kein inhaltliches Problem.
  2. Du bleibst zu allgemein. „Meine Reise nach Spanien“ ist noch kein starkes Thema. Eine konkrete Frage ist es.
  3. Du lässt hilfreichen Kontext weg. Auch ein Sonnenuntergang kann eine Reisegeschichte bereichern. Wenn du damit bei der Planung helfen möchtest, ergänze zum Beispiel den Ort, den Zugang und die Bedingungen deiner Aufnahme.
  4. Du startest Blog, YouTube, Instagram, TikTok und Newsletter gleichzeitig. Erst ein tragfähiges Hauptformat, dann die Erweiterung.
  5. Du veröffentlichst und verschwindest. Gute Inhalte brauchen Aktualisierung, Verteilung, Kommentare und eine klare Verbindung zum nächsten Beitrag.

FAQ: Reiseblog oder Travel Vlog?

Lohnt sich ein Reiseblog im Jahr 2026 noch?

Ja – aber nicht als Sammlung austauschbarer Texte. Ein Reiseblog lohnt sich, wenn er eigene Erfahrung, belastbare Planungshilfe, gute Bilder, klare Einordnung und eine erkennbare Stimme bietet. Generische Grundlagen können Nutzer inzwischen an vielen Stellen bekommen. Wertvoll wird dein Beitrag durch das, was nur du belegen, beobachten und sinnvoll verbinden kannst.

Muss ich mich in einem Travel Vlog selbst zeigen?

Nein. Du kannst mit Off-Kommentar, Point-of-View-Aufnahmen, Interviews, Karten, Texteinblendungen und beobachtenden Szenen arbeiten. Wichtig ist, dass deine Erzählweise zum Thema passt und die Zuschauer verstehen, was du zeigen möchtest.

Reicht ein Smartphone zum Starten?

Für beide Formate meistens ja. Ein aktuelles Smartphone kann Fotos, Video, Tonnotizen, Navigation und Veröffentlichung abdecken. Beim Vlog lohnt sich früh ein externes Mikrofon. Beim Blog sind gute Motivauswahl, Bildbearbeitung und verlässliche Datensicherung wichtiger als eine möglichst große Kamera.

Sollte ich zuerst einen Blog oder einen YouTube-Kanal starten?

Starte mit dem Format, in dem du dein Thema am überzeugendsten erklären kannst. Schreibst und strukturierst du gern, beginne mit dem Blog. Denkst und erzählst du in Bildern, beginne mit Video. Möchtest du daraus langfristig ein Geschäft aufbauen, kann eine eigene Website als ergänzende Basis sinnvoll sein. Auch dafür brauchst du Zeit zur Pflege und passende technische Dienste.

Wie oft muss ich veröffentlichen?

So oft, dass du Qualität und Rhythmus dauerhaft halten kannst. Wähle einen Takt, in dem du sorgfältig recherchieren, gestalten und überarbeiten kannst. Eine überschaubare Themenliste hilft dir zu prüfen, ob du auch für die nächsten Beiträge genug Ideen und Material hast.

Womit lässt sich mehr Geld verdienen: Reiseblog oder Travel Vlog?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Entscheidend sind Nische, Zielgruppe, Kaufabsicht, Vertrauen, Reichweite, Produktionskosten und die gewählte Monetarisierung. Prüfe deshalb für dein konkretes Vorhaben, welche Einnahmewege möglich sind und welcher Aufwand damit verbunden ist. Aus dem Format allein lässt sich kein Verdienst ableiten.

Fazit: Womit möchtest du deine nächste Reise erzählen?

Ein Reiseblog oder ein Travel Vlog passt dann zu dir, wenn du dein Thema damit gern und verständlich erzählen kannst.

Frag dich: Womit möchte ich beim nächsten Ausflug anfangen – mit einem Artikel und Fotos oder mit einem Video?

Denkst du in Sätzen, Zusammenhängen und Details, ist der Reiseblog wahrscheinlich deine stärkere Basis. Denkst du in Szenen, Bewegungen und Stimmen, spricht viel für den Travel Vlog. Beides kann später zusammenwachsen: mit Artikeln, Fotos und Videos auf deiner Website und ausgewählten Einblicken auf weiteren Kanälen.

Beginne mit einem überschaubaren Thema, halte deinen Aufwand fest und entscheide danach, was du als Nächstes weiterführen möchtest.

Welches Format reizt dich mehr – und was hält dich bisher vom Start ab? Schreib mir deine Erfahrungen in die Kommentare.

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Über Sascha Tegtmeyer

Reisejournalist, Autor und Gründer von Just Wanderlust

Ich schreibe auf Just Wanderlust aus eigener Reiseerfahrung über Orte, Meer und Outdoor-Abenteuer. Mehr über mich und meine Arbeit.

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