Digitale Reiseplanung mit KI: Was auf meiner Curaçao-Reise wirklich half

by Sascha Tegtmeyer | Okt. 3, 2026

Am ersten Morgen auf Curaçao hatte ich ungefähr fünf Stunden geschlafen und fühlte mich fit. Ich wollte raus, mir die Umgebung ansehen und laufen gehen. ChatGPT hatte mir empfohlen, mich noch einmal hinzulegen und auszuschlafen. Ich zog trotzdem meine Laufschuhe an.

Auf der Anreise hatte mir die KI bereits geholfen. Ich war mit einem ziemlich positiven Eindruck auf Curaçao angekommen und wollte diese Art der Reisebegleitung weiter nutzen. Die Empfehlung an diesem Morgen war für mich nun eine andere Art von Vorschlag: Es ging darum, wie ich meinen Tag verbringen wollte und wie ich mich fühlte. Meine Erfahrungen im September 2026 haben mir genauer gezeigt, welche Unterstützung ich von einer KI möchte und was ich selbst entscheiden muss.

Werbung / Pressereise: Diese Reise wurde von Corendon unterstützt. Die Unterstützung hat keinen Einfluss auf meine Berichterstattung. Ich schildere meine eigenen Erfahrungen und bewerte die vorgestellten Angebote ehrlich und unabhängig.

Gepflasterter Küstenweg zwischen Meer, Pavillon und Sträuchern auf Curaçao
Der Küstenweg auf meiner ersten morgendlichen Laufrunde. Foto: Sascha Tegtmeyer

Auf der Anreise: ChatGPT als Gesprächspartner für unterwegs

Die digitale Reiseplanung ist natürlich Hammer mit ChatGPT Pro. Was mir daran gefiel, war der Austausch: Ich konnte eine Frage stellen, an die Antwort anknüpfen und im Gespräch bleiben, während sich meine Situation unterwegs veränderte. So wurde die KI für mich zu einer Ergänzung meiner Reiseplanung und Urlaubsvorbereitung.

Das habe ich ja das erste Mal in Rostock ausprobiert, als ich dort die Stadttour gemacht habe. Ich zeigte ChatGPT Fotos und fragte nach meiner Umgebung und Möglichkeiten, weiterzugehen. Dieser dialogische Stadtrundgang funktionierte für mich gut und war gewissermaßen der Probelauf für Curaçao. Mir gefiel, dass ich bei einer Rückfrage direkt an das anknüpfen konnte, was mich gerade beschäftigte.

Die eigentliche Anreise führte mich zunächst mit KLM Cityhopper von Hannover nach Amsterdam. Dort folgte der Aufenthalt am Flughafen Schiphol, bevor es mit Corendon weiter nach Curaçao ging. Auch in Amsterdam empfand ich ChatGPT bei der Orientierung und Planung als hilfreiche Begleitung. Der Austausch gehörte für mich zu diesem Reisetag dazu.

Die Flugbuchungen waren bereits organisiert. Meine digitalen Hilfen waren außerdem ziemlich handfest: die KLM-App, die Bordkarte in Wallet, Karten und Fotos. Karten und Bordkarten auf dem Smartphone hatten dabei ihre eigene Aufgabe. Für die Bordkarte öffnete ich Wallet, für die räumliche Orientierung die Karte. ChatGPT ergänzte das durch den Austausch über meine Fragen.

Aus dieser Kombination nehme ich eine klare Regel mit: Eine KI-Antwort muss zu den Unterlagen und zur tatsächlichen Situation passen. Wenn es um einen Flug oder einen konkreten Ablauf am Flughafen geht, schaue ich auf die Informationen der Airline und des Flughafens. Bei Unklarheiten frage ich vor Ort nach. Gerade weil sich ein Gespräch mit der KI so angenehm fortsetzen lässt, möchte ich diesen Abgleich bewusst beibehalten.

Mein Pro-Abo war mein Setup für diese Reise

Ich nutzte ChatGPT Pro und war mit der hilfreichen Begleitung insgesamt sehr zufrieden. Das teure Abo gehörte zu meinem persönlichen Setup. Daraus ergibt sich für mich keine Voraussetzung, die jeder Reisende erfüllen müsste. Welches Abo zu deinen Aufgaben passt, lässt sich aus meiner Reiseerfahrung allein nicht ableiten.

Für meine Entscheidung zählt, ob mir eine Anwendung bei meinen tatsächlichen Aufgaben hilft und welchen Aufwand ich dafür betreiben möchte. Diesen Maßstab lege ich auch an Apple Intelligence auf Reisen an. Ein hilfreiches Ergebnis unterwegs ist für mich aussagekräftiger als eine lange Liste von Funktionen, die ich auf dieser Reise gar nicht brauche.

Tasse Kaffee auf der Terrasse vor dem türkisen Swim-up-Pool
Kaffee auf meiner Terrasse am gemeinsamen Pool. Foto: Sascha Tegtmeyer

Am ersten Morgen: Ich wollte raus und entschied selbst

Nach der Ankunft auf Curaçao ging es um eine ganz andere Art von Frage. Der Rat, nach einer kurzen Nacht noch einmal zu schlafen, war zunächst nachvollziehbar. Ich wollte den Tag ja auch genießen können. Gleichzeitig fühlte ich mich an diesem Morgen fit und hatte Lust, etwas zu entdecken.

Man kann diesen Vorschlag machen, aber ich bin froh, dass ich nicht darauf gehört habe und dass ich dann doch meine Laufschuhe angezogen habe und losgegangen bin.

Beim Laufen am Wasser begegnete ich anderen Sportlern und einer Gruppe, die dort trainierte. Die waren so freundlich zu mir. Menschen grüßten mich, und ich bekam einen ersten Eindruck davon, wie angenehm es sein konnte, auf dieser Insel einfach loszugehen. Im Hotelbett hätte ich diese Begegnungen verpasst.

Für diese Entscheidung brauchte ich mein eigenes Befinden. Ich konnte der KI beschreiben, wie es mir ging; gespürt habe ich es selbst. Die Empfehlung zum Ausruhen war deshalb etwas, das ich abwägen konnte. Dass ich nach dieser kurzen Nacht gern laufen ging, ist allerdings kein allgemeiner Rat, Schlaf zu kürzen oder trotz Erschöpfung Sport zu machen. Es beschreibt diesen einen Morgen und meine Entscheidung in dieser Situation.

Auch im Rückblick würde ich daraus kein grundsätzliches Misstrauen gegenüber KI ableiten. Die hilfreichen Situationen überwogen für mich bei Weitem. Ich möchte mir nur angewöhnen, einen Vorschlag an der Wirklichkeit zu prüfen, bevor ich ihn übernehme. Dazu gehört auf Reisen auch, ob ich gerade überhaupt Lust auf das habe, was mir empfohlen wird.

Unterwegs arbeiten: Die Verbindung hielt mit meinen Plänen nicht mit

Bei der mobilen Verbindung lag das Problem deutlich handfester. Ich hatte mich vorbereitet, eine Holafly-eSIM gekauft und sie schon vor dem Einsatz vor Ort installiert. Ich wollte damit unterwegs online sein und bei Bedarf auch arbeiten können. Gerade weil ich mich bereits mit eSIMs im Ausland beschäftigt hatte, war die Enttäuschung groß, als die Verbindung auf Curaçao zeitweise sehr eingeschränkt war.

Das kostete mich Zeit und Nerven. Erst gegen Ende der Reise wurde die Verbindung nach dem Kontakt mit dem Support einigermaßen brauchbar. Auf einen verlässlich funktionierenden Hotspot für mein MacBook konnte ich mich unterwegs nicht stützen. Ohne brauchbare Datenverbindung konnte ich meine Fragen auch nicht verlässlich mit ChatGPT besprechen.

Im Hotel half mir das WLAN bei der Arbeit. Draußen ließ sich dieselbe Verfügbarkeit nicht voraussetzen. Das war für mich besonders ärgerlich, weil zu einer journalistischen Reise neben den Erlebnissen vor Ort auch die Dokumentation und spätere Aufarbeitung gehören. Eine Anwendung kann mir grundsätzlich sehr gut helfen und in einem bestimmten Moment trotzdem nicht erreichbar sein.

Wer auf Reisen arbeiten möchte, sollte diesen Unterschied bei der Planung ernst nehmen. Für mich heißt das, Arbeiten mit einer notwendigen Datenverbindung um verfügbare Zugänge herum zu planen und unterwegs auch ohne sie Material festhalten zu können. Welche technische Ursache die Holafly-Probleme in meinem Fall genau hatten, kann ich daraus nicht zuverlässig bestimmen.

Doppelbett im The Rif mit Blick durch die Terrassentür auf den Pool
Mein Zimmer im Erdgeschoss – hinter der Terrassentür liegt der gemeinsame Swim-up-Pool. Foto: Sascha Tegtmeyer

Auch ein fertiges Transkript kann falsch sein

Die zweite Schwierigkeit betraf meine Sprachaufnahmen. Ich diktiere Eindrücke, weil ich dabei viel von dem festhalten kann, was mich gerade beschäftigt: was ich gesehen habe, was gut war, was mich enttäuscht hat und wo ich mir noch nicht sicher bin. Bei der späteren Arbeit ist dieses Material wertvoll. Seine automatische Verschriftlichung war auf dieser Reise und bei der Aufarbeitung aber fehleranfällig.

Mit Superwhisper lief die Erkennung je nach Konfiguration unterschiedlich. Die lokale Erkennung bereitete Probleme; bei der Verarbeitung über die Cloud kam die schwache Verbindung hinzu. In älteren Transkripten fanden sich Wiederholungsschleifen, daneben waren Wörter und Namen entstellt. Manche Stellen ließen sich noch einordnen, andere waren so beschädigt, dass ich daraus keine verlässliche Aussage übernehmen konnte.

Das ist meine Erfahrung mit diesen Versuchen, kein Vergleich sämtlicher Konfigurationen oder Versionen. Aus einem falsch erkannten Produktnamen lässt sich ebenso wenig eine technische Erklärung gewinnen wie aus einem unverständlichen Satz. Ich muss zuerst wissen, was tatsächlich gesagt wurde, bevor ich daraus eine Behauptung mache.

Entscheidend war deshalb, dass die Originalaufnahmen lokal erhalten blieben. So ließ sich bei der späteren Aufarbeitung zum gesprochenen Material zurückgehen und das Transkript daran prüfen. Die fehlerhafte Textfassung war dadurch eine bearbeitbare Zwischenstufe. Sie war nicht die einzige verbliebene Aufzeichnung eines Eindrucks oder Gesprächs.

Für mein Arbeiten mit iPhone, iPad und MacBook auf Reisen ergibt sich daraus eine ziemlich praktische Priorität: Zuerst muss die Aufnahme erhalten bleiben. Danach kommen Transkription, Prüfung und die Frage, welcher Text daraus entstehen kann. Ein Ablauf, der unterwegs bei jedem Schritt sofort funktionieren muss, passt schlecht zu einer Reise mit unzuverlässiger Verbindung.

Dabei haben meine Materialien unterschiedliche Aufgaben. Eine eigene Sprachnotiz hält meinen Eindruck fest. Die Aufnahme eines Gesprächs ermöglicht den Abgleich mit dem Gesagten. Ein Foto hilft dabei, einen Ort oder ein sichtbares Detail zuzuordnen. Und eine spätere Recherche kann eine sachliche Frage klären, die vor Ort offenblieb. Wenn ich diese Dinge zusammenführe, muss erkennbar bleiben, welche Aussage worauf beruht.

Schmale gepflasterte Gasse zwischen gelben, roten und türkisfarbenen Häusern
Eine der farbigen Gassen in Willemstad. Foto: Sascha Tegtmeyer

Das gilt unabhängig davon, ob am Ende ein Reiseblog-Beitrag oder ein Travel-Vlog entsteht. Ein flüssiger Text allein reicht dafür nicht. Gerade eine gut lesbare Überarbeitung muss ich an den Stellen prüfen, an denen Namen, genaue Aussagen oder meine persönliche Bewertung entscheidend sind. Sprachliche Glätte macht aus einer unklaren Aufnahme noch keinen Beleg.

Was Heliane mir erzählen konnte

Wie wichtig diese Unterscheidung ist, zeigte sich auch bei unserer Stadtführerin Heliane Maas. Mit ihr waren wir in Willemstad und bei weiteren Stationen unterwegs. Da haben wir echt eine Menge gesehen und auch von ihr erfahren. Sie gab uns vor Ort Kontext zur Kunst und zur Geschichte der Insel, der meinen Blick auf das Gesehene erweiterte.

Wandbild einer Ballerina auf mehreren gelben bewohnten Häusern in Otrobanda
Life is a beautiful struggle auf bewohnten Häusern in Otrobanda. Künstler: Sander van Beusekom. Foto: Sascha Tegtmeyer

Ich hatte zunächst angenommen, sie sei irgendwann aus den Niederlanden nach Curaçao gezogen. Im Gespräch erfuhr ich, dass sie auf der Insel geboren wurde. Schon diese Korrektur meiner eigenen Vorstellung gehört für mich zum Wert einer realen Begegnung. Ich lerne jemanden kennen, frage nach und merke dabei auch, wo meine erste Annahme nicht stimmt.

Ihre Erzählungen ließen sich später mit Aufzeichnungen und Recherche weiter bearbeiten. Die Begegnung selbst fand aber vor Ort statt. Wenn ich Heliane zuhöre, entsteht mein Eindruck aus dem gemeinsamen Unterwegssein und dem Gespräch mit ihr. Diesen Teil der Reise möchte ich keiner Anwendung überlassen.

Für die Zukunft der Reiseblogs mit KI ist das für mich ein wesentlicher Punkt. Eine KI kann mir bei der Arbeit mit vorhandenem Material helfen. Die Verantwortung dafür, was ich selbst beobachtet habe, was mir jemand erzählt hat und was ich daraus ableite, bleibt bei mir. Gerade deshalb sind erhaltene Originalaufnahmen so wichtig: Sie ermöglichen es, später noch einmal genauer hinzuhören.

Was ich für meine nächste Reise daraus mitnehme

Aus Curaçao nehme ich einige einfache Regeln mit, die meine digitale Reiseplanung verlässlicher machen sollen. Sie ergeben sich unmittelbar aus den Situationen, in denen mir die Technik geholfen hat oder in denen ich selbst nachsteuern musste.

  1. Vorschläge an Originalquellen prüfen. Bei Buchungen und Reiseabläufen kontrolliere ich entscheidende Angaben anhand der zuständigen Anbieter und meiner Unterlagen. Eine KI kann mir helfen, eine Frage zu verstehen; der Abgleich mit der Quelle gehört für mich dazu.
  2. Wichtige Unterlagen ohne neue Datenverbindung bereithalten. Vor der Abreise möchte ich prüfen, ob ich meine benötigten Dokumente und die vorbereiteten Karten tatsächlich offline öffnen kann. Für aktuelle Änderungen brauche ich weiterhin einen erreichbaren Informationsweg; eine gespeicherte Ansicht aktualisiert sich nicht von selbst.
  3. Aufnahmen zuerst sichern und kontrollieren. Die Originaldatei soll lokal erhalten und abspielbar sein, bevor ich mich auf ein Transkript verlasse. Gerade bei Namen oder Zitaten gehe ich zum gesprochenen Material zurück, wenn die Erkennung unklar ist.
  4. Eigene Eindrücke zeitnah diktieren und als solche behandeln. Ein Erinnerungsdiktat hilft mir, meine Wahrnehmung festzuhalten. Es bleibt meine Rückschau. Was ich gehört habe, was ich selbst denke und was erst eine spätere Recherche ergibt, möchte ich bei der Aufarbeitung auseinanderhalten.
  5. Selbst entscheiden und Raum für Menschen lassen. Der erste Morgen hat mir gezeigt, wie wertvoll eine spontane eigene Entscheidung sein kann. Und von einer Begegnung wie der mit Heliane nehme ich etwas mit, das über einen vorbereiteten Reiseplan hinausgeht.

Mein Fazit: Die KI kommt wieder mit

Ich würde ChatGPT auf einer weiteren Reise wieder nutzen. Die Begleitung bei der Planung und Orientierung hat mir gefallen, und die hilfreichen Situationen überwogen deutlich. Gleichzeitig möchte ich mich unterwegs besser darauf einstellen, dass eine Verbindung ausfallen oder eine Transkription misslingen kann. Die Originale zu erhalten und Entscheidungen selbst zu treffen, gehört für mich deshalb fest dazu.

Meine Entdeckungslust ist wieder da. Das habe ich auf Curaçao beim Losgehen, bei meinen Erkundungen und im Austausch mit Menschen gespürt. Die digitale Reiseplanung darf mir dabei helfen, Fragen zu klären und meine Eindrücke festzuhalten. Aufmerksam für die Insel, die Menschen und mein eigenes Befinden möchte ich selbst bleiben.

Rote Blüten und Palmen vor einem weißen Gebäude in Otrobanda
Blüten vor einem Gebäude in Otrobanda. Foto: Sascha Tegtmeyer

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Reisejournalist, Autor und Gründer von Just Wanderlust

Ich schreibe auf Just Wanderlust aus eigener Reiseerfahrung über Orte, Meer und Outdoor-Abenteuer. Mehr über mich und meine Arbeit.

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