Laufen und Trailrunning auf Curaçao: meine Morgen zwischen Meer, Stadt und Kakteen

by Sascha Tegtmeyer | Sep. 27, 2026

Eine frühe Runde am Meer, ein Stadtrundgang in Laufschuhen und ein Hügeltrail zwischen Kakteen: Auf Curaçao habe ich Laufen und Entdecken auf sehr unterschiedliche Weise verbunden. Besonders geblieben sind die Begegnungen unterwegs – und die Entscheidung, einen Lauf abzubrechen, weil mir fürs Weiterkommen Wasser fehlte.

20. September 2026: Meine erste Küstenrunde am Koredor

An meinem ersten Morgen auf Curaçao stehe ich um sechs Uhr auf. Hinter mir liegt die Anreise mit Corendon über Amsterdam, vor mir der erste volle Tag auf der Insel. Die Nacht im Hotel The Rif war kurz. ChatGPT hat gesagt, ich soll mich noch zwei Stunden aufs Ohr legen.

Werbung / Pressereise: Diese Reise wurde von Corendon unterstützt. Die Unterstützung hat keinen Einfluss auf meine Berichterstattung. Ich schildere meine eigenen Erfahrungen und bewerte die vorgestellten Angebote ehrlich und unabhängig.

Der Vorschlag ist nach einer langen Anreise nachvollziehbar. Ich fühle mich allerdings ausreichend fit und habe Lust, mir die Umgebung anzusehen. Erst sitze ich mit einem Kaffee draußen, dann ziehe ich meine Laufschuhe an und gehe los. Für mich passt das an diesem Morgen; wer nach der Anreise erschöpft ist, muss sich eine frühe Laufrunde nicht als zusätzliche Aufgabe vornehmen.

Am Boardwalk bekomme ich auf mein Grüßen eine Antwort

Vom The Rif aus laufe ich an der Küste entlang, vom Stadtzentrum weg. Mein Weg führt mich auf den Boardwalk im Bereich des Koredor. Dort sind längst andere Menschen unterwegs: Läufer, Spaziergänger und eine Gruppe, die draußen trainiert. Am Wasser wird bereits gebadet. Zwischen den Abschnitten an der Promenade gibt es auch kleine Pfade am Strand, die ich ausprobiere.

Gepflasterter Küstenweg zwischen Meer, Pavillon und Sträuchern auf Curaçao
Der Küstenweg auf meiner ersten morgendlichen Laufrunde. Foto: Sascha Tegtmeyer

Wenn ich laufen gehe, grüße ich halt jeden. Zu Hause habe ich oft genug erlebt, dass darauf keine Antwort kommt. Hier fällt mir das Gegenteil auf. Ich laufe hier diesen Running Track lang und alle grüßen, alle sind freundlich und das ist so toll. Das beschäftigt mich unterwegs fast mehr als die Frage, wie weit ich eigentlich noch laufen möchte.

Ich schaue mir die Küste an, fotografiere und entdecke nach und nach die Umgebung meines Hotels. Unterwegs spreche ich einen Satz ein, der meine Stimmung ziemlich genau trifft: „Oh, das ist etwas, wofür ich lebe, stell ich fest, immer wieder aufs Neue.“ Ich bin an einem neuen Ort und kann mir Zeit nehmen, ihm zu Fuß näherzukommen. Dieser frühe Morgen fühlt sich wie zusätzlich gewonnene Reisezeit an.

Tasse Kaffee auf der Terrasse vor dem türkisen Swim-up-Pool
Kaffee auf meiner Terrasse am gemeinsamen Pool. Foto: Sascha Tegtmeyer

Ein kurzer Schnack mit einem Outdoor-Trainer

Bei der Trainingsgruppe komme ich mit dem Trainer ins Gespräch. Ich erzähle ihm, dass ich als Journalist aus Deutschland hier bin und mich auch fürs Laufen und Krafttraining auf der Insel interessiere. Er erklärt mir, dass man bei seinem offenen Training mitmachen kann. Wir sprechen kurz miteinander, und ich darf ein Foto von ihm machen.

Es ist natürlich noch mal was anderes, wenn man hier lebt und nicht Urlaub macht. Das ist mir schon klar. Dass mir unterwegs so offen begegnet wird, tut mir trotzdem gut. Ich fühle mich auf dieser Runde willkommen.

6,8 Kilometer am frühen Morgen, auch nicht schlecht. So halte ich die Strecke nach meiner ersten Runde fest. Es war ein Lauf an der Promenade mit kleinen Abstechern auf die Pfade am Strand, bei dem auch Zeit für Fotos und Gespräche geblieben ist. Ich bin so zufrieden, dass ich das gemacht habe.

Für mich war das zugleich eine unkomplizierte Möglichkeit, draußen in Bewegung zu bleiben: Die Runde begann an meiner Unterkunft, und unterwegs gab es genug zu entdecken. Wer im Urlaub gern läuft, kann schon bei der Wahl seiner Unterkunft darauf achten, ob sich von dort aus ein geeigneter Weg zu Fuß erreichen lässt.

21. September: Willemstad morgens in Laufschuhen entdecken

Am nächsten Morgen zieht es mich nach Willemstad. Am Vortag habe ich die Stadt bereits mit unserer Gruppe und Stadtführerin Heliane Maas kennengelernt. Jetzt bin ich auf eigene Faust unterwegs und kann mir für die Dinge Zeit nehmen, an denen ich hängen bleibe.

Auch an diesem Morgen trage ich Laufschuhe, aber die Stadt gibt meiner Runde einen anderen Rhythmus. An der Handelskade schaue ich mir die bunten Fassaden an. Unterwegs gehören auch Motive wie ein Esel mit Karren zu meinen Entdeckungen. Ich halte an, fotografiere und sehe mich um. Ein Stadtrundgang in Laufschuhen beschreibt diese Mischung besser als eine durchgehend gelaufene Trainingsrunde.

Sascha läuft an roten und gelben Häusern in Willemstad vorbei
Meine Laufrunde durch Willemstad am frühen Morgen. Foto: Sascha Tegtmeyer
Esel mit Karren als Skulpturengruppe vor Bäumen in Willemstad
Eine Skulpturengruppe mit Esel und Karren auf meinem Weg durch Willemstad. Foto: Sascha Tegtmeyer

Am Floating Market treffe ich Rendy

Am Floating Market komme ich mit Rendy ins Gespräch. Er erzählt mir, dass er aus Venezuela kommt. Wir versuchen, uns mit Englisch und ein paar spanischen Wörtern zu verständigen, was stellenweise ziemlich holprig ist. Ich stelle mich als Journalist aus Deutschland vor und frage, ob ich ihn fotografieren darf. Er ist einverstanden, und ich notiere mir seinen Namen.

Händler Rendy steht vor Obstkisten am Floating Market in Willemstad
Rendy am Floating Market. Er war mit dem Foto einverstanden. Foto: Sascha Tegtmeyer

Ich habe an diesem Morgen kein Geld dabei; das sage ich ihm gleich zu Beginn. Wir unterhalten uns trotzdem. Für mich gehört die Begegnung zu meiner Entdeckungstour, für ihn ist der Markt ein Arbeitsplatz. Dass er sich kurz Zeit für mich nimmt, freut mich.

Die Begegnung mit ihm gehört für mich zu den Dingen, die diesen Stadtmorgen besonders machen. Das Gespräch war kurz und unsere Verständigung begrenzt, aber ich bin froh, stehen geblieben zu sein.

Für eine Runde durch Willemstad würde ich deshalb Zeit zum Schauen einplanen. Sobald mich eine Fassade, ein Detail am Weg oder ein Gespräch interessiert, möchte ich anhalten können. Wer zügig durchlaufen will, wird sich andere Prioritäten setzen als jemand, der wie ich mit dem Handy fotografiert und unterwegs ins Gespräch kommt.

Die Stadt würde ich bei einem weiteren Besuch gern ausgiebiger erkunden. Gerade das Nebeneinander von Willemstad und der nahen Küste hat mir gefallen. Welche dieser Seiten du deiner Reise mehr Raum geben möchtest, ist auch der Ausgangspunkt meines Überblicks zu Curaçao.

Bunte Häuser und Außengastronomie direkt am Wasser der Handelskade
An der Handelskade während meiner morgendlichen Erkundung. Foto: Sascha Tegtmeyer
Bronzene Statue steht vor Palmen und den Mauern des Rif Fort
Statue und Palmen am Rif Fort. Foto: Sascha Tegtmeyer

23. September: Zwischen Kakteen und Eidechsen auf den Hügeltrail

Am 23. September führt mich meine Erkundung in Richtung eines Hügels nahe dem Marriott. Auf der Karte ist er als Veerisberg bezeichnet. Dieser Einstieg in den Trail bei diesem Berg beim Marriott war gar nicht so leicht zu finden. Einen Hinweis darauf finde ich auf der digitalen Karte; vor Ort erschließt sich der Zugang für mich nicht einfach im Vorbeilaufen.

Schmaler Weg durch trockenes Gebüsch vor einem Hügel auf Curaçao
Der trockene, unebene Weg auf meiner Runde. Foto: Sascha Tegtmeyer

Das Gelände wirkt trocken, mit Gebüsch und großen Kakteen. Zwischen den Sträuchern entdecke ich Eidechsen. Hier bin ich in einer ganz anderen Umgebung unterwegs als am Floating Market oder auf der Promenade. Die trockene Landschaft erinnert mich stellenweise eher ans Mittelmeer als an eine üppig grüne Tropeninsel.

Das war eine Mischung aus Wandern und Trailrunning. Ich bewege mich auf den Pfaden den Hügel hinauf, teilweise laufend, teilweise gehend, und schaue mir die Umgebung an. Besonders die riesigen Kakteen und die vielen Eidechsen bleiben mir in Erinnerung. Auf diesem Abschnitt begegne ich keinem anderen Menschen.

Sascha steht auf einem Trail zwischen Kakteen und Sträuchern
Zwischen Kakteen auf meinem Trailrun. Foto: Sascha Tegtmeyer
Schmaler steiniger Trail vor einem Hügel und weitem Wolkenhimmel
Der schmale Weg in Richtung des Hügels. Foto: Sascha Tegtmeyer

Ich drehe um, weil mir Wasser fehlt

Eigentlich wollte ich an diesem Morgen gar nicht so weit laufen. Dann finde ich die Pfade interessant und gehe weiter, als ich ursprünglich vorhatte. Ich hatte kein Wasser dabei. Mit der steigenden Wärme wird für mich klar, dass ich den Weg nach oben unter diesen Bedingungen nicht fortsetzen möchte. Also kehre ich um.

Laufschuhe auf felsigem Boden zwischen Steinen und Wurzeln
Meine Laufschuhe auf dem felsigen Untergrund. Foto: Sascha Tegtmeyer
Felsiger Weg führt am Hang über die trockene Landschaft auf Curaçao
Felsiger Untergrund auf meiner eigenen Erkundung. Foto: Sascha Tegtmeyer

Beim Laufen mit der Apple Watch zeichne ich meine Runden auf; die Aufnahme dieses Morgens zeigt 3,88 Kilometer. Bis auf den Gipfel bin ich nicht gekommen; den vollständigen Aufstieg kann ich dir deshalb nicht aus eigener Erfahrung beschreiben.

Hügel, niedrige Häuser und grüne Sträucher unter weitem Himmel auf Curaçao
Ausblick über Hügel und Wohngebiete. Foto: Sascha Tegtmeyer

Da würde ich gerne weiter hochlaufen. Bei einem weiteren Besuch würde ich dafür den Zugang und den Rückweg genauer vorbereiten, Wasser mitnehmen und früh starten. Aus dem Wunsch, noch etwas zu entdecken, darf unterwegs keine Verpflichtung werden, immer weiterzugehen. An diesem Morgen war die Umkehr die passende Entscheidung.

Wer bisher vor allem auf befestigten Wegen läuft und mit dem Trailrunning anfangen möchte, sollte sich für den Einstieg eine überschaubare, gut vorbereitete Runde aussuchen. Gehpassagen dürfen dabei genauso dazugehören wie bei meinem Ausflug.

Industrieanlagen und Schornsteine stehen zwischen Wohngebieten auf Curaçao
Auch Industrie und Wohngebiete gehören zum Blick von den Wegen. Foto: Sascha Tegtmeyer

Küste, Stadt oder Naturpfad: Was passt zu deinem Urlaub?

Die drei Morgen haben mir unterschiedliche Dinge ermöglicht. An der Küste konnte ich laufen und Menschen begegnen, in Willemstad in meinem eigenen Tempo schauen und sprechen, am Hügel Gelände und Vegetation kennenlernen. Für meinen Aktivurlaub ist gerade diese Abwechslung reizvoll. Ich muss dafür keine möglichst lange Strecke aus jeder freien Stunde herausholen.

  • Locker laufen und am Meer unterwegs sein
    So würde ich die Runde anlegen: Einen überschaubaren Küstenabschnitt wählen, wie ich ihn am Boardwalk/Koredor erlebt habe
    Worauf ich besonders achten würde: Zugang, aktuellen Wegzustand und einen gut einschätzbaren Rückweg prüfen
  • Willemstad genauer kennenlernen
    So würde ich die Runde anlegen: Eine Runde mit Gehpassagen, Fotostopps und Zeit für Begegnungen planen
    Worauf ich besonders achten würde: Den Stadtbesuch nicht mit einer festen Trainingsdistanz überfrachten
  • Auf Naturpfaden unterwegs sein
    So würde ich die Runde anlegen: Einen bekannten, zum eigenen Können passenden Trail vorbereiten
    Worauf ich besonders achten würde: Zugang, Untergrund, Wasservorrat und Umkehrpunkt vorab klären

Meine Checkliste fürs Laufen auf Curaçao

Aus den guten Momenten und dem abgebrochenen Hügelversuch nehme ich einige sehr konkrete Dinge für die nächste Reise mit. Vor dem Losgehen würde ich diese Punkte durchgehen:

  • Früh starten und das eigene Befinden beachten. Je früher ich unterwegs war, desto angenehmer empfand ich das Laufen. Bei späterem Start und höher stehender Sonne wurde es für mich anstrengender. Ich würde deshalb früh losgehen, wenn ich mich ausreichend erholt fühle, und dabei Wetter, Sichtverhältnisse und die Bedingungen vor Ort beachten.
  • Wasser tatsächlich mitnehmen. Am Hügel hatte ich zu wenig vorbereitet, weil ich ursprünglich nur eine kürzere Runde vorhatte. Beim nächsten Mal gehören eine gefüllte Flasche oder ein geeigneter Trinkrucksack von Anfang an dazu. Auf eine Einkaufsmöglichkeit unterwegs würde ich mich bei einem unbekannten Trail nicht verlassen. Wenn das Wasser für die geplante Fortsetzung nicht reicht, verkürze ich die Runde oder kehre um.
  • Schuhe und Kleidung nach dem Untergrund auswählen. Für die Stadt und die Promenade würde ich gut sitzende Laufschuhe einpacken; für Naturpfade Schuhe, mit deren Halt und Profil ich vertraut bin. Dazu kommen leichte Laufkleidung und Sonnenschutz. Die Ausrüstung sollte zu dem Weg passen, den ich wirklich vorhabe, einschließlich möglicher Gehpassagen.
  • Die Orientierung vorab offline sichern. Auf dieser Reise hatte ich Probleme mit meinem mobilen Internet. Deshalb würde ich einen benötigten Kartenausschnitt vorher speichern und ohne Verbindung testen, ob er sich tatsächlich aufrufen lässt. Die Unterkunft und der Rückweg sollten erkennbar sein. Bei meinen Tipps zu Karten und Orientierung auf Reisen geht es auch darum, vorab zu prüfen, was in der gewählten App und Region offline verfügbar ist. Ein eingezeichneter Pfad allein sagt noch nicht, ob der Weg vor Ort zugänglich und für mich geeignet ist.
  • Die Sportuhr für die Vorbereitung nutzen. Wer wie ich gern mit einer Uhr unterwegs ist, kann sich vor der Reise mit den verfügbaren Karten- und Orientierungsfunktionen vertraut machen. Mein Setup für die Apple Watch Ultra beim Trailrunning beschreibt, wie ich das angehe und welche Grenzen die Technik hat. Aufgezeichnete Kilometer ersetzen weder den Blick auf den Weg noch die Entscheidung, rechtzeitig umzukehren.
  • Umkehrpunkt, Rückweg und Tagesprogramm zusammen planen. Zur Runde gehören auch der Weg zurück, mögliche Fotostopps und Zeit zum Frischmachen. Gerade vor einem geplanten Ausflug würde ich dafür eine Reserve lassen. Bei der Reiseplanung lohnt es sich, solche Zwischenzeiten mitzudenken. Ich möchte einen schönen Morgen draußen haben und anschließend ohne Hetze in den weiteren Tag starten.

Was ich von diesen Morgen mitnehme

Meine Entdeckungslust ist wieder da. Das war einer der Gedanken, mit denen ich von Curaçao zurückgekommen bin. Die Laufschuhe haben dabei eine ziemlich praktische Rolle gespielt: Ich konnte vom Hotel aus losgehen, an der Küste Menschen treffen, Willemstad selbst erkunden und mich auf die Pfade zwischen den Kakteen wagen.

Für mich gehört auch das zum Verlassen der Komfortzone auf Reisen: jemanden ansprechen, sich eine unbekannte Umgebung genauer ansehen und offen genug bleiben, den eigenen Plan unterwegs zu ändern. Am Hügel hieß diese Änderung, umzukehren. Die Neugier auf den Weg ist mir trotzdem geblieben.

Cappuccino mit einem Herz aus Milchschaum auf einem dunklen Tisch
Ein Cappuccino nach meiner morgendlichen Runde. Foto: Sascha Tegtmeyer

Bei einer nächsten Reise würde ich wieder früh hinausgehen, wenn ich mich fit fühle. Für Willemstad würde ich mir mehr Zeit nehmen; den Hügeltrail würde ich mit geklärtem Zugang, einem realistischen Rückweg und Wasser erneut angehen. Die freundlichen Grüße auf meiner ersten Küstenrunde sind ein guter Grund, die Laufschuhe wieder einzupacken.

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Reisejournalist, Autor und Gründer von Just Wanderlust

Ich schreibe auf Just Wanderlust aus eigener Reiseerfahrung über Orte, Meer und Outdoor-Abenteuer. Mehr über mich und meine Arbeit.

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