Schnorcheln in Florida: meine Erfahrungen zwischen Naples und den Keys

by Sascha Tegtmeyer | Juli 19, 2026

Der Delfin war nicht der Plan. Ich war am Naples Pier mit Maske und Schnorchel im Wasser, als ein wildes Tier unerwartet in derselben Küstensituation auftauchte. Ich hatte keine Tour gebucht, war dem Delfin nicht gezielt entgegengeschwommen und versuchte auch nicht, eine Reaktion zu provozieren. Die Begegnung passierte, weil ich bereits im Meer war.

Aus heutiger Sicht ist genau das die wichtigste Einordnung dieser Erinnerung: Eine zufällige Annäherung des Tieres lässt sich nicht rückgängig machen. Das eigene Verhalten lässt sich sehr wohl steuern. NOAA empfiehlt, von wilden Delfinen mindestens 50 Yards Abstand zu halten, ihnen nicht hinterherzuschwimmen und weder Fütterung noch Interaktion anzubahnen. Die Florida Fish and Wildlife Conservation Commission rät ebenfalls davon ab, mit wilden Delfinen zu schwimmen oder sie zu füttern, weil solche Kontakte ihr natürliches Verhalten verändern und für Menschen wie Tiere gefährlich werden können. Taucht ein Delfin unerwartet auf, schwimmst du ihm deshalb nicht entgegen, blockierst seinen Weg nicht und verlängerst die Begegnung nicht künstlich. NOAA Fisheries und Florida Fish and Wildlife Conservation Commission

Bei diesem Schnorchelgang setzte ich außerdem zum ersten Mal mein damals neues, wasserresistentes iPhone im Meer ein. Das fühlte sich seinerzeit nach einem kleinen technischen Durchbruch an: Ein Telefon musste am Wasser nicht mehr zwangsläufig in einer trockenen Tasche bleiben. Zur Delfinbegegnung liegt mir jedoch keine zweifelsfrei verifizierte Unterwasseraufnahme vor. Das Smartphone gehört deshalb zur Erinnerung, nicht zum Beweis.

Ein älterer eigener Text verkürzte die Szene später auf die Formulierung, wir hätten in Naples „mit Delfinen geschnorchelt“. Das klingt aktiver und planbarer, als die Begegnung tatsächlich war. Präziser ist: Ich schnorchelte in Naples, als ein wilder Delfin auftauchte. Diese Unterscheidung ist keine sprachliche Haarspalterei. Sie entscheidet darüber, ob ein Tier als überraschender Teil der Natur oder als buchbare Attraktion erscheint.

Meine Einordnung vorweg: Wer beim Schnorcheln in Florida einen planbaren Tag an einem Korallenriff sucht, sollte ihn in den Florida Keys organisieren – meist mit Boot, lokaler Einweisung und einem Anbieter, der den Tauchplatz nach den tatsächlichen Bedingungen auswählt. An der Golfküste rund um Naples kann ein Schnorchelgang vom Strand reizvoll sein. Er bleibt aber eine spontane Küstenerfahrung, deren Sicht, Wasserqualität und Tierbegegnungen sich kaum verlässlich planen lassen.

Was ich selbst erlebt habe – und was ich heute recherchiere

Sascha Tegtmeyer an einer tropischen Küste in Florida
Das Bild belegt meine Florida-Reise und den Küstenkontext, nicht die zufällige Delfinbegegnung am Naples Pier. Foto: Luisa Praetorius

Ich kenne Naples aus eigener Schnorchelerfahrung. Die Grundlagen zu Ausrüstung und Sicherheit bündele ich in meinem Ratgeber zum Schnorcheln im Urlaub. Ich bin außerdem durch die Florida Keys gefahren, habe den Overseas Highway bis Key West bereist und die Region selbst fotografiert. Ein bestimmtes Riff in den Keys kann ich dagegen nicht als ausführlich selbst getesteten Schnorchelplatz ausgeben.

Genau deshalb trenne ich in diesem Beitrag drei Ebenen:

  • Eigene Erfahrung: der Schnorchelgang in Naples und die zufällige Delfinbegegnung.
  • Eigene Reiseerfahrung an Land: der Weg über die Keys bis Key West.
  • Aktuelle Entscheidungsrecherche: konkrete Schnorchelreviere, Schutzregeln, Meerbedingungen und der veränderliche Zustand der Riffe nach Angaben von NOAA und weiteren offiziellen Stellen.

Diese Grenze nimmt dem Artikel nichts. Sie macht ihn belastbarer. Ein persönlich bereister Archipel ist noch kein persönlich getestetes Riff.

Naples und die Florida Keys im direkten Vergleich

Naples und die Keys liegen beide in Florida und haben beide Meer vor der Tür. Als Schnorchelreviere erfüllen sie trotzdem unterschiedliche Aufgaben.

KriteriumNaples und Floridas GolfküsteFlorida Keys
ZugangSchnorcheln vom Strand oder in unmittelbarer Küstennähe ist grundsätzlich möglich; aktueller Zugang, Sperrungen und Wasserlage müssen vor Ort geprüft werden. Meine damalige Szene am Naples Pier ist kein aktueller Zugangstipp.Die bekannten NOAA-Reviere liegen überwiegend vor der Inselkette und werden normalerweise per Boot erreicht. Mooring-Bojen markieren viele geschützte Plätze.
RiffcharakterMeine Erfahrung war eine offene Küstensituation, kein ausführlicher Test eines Korallenriffs. Ein Strandgang sollte nicht mit einem planbaren Rifftag verwechselt werden.Patch Reefs, flache Riffbereiche und äußere Spur-and-Groove-Strukturen. Die Reviere unterscheiden sich deutlich nach Lage, Tiefe, Exposition und aktuellem Zustand.
Boot erforderlich?Für einen einfachen Küstengang nicht zwingend. Ein vorhersehbarer Riffausflug entsteht daraus aber nicht automatisch.Für die nachfolgend genannten NOAA-Reviere in der Regel ja.
BedingungenRed Tide, bakterielle Badehinweise, Wind, Wellen, Gewitter, Bootsverkehr und die tatsächlich sichtbare Wasserlage entscheiden.Marine Forecast, Wind, Wellen, Strömung und die tagesaktuelle Platzwahl des Anbieters entscheiden.
SichtStark veränderlich und nicht seriös im Voraus zu versprechen.Je nach Platz und Tag gut bis eingeschränkt. NOAA nennt etwa für Sand Key ausdrücklich eine hohe Abhängigkeit von Wind, Wellen und Gezeiten.
StrömungLokal und tagesabhängig. Sie lässt sich nicht aus einer schönen Strandaufnahme ablesen.Von Platz zu Platz verschieden. Geringe Tiefe bedeutet nicht automatisch leichte Bedingungen.
NaturschutzWilde Delfine nicht verfolgen, anlocken, berühren oder füttern. Eine Begegnung nicht verlängern.Divers-down-Flagge, Mooring-Bojen, Korallen- und Sammelverbote sowie die Regeln der jeweiligen Sanctuary Preservation Area beachten.
EvidenzstatusPersönlich erlebt: Schnorcheln in Naples mit zufälligem Auftauchen eines Delfins.Persönlich bereiste Region, aber die konkreten Riffe sind aktuell recherchierte Optionen und keine behaupteten eigenen Tests.
Sinnvollster ReisejobZusatz zu einem Aufenthalt an der Golfküste, wenn die Tageslage stimmt.Geplanter Schnorchel- oder Rifftag mit Wetterpuffer und verantwortungsvollem Anbieter.

Die Bedingungen an der Golfküste werden nicht durch eine einzige Seite abgebildet: FWC informiert über Red Tide, das Florida Department of Health über bakterielle Badehinweise und der National Weather Service über Wind, Wellen und Unwetter. In den Keys kommen die Regeln und aktuellen Hinweise des Florida Keys National Marine Sanctuary hinzu. Florida Fish and Wildlife Conservation Commission

Welche Schnorchelreviere in den Keys kommen infrage?

Straßenszene mit Holzhäusern und Fahrrädern in Key West
Key West habe ich selbst bereist. Das Foto belegt den Landaufenthalt auf den Keys, keinen persönlich getesteten Schnorchelspot. Foto: Sascha Tegtmeyer

Die folgenden Plätze stelle ich ausdrücklich als aktuell recherchierte NOAA-Optionen vor. Ich bin durch die Keys bis Key West gereist, habe aber keinen dieser konkreten Plätze als persönlichen Mehrfachtest absolviert.

Key Largo Dry Rocks und Grecian Rocks – flache Optionen vor Key Largo

Key Largo Dry Rocks umfasst flache Bereiche von weniger als 25 Fuß Tiefe. Grecian Rocks reicht nach NOAA bis ungefähr 30 Fuß, wobei Teile des Riffkamms bei Niedrigwasser nahe an die Oberfläche kommen können. An beiden Bereichen befinden sich Mooring-Bojen. Das macht sie zu naheliegenden Kandidaten für einen organisierten Schnorchelausflug ab Key Largo, ersetzt aber weder die Prüfung der aktuellen Strömung noch einen Bericht zum heutigen Korallenzustand. Florida Keys National Marine Sanctuary

Molasses Reef – bekannt, gut erreichbar und stark besucht

Molasses Reef gehört zu den bekannten äußeren Riffen der Upper Keys. NOAA beschreibt die typische Spur-and-Groove-Struktur und weist zugleich darauf hin, dass der Platz leicht erreichbar und entsprechend intensiv genutzt wird. Bekanntheit ist deshalb kein hinreichender Buchungsgrund. Entscheidend ist, ob Wind, See, Besucheraufkommen und aktueller Riffzustand an deinem Tag für diesen Platz sprechen. Florida Keys National Marine Sanctuary

Alligator Reef – eine recherchierte Option für Einsteiger

Teile von Alligator Reef liegen laut NOAA nur ungefähr acht Fuß tief. Lokale Schnorchelboote fahren den Bereich an, und NOAA bezeichnet ihn als geeignet für beginnende Schnorchler und Taucher. Das ist eine sinnvolle Vorauswahl, aber keine pauschale Sicherheitsfreigabe: Auch ein flaches Riff kann bei Strömung, Wellen, schlechter Sicht oder hohem Bootsverkehr ungeeignet sein. Florida Keys National Marine Sanctuary

Sombrero Key und Coffins Patch – zwei Möglichkeiten ab Marathon

Sombrero Key liegt rund vier Meilen vor Boot Key und bleibt überwiegend unter 30 Fuß Tiefe. Coffins Patch befindet sich ungefähr viereinhalb Meilen vor Key Colony Beach und besteht aus mehreren vergleichsweise flachen Patch Reefs. NOAA ordnet beide als bekannte Schnorchel- und Tauchgebiete der Middle Keys ein. Für Reisende mit Basis in Marathon sind sie damit logischer als ein unnötiger Tagestransfer bis Key Largo oder Key West. Florida Keys National Marine Sanctuary

Looe Key – ein großes Ziel in den Lower Keys

Looe Key liegt mehrere Meilen südlich der Lower Keys und wird wegen seiner klassischen äußeren Riffstruktur häufig von Schnorchel- und Tauchbooten angefahren. Das Revier gehört außerdem zu den sieben Flächen des NOAA-Programms Mission: Iconic Reefs. Für die Planung bedeutet das vor allem: Looe Key ist ein eigenständiger Bootstag und kein kurzer Zwischenstopp während einer langen Fahrt über den Overseas Highway. Florida Keys National Marine Sanctuary

Sand Key – die naheliegende Riffoption ab Key West

Sand Key liegt vor Key West und besitzt flache Riffzüge in ungefähr fünf bis 20 Fuß Tiefe. NOAA weist ausdrücklich darauf hin, dass die Sicht abhängig von Wind, Wellen und Gezeiten stark schwanken kann. Wer in Key West wohnt, bekommt damit zwar eine geografisch naheliegende Möglichkeit, aber keine Garantie auf klares Wasser. Florida Keys National Marine Sanctuary

Der bekannteste Name ist nicht automatisch der beste Platz

Historisches Holzhaus und Fahrräder in Key West in Florida
Die Keys gehören zu meiner Florida-Reiseerfahrung. Konkrete Riffe werden im Beitrag dennoch nur als recherchierte Optionen beschrieben. Foto: Sascha Tegtmeyer

Für eine erste Keys-Reise würde ich nicht versuchen, die gesamte Inselkette gleichzeitig als Schnorchelrevier abzuhaken. Wähle eine Basis und lass den Anbieter innerhalb dieser Region den Platz nach den tatsächlichen Bedingungen bestimmen.

Deine BasisSinnvolle recherchierte Auswahl
Key LargoKey Largo Dry Rocks, Grecian Rocks oder Molasses Reef
IslamoradaAlligator Reef
Marathon und Middle KeysSombrero Key oder Coffins Patch
Lower KeysLooe Key
Key WestSand Key

Die Fahrt über den Overseas Highway ist landschaftlich ein Erlebnis. Sie ist aber auch lang. Wer morgens in Miami oder Naples startet, bis Key West fährt, unterwegs anhalten und dann noch einen seriösen Riffausflug unterbringen möchte, baut sich keinen schönen Schnorcheltag, sondern einen Stundenplan mit Meerblick. Für einen geplanten Rifftag würde ich mindestens eine Übernachtung in der passenden Teilregion und einen Wetterpuffer vorsehen.

Alte Riffbeschreibungen sind kein aktueller Zustandsbericht

Der wichtigste Satz auf mehreren NOAA-Seiten zu den Keys steht nicht in der historischen Beschreibung der Korallen. Er steht im Aktualitätshinweis: Die extreme Wärme des Jahres 2023 verursachte in der Region großflächige Bleiche und Korallensterblichkeit. Ältere Aussagen zu Korallenbedeckung und Riffgesundheit können den heutigen Zustand deshalb nicht zuverlässig abbilden. Florida Keys National Marine Sanctuary

Beim Quellencheck für diesen Beitrag zeigte NOAA Coral Reef Watch für die Florida Keys mit Datenstand 22. August 2026 weiterhin Bleaching Alert Level 2. NOAA weist auf derselben Seite darauf hin, dass die ältere Stationsdarstellung bei Level 2 endet und für eine genauere Bewertung die zugrunde liegenden Hitzestressdaten betrachtet werden müssen. NOAA-Forschende hatten zudem bereits Anfang Juli 2026 erste Bleichezeichen am Cheeca Rocks Reef festgestellt. NOAA Coral Reef Watch und NOAA AOML

Das bedeutet nicht, dass jedes Riff zerstört ist oder jeder Schnorchelgang enttäuschen wird. Es bedeutet etwas Praktischeres: Eine Unterwasseraufnahme aus dem Jahr 2019 ist kein belastbares Versprechen für deinen Urlaub 2026. Selbst ein offizieller Rifftext ersetzt keinen Bericht der letzten Tage.

Vor einer Buchung würde ich dem Anbieter deshalb diese Fragen stellen:

  1. Welchen Platz habt ihr in den vergangenen Tagen tatsächlich angefahren?
  2. Wie waren dort Sicht, Strömung und Wellengang?
  3. Welche Bleiche- oder Sterbeschäden waren im geplanten Bereich sichtbar?
  4. Unter welchen Bedingungen wechselt ihr den Platz oder sagt die Tour ab?
  5. Wie viele Gäste kommen auf einen Guide?
  6. Werden Mooring-Bojen, Divers-down-Flagge und ein verbindliches Korallenbriefing genutzt?

Eine gute Antwort klingt nicht nach „amazing reef“ und „tons of fish“. Sie nennt einen Platz, ein Datum, die Bedingungen und gegebenenfalls einen Plan B.

Die wichtigsten Regeln beim Schnorcheln in den Florida Keys

Divers-down-Flagge: Sichtbarkeit ist keine Nebensache

Nach dem aktuellen Florida-Gesetz müssen Schnorchler außerhalb von Bereichen, die gewöhnlich ausschließlich zum Schwimmen genutzt werden, eine vorgeschriebene Divers-down-Warnvorrichtung verwenden. Im offenen Wasser sollen sich Taucher und Schnorchler höchstens 300 Fuß von der Flagge entfernen, in Flüssen, Buchten, Einfahrten und Schifffahrtskanälen höchstens 100 Fuß. Boote müssen innerhalb dieser Bereiche auf die geringstmögliche Geschwindigkeit für sichere Steuerfähigkeit reduzieren. Das Sanctuary führt Schnorcheln ohne entsprechende Warnvorrichtung ebenfalls als unzulässig auf. Florida Legislature

Bei einer organisierten Bootstour kümmert sich normalerweise der Anbieter um Flagge, Platzwahl und Bootsabsicherung. Trotzdem lohnt sich die Frage im Briefing. Wer mit eigenem Boot oder vom Wasserzugang auf eigene Faust startet, muss die Regel selbst verstehen und umsetzen.

Korallen werden weder berührt noch als Standfläche genutzt

In den Sanctuary Preservation Areas ist Schnorcheln erlaubt. Fischen, Sammeln und das Entfernen von Organismen sind dort dagegen verboten. Lebende oder abgestorbene Korallen dürfen weder berührt noch betreten werden. Ankern auf Korallen ist unzulässig; steht eine Mooring-Boje zur Verfügung, wird sie genutzt. NOAA kündigt für die meisten Preservation Areas ab 2027 ein noch weitergehendes Ankerverbot an. Florida Keys National Marine Sanctuary

Das klingt selbstverständlich, bis jemand Wasser in der Maske hat, kurz stehen möchte oder für ein Foto näher an das Riff heranrückt. Genau deshalb gehört die Regel in das Briefing, bevor alle im Wasser liegen.

Fische und Haie nicht anlocken

Die Sanctuary-Regeln untersagen das Anlocken und Füttern von Fischen, ausdrücklich einschließlich Haien. Ein Anbieter, der Wildtiere mit Futter für seine Gäste berechenbar machen will, ist kein besonders serviceorientierter Veranstalter. Er produziert ein Problem. Florida Keys National Marine Sanctuary

Ein Blue-Star-Anbieter ist ein sinnvoller Filter – aber keine Garantie

NOAA zeichnet im Rahmen seines freiwilligen Blue-Star-Programms Anbieter aus, die sich zu verantwortungsvollen Tauch- und Schnorchelpraktiken verpflichten. Das ist bei der Vorauswahl hilfreicher als ein beliebiges Bewertungsportal. Eine Garantie für perfekte Bedingungen, kleine Gruppen oder einen konkreten Riffzustand ist die Auszeichnung trotzdem nicht. Florida Keys National Marine Sanctuary

Drei Checks vor einem Schnorchelgang an der Golfküste

Cape Florida Lighthouse vom Wasser vor Key Biscayne gesehen
Das eigene Wasserfoto vom Cape Florida Lighthouse zeigt einen weiteren Florida-Küstenzugang. Es ist weder am Naples Pier noch auf den Keys entstanden. Foto: Sascha Tegtmeyer

An der Golfküste beantworten drei offizielle Informationsangebote drei verschiedene Fragen. Sie sollten nicht in einen allgemeinen Blick auf „das Wetter“ zusammenfallen.

1. FWC: Gibt es Hinweise auf Red Tide?

Die Florida Fish and Wildlife Conservation Commission veröffentlicht laufende Lageberichte und Karten zur schädlichen Algenblüte. Relevant sind nicht nur Messwerte, sondern auch gemeldete Fischsterben und Atemwegsreizungen. Ein unauffälliger Himmel sagt darüber wenig aus. FWC

2. Florida Healthy Beaches: Gibt es einen bakteriellen Badehinweis?

Das Florida Department of Health überwacht an ausgewählten Stränden bakterielle Belastungen und veröffentlicht Warnungen. Red Tide und ein bakterieller Badehinweis sind unterschiedliche Probleme; das Ausbleiben des einen schließt das andere nicht aus. Florida Department of Health

3. National Weather Service: Was machen Wind, Wellen und Gewitter?

Der Marine Forecast hilft bei der Einschätzung von Wind, Wellen und Gewitterrisiko. Anschließend folgt trotzdem die Prüfung am tatsächlichen Einstieg: Wie sieht das Wasser aus? Gibt es Warnflaggen, Rettungspersonal, Bootsverkehr oder eine lokale Sperrung? Bedingungen können sich schnell verändern. National Weather Service

Für mich folgt daraus eine einfache Regel: An der Golfküste wird erst geprüft und dann entschieden. Nicht umgekehrt, nur weil die Maske schon im Rucksack liegt.

Was ich tun würde, wenn heute wieder ein Delfin auftaucht

Ich würde nicht versuchen, das Tier für ein Foto zu positionieren. Ich würde nicht hinterherschwimmen und auch nicht testen, ob es „spielen“ möchte. Verändert der Delfin seinen Kurs und vergrößert den Abstand, ist das keine verpasste Gelegenheit, sondern das Ende der Begegnung.

Auch eine neugierige Annäherung des Tieres hebt die Regeln nicht auf. Das Tier darf entscheiden, wohin es schwimmt. Daraus entsteht kein Anspruch auf Interaktion.

Weitere eigene Beobachtungen und Hintergründe bündele ich auf meiner Delfin-Themenseite. Genau darin lag der Wert meiner Begegnung in Naples: Sie war nicht produziert. Ich konnte sie weder bestellen noch wiederholen. Der richtige Umgang besteht deshalb nicht darin, aus dem Zufall nachträglich ein Angebot zu machen.

Das iPhone im Meer: eine Erinnerung, keine Produktempfehlung

Mein damals neues, wasserresistentes iPhone veränderte die Art, wie ich Technik am Wasser wahrnahm. Plötzlich schien es möglich, ein Gerät mitzunehmen, das vorher sofort in einer trockenen Tasche verschwunden wäre.

Wasserresistenz ist trotzdem nicht dasselbe wie eine Einladung zum Schnorcheln mit dem ungeschützten Smartphone. Apple rät aktuell davon ab, mit einem iPhone zu schwimmen oder es absichtlich unterzutauchen, und empfiehlt, den Kontakt mit Salzwasser möglichst gering zu halten. Vor dem Laden muss das Gerät vollständig trocken sein. Apple Support

Für eine geplante Nutzung im Meer würde ich heute ein geeignetes Unterwassergehäuse oder eine für den konkreten Einsatzzweck geprüfte Schutzhülle verwenden. Das Telefon darf die Szene dokumentieren. Es sollte weder das Tierverhalten noch die eigene Aufmerksamkeit im Wasser bestimmen.

Für wen sich Schnorcheln in Florida besonders lohnt

Die Keys passen zu dir, wenn du:

  • einen planbaren Rifftag statt eines spontanen Strandgangs suchst;
  • eine Bootstour und lokale Einweisung akzeptierst;
  • den Platz nach Bedingungen und nicht nur nach Bekanntheit auswählst;
  • mit einem veränderlichen, teils deutlich belasteten Riffzustand realistisch umgehen kannst;
  • Naturschutzregeln nicht als lästige Einschränkung, sondern als Teil des Ausflugs verstehst.

Die Golfküste passt zu dir, wenn du:

  • ohnehin in Naples oder der Umgebung wohnst;
  • einen Schnorchelgang als mögliche Ergänzung und nicht als garantierten Höhepunkt behandelst;
  • bereit bist, bei schlechter Wasserqualität, Red Tide, Wellen oder geringer Sicht auf das Wasser zu verzichten;
  • keine Tierbegegnung erwartest oder gezielt herbeiführen möchtest.

Weniger passend ist Florida für dich, wenn du:

  • direkt vom Hotelstrand ein jederzeit klares, tropisches Hausriff erwartest;
  • einen Delfin oder ein bestimmtes Tier als buchbares Ergebnis betrachtest;
  • nur einen eng getakteten Tag ohne Wetterpuffer für die Keys einplanst;
  • alte Riffbilder als verlässliche Beschreibung des aktuellen Zustands liest.

Mein Fazit: Plane das Riff, nicht den Delfin

Meine stärkste Erinnerung an das Schnorcheln in Florida stammt nicht von einem berühmten Riff. Sie stammt aus dem Wasser vor Naples, als ein Delfin unerwartet auftauchte und die Situation für einen Moment größer machte als den eigentlichen Schnorchelgang.

Gerade deshalb taugt diese Begegnung nicht als Reiseversprechen.

Naples steht für die spontane Küstensituation: Du prüfst die Bedingungen, gehst ins Wasser und akzeptierst, was der Tag hergibt. Die Florida Keys stehen stärker für den organisierten Rifftag: Boot, Platzwahl, Schutzgebiet, Flagge, Briefing und eine Entscheidung nach aktuellen Daten.

Wer das auseinanderhält, plant realistischer. Weitere persönlich erlebte Reviere und Sicherheitsgrundlagen findest du in meinem Schnorcheln Blog. Und wer einem wilden Tier Raum lässt, erlebt nicht weniger. Er versteht nur besser, was gerade passiert.

Über Sascha Tegtmeyer

Über Sascha Tegtmeyer

Reisejournalist, Autor und Gründer von Just Wanderlust

Ich schreibe auf Just Wanderlust aus eigener Reiseerfahrung über Orte, Meer und Outdoor-Abenteuer. Mehr über mich und meine Arbeit.

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