Ich tauche seit 2005 mit Gerät und hielt Freediving lange für eine etwas merkwürdige Mischung aus Luftanhalten, Ehrgeiz und freiwilligem Verzicht auf funktionierende Technik. Bei meinem zweiten Besuch auf den Malediven, auf Coco Bodu Hithi, bekam dieses Vorurteil einen ziemlich gründlichen Riss: Ich traf Herbert Nitsch und seine damalige Managerin Jeanette Woldman persönlich und nahm ungefähr eine Woche lang an einem angeleiteten Freediving-Kurs teil.
Geblieben ist mir daraus keine Heldengeschichte über Zeiten und Tiefen. Die wichtigste Erkenntnis war fast das Gegenteil: Freediving funktioniert nicht sinnvoll gegen den eigenen Körper. Es verlangt Ruhe, Aufmerksamkeit und Disziplin – und vor allem einen verlässlichen Buddy. Dass ich während der Übungen meine Luft deutlich länger anhalten konnte als zuvor und am Hausriff bis ungefähr 15 Meter abstieg, war beeindruckend. Entscheidend war aber, warum ich diese Zahlen irgendwann nicht mehr als eigentlichen Zweck betrachtete.
Dieser Artikel beschreibt eine historische persönliche Erfahrung. Er ist weder ein aktuelles Kursangebot noch ein Resorttest. Mehr über die Insel findest du in meinem Reisebericht über Coco Bodu Hithi; Herberts außergewöhnliche Laufbahn, seine Rekorde und sein Comeback gehören dagegen in mein ausführliches Interview mit Herbert Nitsch. Hier geht es ausschließlich darum, was ein skeptischer Gerätetaucher in einer Woche Freediving tatsächlich lernen konnte.
Was mir der Freediving-Kurs auf den Malediven wirklich gebracht hat
Das Offensichtliche zuerst: Ich lernte, meine Luft länger anzuhalten und mich ohne Tauchgerät kontrollierter unter Wasser zu bewegen. Vor dem Kurs hätte ich meine persönliche Grenze auf ungefähr 30 Sekunden geschätzt. Während der angeleiteten Übungen erreichte ich zeitweise etwa zwei Minuten.
Diese Entwicklung hat mich überrascht. Sie ist aber weder ein Versprechen noch eine Norm für Anfänger. Sie sagt zunächst nur, wie wenig ich vorher über meine eigene Atmung, Anspannung und Körperwahrnehmung wusste.
Der größere Lerneffekt lag woanders. Ich merkte, wie stark unnötige Bewegung, innere Unruhe und Leistungsdenken das gesamte Erlebnis verändern. Beim Gerätetauchen sorgt die Ausrüstung dafür, dass ich auch dann weiteratmen kann, wenn ich unruhig werde oder meine Position korrigiere. Beim Freediving meldet der Körper sehr unmittelbar zurück, wie sinnvoll oder unsinnig ich gerade mit meinen Kräften umgehe.

Das machte die Woche für mich so wertvoll. Nicht, weil ich anschließend irgendeine spektakuläre Zahl vorweisen konnte, sondern weil ich meinen Körper unter Wasser anders wahrnahm.
Meine Ausgangslage: erfahrener Taucher, kompletter Freediving-Anfänger
Ich war unter Wasser kein Neuling. Seit 2005 tauche ich mit Gerät, kannte also Maskendruck, Flossenschlag, Druckausgleich und das Gefühl, unter der Oberfläche unterwegs zu sein. Genau das machte mich beim Freediving zunächst eher skeptisch.
Warum sollte ich freiwillig auf Luftvorrat, Tarierjacket und Atemregler verzichten? Ein Tauchgerät ist schließlich keine unnötige Dekoration. Es wurde entwickelt, weil Menschen unter Wasser mit dem Atmen traditionell gewisse Schwierigkeiten haben.
Mein erster improvisierter Kontakt mit dem Thema hatte ohnehin wenig mit strukturiertem Training zu tun. Diese Geschichte erzähle ich in meinem separaten Freediving-Erfahrungsbericht über den ersten Versuch. Auf den Malediven war die Situation eine andere: Es gab Anleitung, eine Gruppe, einen schrittweisen Aufbau und später klare Buddy-Rollen am Hausriff.
Damit verschob sich meine Perspektive. Freediving war plötzlich nicht mehr „Tauchen ohne Ausrüstung“, sondern eine eigene Form des Tauchens mit eigenen Anforderungen. Erfahrung im Gerätetauchen half mir bei der Orientierung unter Wasser. Sie ersetzte aber weder die nötige Ruhe noch die Sicherheitsregeln.
Der Einstieg: erst Atmung und Meditation, dann Wasser
Der Kurs begann nicht mit einem Sprung ins Meer. Zunächst ging es um Atemübungen und Meditation. Die Gruppe bestand aus Resortgästen und Mitarbeitern – also aus Menschen mit unterschiedlichen Vorerfahrungen und vermutlich auch sehr unterschiedlichen Erwartungen.
Für mich war dieser Einstieg ungewohnt. Als Gerätetaucher denke ich bei Vorbereitung eher an Ausrüstung, Flaschendruck, Bleimenge, Buddy-Check und Tauchplan. Nun sollte ich mich zunächst mit meiner Atmung und meinem inneren Zustand beschäftigen.
Das klingt schnell esoterischer, als es sein muss. Tatsächlich war der praktische Effekt ziemlich bodenständig: Ich bemerkte, wie viel Spannung ich mit mir herumtrug, ohne sie bewusst wahrzunehmen. Wer unruhig ist, sich mit anderen vergleicht oder bereits an eine bestimmte Zielzeit denkt, schafft keine gute Ausgangslage.
Wichtig ist dabei die Abgrenzung: Aus meiner Erfahrung ergibt sich keine Atemtechnik zum selbstständigen Nachmachen. Atem- und Luftanhalteübungen gehören in einen seriös betreuten Rahmen. Besonders Hyperventilation kann Warnsignale des Körpers verschieben und das Risiko eines Bewusstseinsverlusts erhöhen. PADI warnt deshalb ausdrücklich vor Hyperventilation, zu schneller Steigerung und dem Überschreiten der eigenen Grenzen und nennt „Never freedive alone“ als zentrale Sicherheitsregel (PADI: Is Freediving Dangerous?).
Pooltraining: Die überraschende Lernkurve
Nach der Vorbereitung an Land folgte der praktische Teil im Pool. Dort zeigte sich für mich erstmals deutlich, wie stark Ruhe und Anleitung die eigene Wahrnehmung verändern können.
Vorher glaubte ich, meine Luft kaum länger als ungefähr 30 Sekunden anhalten zu können. Im Verlauf der Übungen kam ich auf bis zu etwa zwei Minuten. Das war für mich ein enormer Unterschied.

Trotzdem wäre es falsch, daraus eine einfache Fortschrittsformel abzuleiten. Ich habe nicht in wenigen Tagen eine allgemeine Fähigkeit freigeschaltet, die nun jeder mit etwas Konzentration reproduzieren könnte. Ich befand mich in einer betreuten Gruppe und durchlief mehrere vorbereitende Übungen. Außerdem ist eine einzelne persönliche Bestzeit kein objektiver Maßstab für Können oder Sicherheit.
Gerade diese Erkenntnis war wichtig: Eine Zahl sieht eindeutig aus, sagt aber wenig darüber aus, unter welchen Bedingungen sie entstanden ist. Zwei Minuten können sich kontrolliert oder völlig verkrampft anfühlen. 30 Sekunden können eine vernünftige Grenze sein, wenn der Körper an diesem Tag genau dort Schluss machen möchte.
Das Pooltraining nahm mir deshalb nicht nur die Skepsis. Es nahm mir auch einen Teil des Ehrgeizes. Ich verstand langsam, dass Fortschritt beim Freediving nicht darin besteht, jedes Warnsignal als Gegner zu betrachten.
Vom Pool ans Hausriff
Nach mehreren Übungstagen wechselte die Gruppe ans Hausriff. Nun kamen Tiefe, offene Umgebung und die Ablenkung durch die Unterwasserwelt hinzu.
Am Riff wurde im Buddy-Team gearbeitet: Eine Person tauchte ab, die andere sicherte. Diese Rollen waren nicht beiläufig, sondern Teil des Tauchens. Genau das unterscheidet ein ernsthaft angeleitetes Erlebnis von spontanem Luftanhalten beim Schnorcheln.
Ich erinnere mich an Abstiege bis ungefähr 15 Meter. Auch diese Zahl ist eine historische persönliche Erinnerung, kein Zielwert. Sie sollte niemanden dazu bringen, beim nächsten Mal am Hausriff „ebenfalls 15 Meter“ erreichen zu wollen. Tiefe ist kein Souvenir, das man von einer Reise mitbringen muss.
Während der Sessions sah ich Schildkröten, Rochen und Haie. Was sich gegenüber dem Gerätetauchen veränderte, war vor allem mein eigenes Bewegungsgefühl. Ohne Flasche, Jacket und Atemregler bewegte ich mich subjektiv freier und leiser. Ich war nicht automatisch unsichtbar, und Tiere kamen nicht auf Bestellung näher. Aber das Verhältnis zur Umgebung fühlte sich anders an.
Wer sich besonders für das Riff interessiert, findet in meinem Beitrag über das Schnorcheln auf Coco Bodu Hithi weitere Eindrücke. Für die Inselwahl lohnt sich außerdem mein Ratgeber, wie du auf den Malediven ein Resort mit passendem Hausriff findest.
Leiser heißt nicht automatisch näher
Ein verlockender Gedanke lautet: Ohne Atemblasen komme ich näher an Tiere heran. So pauschal würde ich das nicht behaupten.
Tiere reagieren auf Bewegung, Abstand, Richtung und viele weitere Faktoren. Ein Freediver kann ebenso störend wirken wie ein Gerätetaucher, wenn er hektisch hinter einem Tier herschwimmt. Der Unterschied lag für mich weniger in einer garantierten Nähe als in meiner eigenen Wahrnehmung.
Ich konzentrierte mich stärker auf jede Bewegung. Ich konnte nicht einfach dauerhaft hinterheratmen. Dadurch wurde das Beobachten bewusster und begrenzter.
Das passt auch zu einer Lektion, die über Freediving hinausgeht: Gute Tierbeobachtung entsteht nicht dadurch, dass man möglichst viel Raum beansprucht. Im Gespräch mit der Meeresbiologin Sonia Valladares habe ich die verantwortungsvolle Begegnung mit Meerestieren noch einmal ausführlicher eingeordnet; das Interview über Meeresschutz und Tierbeobachtungen ergänzt diese persönliche Kurserfahrung sinnvoll.

Die wichtigste Sicherheitslektion: Der Buddy ist kein Zuschauer
Von allem, was ich in dieser Woche lernte, ist die Buddy-Disziplin am wichtigsten. Nicht die Atemzeit. Nicht die Tiefe. Nicht die Frage, wie elegant ein Abstieg aussieht.
Beim Freediving kann eine Person an der Oberfläche ruhig wirken und trotzdem in Schwierigkeiten geraten. Das macht Alleingänge besonders gefährlich. Ein Buddy wartet deshalb nicht irgendwo in der Nähe, während er nebenbei Fische fotografiert. Er hat eine konkrete Sicherungsfunktion.
PADI führt in seinen Sicherheitsstandards für Gerätetaucher und Freediver unter anderem das Tauchen mit geeignetem Buddy, das Einhalten persönlicher Grenzen und eine konservative Planung als Grundprinzipien auf. Für mich wurde während des Kurses greifbar, warum solche Regeln nicht bloß formale Kursbestandteile sind.
| Kurseindruck | Meine anfängliche Sicht | Was ich daraus gelernt habe |
|---|---|---|
| Atemübungen und Meditation | Vorbereitung vor dem eigentlichen Tauchen | Die Vorbereitung war bereits ein wesentlicher Teil des Tauchens |
| Bis zu etwa zwei Minuten Luftanhalten | Eine beeindruckende persönliche Steigerung | Zeit ist keine allgemeine Norm und kein Sicherheitsbeweis |
| Abstiege bis ungefähr 15 Meter | Eine messbare Leistung | Tiefe darf nicht zum Reise- oder Gruppenziel werden |
| Tauchen ohne Gerät | Weniger Technik, also scheinbar einfacher | Weniger Ausrüstung bedeutet mehr Verantwortung für Körpergefühl und Grenzen |
| Buddy-Team am Hausriff | Eine vertraute Regel aus dem Gerätetauchen | Beim Freediving ist die aktive Sicherung besonders zentral |
| Begegnungen mit Meerestieren | Chance auf ruhigere Beobachtung | Sichtungen und Nähe sind nie garantiert und dürfen nicht erzwungen werden |
Die entscheidende Verschiebung war für mich: Der Buddy begrenzt nicht meine Freiheit. Er ermöglicht sie überhaupt erst in einem vertretbaren Rahmen.
Was Herbert Nitsch als Lehrer vermittelte
Herbert Nitsch gehört mit seinen Leistungen in eine Kategorie, die mit einem Freizeitkurs kaum vergleichbar ist. Auf seiner offiziellen Übersicht führt er 33 Weltrekorde und einen No-Limit-Tauchgang auf 253 Meter. Das ist extreme Rekordleistung – kein Vorbild für einen Urlaubstauchgang und schon gar kein Ziel für Einsteiger.
Gerade deshalb war für mich interessant, dass die gemeinsame Woche nicht als Jagd nach möglichst großen Zahlen begann. Der Aufbau führte von Atmung und Meditation über den Pool bis zum gesicherten Tauchen am Hausriff.
Ich lernte daraus keine Abkürzung in Richtung Rekordtiefe. Ich lernte, dass selbst bei einer Sportart, deren Spitzenleistungen spektakulär aussehen, die Grundlagen erstaunlich unspektakulär sind: ruhig bleiben, sauber arbeiten, Grenzen respektieren und dem Buddy vertrauen.
Die Trennung zwischen Rekordsport und Freizeit-Freediving ist wesentlich. No-Limit ist eine extreme Disziplin, bei der technische Hilfsmittel für Abstieg und Aufstieg eingesetzt werden. Sie taugt nicht als Blaupause für Urlauber, die am Hausriff ihre Grenzen kennenlernen möchten.

Mehr über den Menschen hinter diesen Leistungen, seinen schweren Unfall und seinen Weg zurück findest du im bereits erwähnten Herbert-Nitsch-Interview. Für meine Kurserfahrung reicht die nüchterne Feststellung: Die Rekorde machten die Begegnung außergewöhnlich. Wertvoll wurde sie aber durch die Konzentration auf Grundlagen.
Was mich am meisten überrascht hat
Am stärksten überraschte mich nicht, dass ich länger unter Wasser bleiben konnte. Es war das Gefühl, weniger tun zu müssen.
Beim Gerätetauchen bin ich an Ausrüstung gewöhnt. Ich kontrolliere Instrumente, tariere, atme, gleiche aus und korrigiere meine Position. Vieles davon läuft irgendwann automatisch, bleibt aber ständig präsent.
Beim Freediving fiel ein großer Teil dieser Technik weg. Übrig blieben Bewegung, Wahrnehmung und eine sehr klare zeitliche Begrenzung. Das fühlte sich freier an, aber nicht sorgloser.
Im Gegenteil: Ohne permanenten Luftvorrat musste ich aufmerksamer sein. Die vermeintliche Einfachheit führte zu mehr Verantwortung. Das war der Punkt, an dem mein anfängliches Misstrauen einer gewissen Demut wich.
Ich würde Gerätetauchen und Freediving trotzdem nicht gegeneinander ausspielen. Beide ermöglichen andere Erfahrungen. Wer entspannt an der Oberfläche bleiben und gelegentlich abtauchen möchte, braucht nicht automatisch einen Freediving-Kurs. Für viele Reisende reicht gutes, verantwortungsvolles Schnorcheln vollkommen aus. Dazu findest du in meinen Tipps zum Schnorcheln im Urlaub eine breitere praktische Einordnung.
Für wen ein seriös angeleitetes Freediving-Erlebnis passt
Ein angeleiteter Freediving-Kurs kann zu dir passen, wenn du nicht nur möglichst tief tauchen, sondern deinen Umgang mit Atmung, Ruhe und Bewegung besser verstehen möchtest. Hilfreich ist außerdem die Bereitschaft, sich an klare Abläufe zu halten und die eigene Tagesform zu akzeptieren.
Gerätetaucher können dabei viel Bekanntes wiederfinden: Druckausgleich, Flossenbewegung, Orientierung und Buddy-Prinzip. Gleichzeitig sollten sie nicht glauben, ihre Erfahrung lasse sich eins zu eins übertragen. Ein Logbuch voller Tauchgänge schützt nicht vor falschem Ehrgeiz beim Luftanhalten.
Auch erfahrene Schnorchler können profitieren, sofern sie die Anleitung ernst nehmen. Wer bisher allein immer etwas tiefer abgetaucht ist, erfährt in einem guten Kurs möglicherweise vor allem, warum genau diese Gewohnheit problematisch ist.
Meine klare Anti-Empfehlung
Nicht passend ist Freediving für dich, wenn du vor allem eine persönliche Bestmarke suchst, dich in einer Gruppe leicht zu Wettkämpfen verleiten lässt oder Sicherheitsregeln als übervorsichtige Formalität betrachtest.
Ich würde auch ausdrücklich davon abraten, Atemzeiten oder Tiefen aus diesem Artikel allein auszuprobieren. Weder meine ungefähr zwei Minuten im Pool noch die erinnerten 15 Meter am Hausriff sind Vorgaben. Sie entstanden innerhalb einer angeleiteten Woche und sagen nichts darüber aus, was für eine andere Person angemessen ist.
Ebenso wenig solltest du Freediving als Methode betrachten, um Haien, Rochen oder Schildkröten möglichst nahe zu kommen. Begegnungen lassen sich nicht garantieren. Haie sind auf den Malediven ein normaler Teil vieler Riffsysteme, aber weder Kulisse noch Mutprobe. Eine sachliche Einordnung findest du in meinem Beitrag über die Haie der Malediven.

Und schließlich: Ein Kurs auf einer Urlaubsinsel ist nicht automatisch seriös, nur weil das Wasser klar und der Prospekt hübsch ist. Entscheidend sind qualifizierte Anleitung, konsequente Buddy-Verfahren, realistische Gruppengrößen und ein erkennbar konservativer Umgang mit Leistungszielen.
Persönliches Fazit: Die Zahlen waren der unwichtigste Teil
Die Woche mit Herbert Nitsch hat mein Verhältnis zum Freediving grundlegend verändert. Ich kam als erfahrener Gerätetaucher, der dem Tauchen ohne Atemregler eher misstraute. Ich ging mit dem Verständnis, dass gerade der Verzicht auf Technik eine besonders klare Form von Disziplin verlangt.
Natürlich erinnere ich mich an die Zahlen. Von gefühlten 30 Sekunden auf bis zu ungefähr zwei Minuten zu kommen, war für mich verblüffend. Auch die Abstiege am Hausriff bis ungefähr 15 Meter gehören zu dieser Erinnerung.
Aber diese Werte sind nicht das eigentliche Ergebnis. Wichtiger war die Lernkurve: erst Atemarbeit und Meditation, dann der Pool, schließlich das Tauchen im Buddy-Team am Riff. Jeder Schritt nahm etwas Leistungsdenken heraus und fügte mehr Aufmerksamkeit hinzu.
Unter Wasser fühlte ich mich ohne Gerät freier und leiser. Gleichzeitig war ich stärker auf meinen Körper, meine Bewegungen und meinen Buddy angewiesen. Genau dieser Widerspruch macht Freediving für mich bis heute interessant: Es reduziert die Ausrüstung, aber nicht die Verantwortung.
Ein seriös angeleiteter Freediving-Kurs auf den Malediven kann deshalb eine intensive Erfahrung sein – besonders für Menschen, die bereit sind, ihre Grenzen nicht zu bekämpfen, sondern wahrzunehmen. Wer dagegen nur tiefer, länger oder näher an Tiere herankommen möchte, hat die wichtigste Lektion bereits verpasst.
Die beste Leistung dieser Woche war nicht, eine bestimmte Tiefe zu erreichen. Es war, rechtzeitig zu verstehen, dass Sicherheit und Ruhe wichtiger sind als jede Zahl.


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