Ägypten-Rundreise am Roten Meer: mein Tauch-Roadtrip entlang der Küste

by Sascha Tegtmeyer | Apr. 18, 2024

Diese Ägypten-Rundreise war keine klassische Route zu Pyramiden, Luxor und Nil. Ich fuhr von Hurghada an der Küste über Makadi Bay, Soma Bay, Safaga und El Quseir bis in die Region Marsa Alam, tauchte an Hausriffen und abgelegenen Buchten und schloss die Reise mit einer Tauchsafari zu nördlichen Wracks ab. Für Taucher ist diese Kombination stark – für eine kurze erste Ägyptenreise wäre sie mir heute zu voll.

Die Reise fand im Rahmen einer Pressereise statt und liegt einige Jahre zurück. Hotels, Tauchbasen, Straßenabläufe und Sicherheitslage können sich verändert haben. Ich erzähle die belegten Erlebnisse deshalb als historischen Tauch-Roadtrip und trenne sie von den Fragen, die du im Jahr 2026 neu beantworten musst.

Mein allgemeiner Ägypten-Reisebericht ordnet das Land breiter ein. Hier geht es bewusst nur um die Westküste des Roten Meeres, mehrere Tauchbasen und den Wechsel von Landreise zu Liveaboard.

Zwischen Meer und Wüste beginnt der Roadtrip

Vom Flughafen Hurghada ging es nach Süden. Links lag das Rote Meer, rechts standen Berge und Wüste. Dazwischen verlief die Straße über viele Kilometer durch eine Landschaft, in der selbst ein Hotelkomplex plötzlich wie eine kleine Insel wirkte.

Ich war vor der Abreise angespannt. Sicherheitshinweise und besorgte Fragen aus dem Umfeld reisten gedanklich mit. Diese Anspannung löste sich nicht durch eine abstrakte Behauptung auf, Ägypten sei sicher. Sie veränderte sich, als die Route konkret wurde: Orte, Fahrer, Hotelzufahrten, Tauchbasen und ein nachvollziehbarer Plan.

In El Quseir fuhren wir langsam durch die Hauptstraße. Kinder spielten, Frauen gingen von Geschäft zu Geschäft, Männer saßen bei einer Wasserpfeife zusammen. Nach den stark touristisch geprägten Abschnitten rund um Hurghada wirkte der Alltag dort unmittelbarer. Das war ein kurzer Blick aus dem Auto, keine vollständige ethnografische Erklärung – aber ein wichtiger Kontrast.

Der Wechsel zwischen den Orten verlangte außerdem mehr Energie, als die schöne Küstenlinie vermuten lässt. Gepäck, Transfer, Einchecken und neue Basisabläufe nahmen jedes Mal Raum ein. Für meine heutige Planung ist das ein starkes Argument gegen zu viele Stationen.

Die historische Route im Überblick

EtappeMein damaliger SchwerpunktWas heute neu zu prüfen ist
Hurghada bis Marsa Alamlange Küstenfahrt und Einstieg in den SüdenTransferanbieter, aktuelle Fahr- und Sicherheitshinweise, Ankunftszeit
Equinox nördlich von Marsa AlamLand- und Zodiac-Tauchgänge, Dugong-Begegnungheutige Basis, Schutzregeln, Hausriffzugang und Tierbeobachtung
Mövenpick El QuseirHausrifftauchen mit Guide MohamedBetreiber, Riffzugang, Leistungen und Zustand des gewünschten Zimmerbereichs
Sharm El Nagaruhige Basis, Hausriff und Zodiac-Spotsheutiger Hotel- und Basisbetrieb, Zugang und Auslastung
Tauchsafari ab HurghadaSidemount-Kurs, Rosalie Moller, ThistlegormSchiff, Route, Ausbildungsstand, Wetter und aktuelle Genehmigungen

Meine Anti-Empfehlung: Versuche nicht, diese gesamte Route in sieben Nächten nachzubauen. Jeder Hotelwechsel kostet einen Tauch- oder Erholungstag, und eine Tauchsafari verlangt Reserve vor dem Rückflug. Besser sind zwei Landbasen oder eine Landbasis plus Safari.

Etappe 1: Marsa Alam und die Begegnung mit dem Dugong

Meine erste Station war die damalige Extra-Divers-Basis am Three Corners Equinox nördlich von Marsa Alam. Basisleiter Mohamed organisierte Land- und Zodiac-Tauchgänge. Nach mehreren Jahren ohne Roten-Meer-Reise wollte ich möglichst schnell wieder ins Wasser.

Hausriff am Three Corners Equinox in der Region Marsa Alam
Am damaligen Equinox-Standort begann mein Tauch-Roadtrip im Süden der ägyptischen Rotmeerküste. Foto: Sascha Tegtmeyer

Der erste Einstieg führte über einen Sandstrand in eine abgelegene Bucht. Korallen, Papageifische, Barrakudas und das klare Wasser erinnerten mich sofort daran, warum ich zum Tauchen nach Ägypten zurückkehrte. Die Sicht war gut, aber Zahlen wie „immer 30 Meter“ gehören nicht in eine heutige Planung. Sicht, Wind und Strömung ändern sich.

Die prägendste Begegnung war ein Dugong. Als wir mit dem Zodiac zurückkehrten, tauchte das Tier neben dem Boot auf. Wir gingen mit Maske, Schnorchel und Flossen ins Wasser und beobachteten, wie es am Grund fraß und zum Atmen aufstieg.

Im alten Text stand eine angebliche Gesamtzahl von sieben Dugongs im Roten Meer. Dafür hatte ich keinen belastbaren Beleg; die Aussage ist entfernt. Ebenso wenig würde ich die damalige Nähe heute als Ziel formulieren. Ein Dugong braucht freien Weg zu Oberfläche und Seegraswiese. Anbieter, Gruppengröße und Abstand sind wichtiger als ein möglichst nahes Foto. Meine ausführliche Erfahrung steht im Beitrag Seekuh in Ägypten.

Etappe 2: Hausriff im Mövenpick El Quseir

Im Mövenpick El Quseir lag die Tauchbasis direkt am Hotelstrand. Mit Guide Mohamed erkundete ich verschiedene Richtungen des Hausriffs und größere Korallenblöcke. Wir sahen Blaupunktrochen, Krokodilfische und viel kleines Leben zwischen Sand und Riff.

Mövenpick Resort El Quseir mit Tauchbasis am Roten Meer
Im Mövenpick El Quseir erkundete ich das Hausriff mit Guide Mohamed; heutige Bedingungen müssen neu geprüft werden. Foto: Sascha Tegtmeyer

Gerade hier lernte ich erneut, dass ein Hausriff nicht nur aus Großfisch besteht. Wer langsam sucht, entdeckt Spuren, Jungtiere und Makroleben. Eine frühere Walhaisichtung, von der der damalige Basisleiter erzählte, war eine interessante Geschichte – aber keine Prognose für den nächsten Gast.

Heute würde ich vor der Buchung eine aktuelle Riffkarte, Einstiegsregeln und Unterwasseraufnahmen erfragen. Ein historisch gutes Hausriff kann sich verändern; umgekehrt kann konsequenter Schutz Abschnitte stabilisieren.

Etappe 3: Sharm El Naga und ein fast leeres Tauchcenter

Die nächste Basis war damals neu eröffnet und noch wenig besucht. Von meinem Zimmer führte nur ein kurzer Weg hinunter zum Dive Center. Diese Ruhe ermöglichte unkomplizierte Absprachen mit den Basisleitern Robert und Marisa sowie Guide Saber.

Wir tauchten am langen Saumriff und fuhren mit dem Zodiac zu weiter entfernten Plätzen. Am Spot Sadana lag ein kleines historisches Wrackfeld mit Amphoren, wie es uns vor Ort erklärt wurde. Mein stärkster Moment entstand jedoch am Riff Ras Um Hesiwa: eine Echte Karettschildkröte, die ruhig ihren Weg zog.

Ich näherte mich vorsichtig und blieb einen Augenblick in ihrer Nähe. Heute würde ich es noch klarer formulieren: Nicht die Schildkröte ist zutraulich, sondern wir sind Gäste in ihrem Raum. Nicht anfassen, nicht einkreisen, den Weg zur Oberfläche freihalten.

Kleine Sandinsel im Roten Meer vor Ägypten
Zwischen den Tauchbasen prägten weite Küste, Meer und Wüste den Charakter der Reise. Foto: Sascha Tegtmeyer

Etappe 4: Vom Hotelzimmer auf die Tauchsafari

Zurück in Hurghada wechselte ich auf die Seawolf Felo. Reiseleiterin Moni Hofbauer und Sidemount-Ausbilder Axel Früh begleiteten eine Woche mit Wracks wie Rosalie Moller und Thistlegorm. Für mich kam ein zusätzlicher Lernschritt dazu: ein Einsteigerkurs im Sidemount-Tauchen.

Tauchsafarischiff Seawolf Felo im Roten Meer
Nach den Landstationen wechselte ich für eine Woche auf die damalige Seawolf Felo. Foto: Sascha Tegtmeyer

Damals faszinierte mich die Bewegungsfreiheit mit seitlich getragenen Flaschen. Im alten Bericht klang es stellenweise so, als mache das System Tauchen automatisch sicherer und lange Tauchgänge seien nur durch Kälte und Nullzeit begrenzt. Das ist zu simpel.

Sidemount kann bei passender Ausbildung einen guten Zugriff auf Ventile und getrennte Gasvorräte ermöglichen. Es verlangt aber saubere Konfiguration, Gasmanagement, Übung und ein zum Tauchgang passendes Verfahren. Tiefe, Dekompression, Strömung, Exposition, Team und individuelle Belastung bleiben Grenzen. Ein Kurs auf einer Reise ist der Anfang, kein Kompetenznachweis für jede Wrackpenetration.

Sidemount-Taucher mit zwei seitlich getragenen Flaschen
Sidemount verlangt Ausbildung, saubere Konfiguration und Gasmanagement; das System macht keinen Tauchgang automatisch sicher. Foto: Sascha Tegtmeyer

Die Tauchgänge dauerten bei uns häufig 60 bis 80 Minuten. Das ist eine historische Angabe zu dieser Gruppe und keine Zielzeit. Ein Tauchgang wird nach Gas, Dekompressionsstatus, Kälte, Belastung und Plan beendet – nicht, weil eine Erzählung eine besonders lange Zahl braucht.

Korallenriff während einer Tauchsafari im Roten Meer
Weiter entfernte Riffe und Wracks sind ein Vorteil der Tauchsafari – der feste Schiffs- und Tauchplan ihre Kehrseite. Foto: Sascha Tegtmeyer

Landreise oder Tauchsafari: Was passt besser?

Landbasis

Eine Landbasis ist sinnvoll, wenn du ein Hausriff intensiv kennenlernen, mit nichttauchenden Begleitern reisen oder Strandtage einbauen möchtest. Du kannst Ausfahrten auslassen und behältst einen festen Tagesrhythmus.

Zwei Landbasen

Zwei Standorte zeigen unterschiedliche Riffabschnitte, ohne jeden zweiten Tag den Koffer zu packen. Ich würde eine nördlichere Basis rund um Makadi Bay, Soma Bay oder Safaga mit El Quseir oder Marsa Alam kombinieren – abhängig von aktuellen Transfers und gewünschter Tauchlogik.

Liveaboard

Eine Tauchsafari bringt dich zu weiter entfernten Riffen und Wracks. Dafür lebst du nach dem Rhythmus des Schiffs und musst gesundheitlich, taucherisch und organisatorisch zur Route passen. Seekrankheit, begrenzter Raum und mehrere Tauchgänge pro Tag sind reale Schattenseiten.

Sicherheits- und Planungscheck für heute

  • Aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise beim Auswärtigen Amt prüfen.
  • Transfer und Hotelwechsel über nachvollziehbare Anbieter organisieren.
  • Tauchbasis oder Schiff aktuell prüfen, nicht aus meinem historischen Besuch ableiten.
  • Ausbildung, Zahl der Tauchgänge und medizinische Voraussetzungen ehrlich angeben.
  • Mindestens 24 Stunden, bei intensiver oder dekompressionspflichtiger Tauchaktivität nach konservativer Planung länger, vor dem Flug nicht tauchen und die Regeln des Tauchverbands beziehungsweise Computers beachten.
  • Versicherungsschutz für Tauchen, Tiefe, Safari und gegebenenfalls Evakuierung bestätigen.
  • Wildtierbegegnungen niemals als garantierte Leistung buchen.

Fazit: Die Küste war die eigentliche Verbindung

Die Reise bestand aus sehr verschiedenen Tauchwelten: Sandbucht und Dugong im Süden, Hausriff in El Quseir, ruhige Basis in Sharm El Naga und große Wracks auf der Safari. Verbunden wurden sie durch die Straße zwischen Meer und Wüste.

Heute würde ich weniger Stationen wählen und jeder mehr Zeit geben. Der damalige Roadtrip bleibt für mich wertvoll, weil er gezeigt hat, wie unterschiedlich das Rote Meer entlang einer Küste erlebt werden kann. Er ist kein Bauplan, den man unverändert nachfahren muss.

Würdest du am Roten Meer lieber zwei feste Tauchbasen verbinden oder eine Woche Landurlaub mit einer Tauchsafari kombinieren?

Über Sascha Tegtmeyer

Über Sascha Tegtmeyer

Reisejournalist, Autor und Gründer von Just Wanderlust

Ich schreibe auf Just Wanderlust aus eigener Reiseerfahrung über Orte, Meer und Outdoor-Abenteuer. Mehr über mich und meine Arbeit.

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