Es ist ein grauer Vormittag in Hameln. Kimberly Hawkins sitzt am Steuer eines leisen Elektroautos und fährt in einer Prüfungssimulation durch die Innenstadt, über die Münsterbrücke Richtung Haverbeck. Hans-Peter „HaPe“ Franke sitzt neben ihr, ich beobachte die Fahrt von der Rückbank. Fünf Kameras zeichnen die Straße, die Fahrsituation und die Reaktionen im Auto auf.
HaPe ist Fahrlehrer in Hameln und der Mann hinter dem Social-Media-Format Fahrtrainer HaPe. Die Academy Fahrschule Hameln führt ihn aktuell als Fahrlehrer und Social Media Manager. Seine Videos zeigen echte Fahrstunden, schwierige Verkehrssituationen und Fehler, die nicht aus dem Material herausgeschnitten werden. Die Fahrt zeigt, warum diese ungeschönten Lehrvideos funktionieren, wie viel Arbeit hinter einem einminütigen Clip steckt und was öffentliche Sichtbarkeit kosten kann.

Ich bin selbst auf Instagram auf HaPe aufmerksam geworden und habe seine Videos aus der Region regelmäßig verfolgt. Besonders gefreut habe ich mich, wenn ich Orte im Weserbergland wiedererkannte, die durch seine Aufnahmen weit über die Region hinaus sichtbar wurden. Als ich seinen Kamerawagen schließlich auf der Straße sah, wusste ich: Jetzt ist es Zeit, die Geschichte dahinter aufzuschreiben. Meine ausführlichere Reportage erschien am 16. Juni 2025 zuerst in der Dewezet. Zu diesem Zeitpunkt hatten einzelne seiner TikTok-Videos bis zu drei Millionen Aufrufe erreicht.
Von der geschenkten Action-Cam zum Fahrtrainer HaPe
„Ich habe zu Weihnachten eine Action-Cam von meiner Freundin bekommen“, erzählte HaPe mir. Eigentlich wollte er damit schlecht gemachte Lehrvideos aus einer Lernsoftware verbessern und schwierige Stellen in Hameln verständlicher zeigen. Aus diesem überschaubaren Anfang wurde eine Produktion mit fünf Kameras, die er nach eigener Aussage selbst finanziert. „Da lege ich jeden Monat richtig was drauf“, sagte er.
Ihm geht es darum, den Fahrschulalltag so zu zeigen, wie er ist: mit Fehlern, Korrekturen und echten Problemen im Straßenverkehr. Du findest Fahrtrainer HaPe auf TikTok, Instagram, YouTube und Facebook. Aktuelle Followerzahlen sind für diese Geschichte weniger wichtig als der Blick in die Fahrstunde selbst.
Warum die ungeschönten Aufnahmen für Fahrschüler funktionieren
Kimberly absolviert an diesem Vormittag eine Prüfungssimulation. Auf meine Frage, wie es sich anfühlt, regelmäßig gefilmt zu werden, antwortet sie: „Ehrlich gesagt, nehme ich das gar nicht mehr so wahr.“ Und sie ergänzt: „Ich freu mich dann aber auch, mal ein Video zu sehen, wo man selbst zu sehen ist.“
Für Kimberly liegt der Nutzen in der Selbstreflexion. Sie kann Situationen noch einmal ansehen und sich auf schwierige Strecken vorbereiten. In den Kommentaren unter HaPes Videos tauschen sich Fahrschüler aus ganz Deutschland aus, geben sich Tipps und teilen ihre Ängste. Das Elektroauto ist damit tatsächlich eine Art mobiles Klassenzimmer – nur eines, in dem die Fehler sichtbar bleiben.

Fünf Kameras und eine Stunde Schnitt für eine Minute Video
Auf dem Smartphone wirken HaPes Clips direkt und beiläufig. Hinter ihnen steckt Handarbeit. „Mittlerweile habe ich einen Workflow, bei dem ich für ein Video ungefähr eine Stunde brauche“, erklärte er bei unserem Gespräch im Juni 2025. Gemeint war ungefähr eine Stunde Arbeit für einen einminütigen Clip – mit Videoschnitt, Untertiteln und dem Schreiben der Texte.
Auch die Technik ist größer, als das fertige Video vermuten lässt. Die fünf Kameras produzieren umfangreiche 4K-Dateien. HaPe berichtete, dass er dafür einen leistungsfähigen Rechner anschaffen musste. Der Clip ist kurz. Der Produktionsweg ist es nicht.
Der Preis der Sichtbarkeit
Der technische Aufwand ist nur die eine Seite. HaPe sprach auch über Hasskommentare und persönliche Anfeindungen. „Gehatet wird immer von unten nach oben“, sagte er. Nach seiner Schilderung schlug ein Passant bei einem Vorfall mit einem Stock auf das Auto ein. Am Ende sei er selbst angezeigt worden.
HaPe ordnete diese Erfahrung in eine Gereiztheit ein, die er seit der Corona-Zeit verstärkt wahrnimmt. „Die Leute sind extrem schnell auf der Zinne und auch aggressiv.“ Das ist seine Beobachtung aus dem Berufsalltag und dem Netz, keine allgemeine Diagnose. Der von ihm geschilderte Vorfall zeigt dennoch, dass die Schattenseite der Sichtbarkeit für ihn nicht am Bildschirm endet.
Was die Fahrt über moderne Fahrausbildung zeigt
Während der Fahrt sprechen wir auch über B197. Bei unserem Besuch im Juni 2025 schätzte HaPe, dass rund 90 Prozent seiner eigenen Fahrschüler diesen Weg wählten. Das ist seine Einschätzung für seinen Fahrschulalltag zu diesem Zeitpunkt, keine bundesweite Quote.
Bei B197 wird die praktische Prüfung auf einem Automatikfahrzeug abgelegt. Eine gesondert nachgewiesene Schaltkompetenz verhindert die reine Automatikbeschränkung; die Rechtsgrundlage steht in Paragraf 17a der Fahrerlaubnis-Verordnung. Auch zu den Kosten nannte HaPe eine Größenordnung aus seiner damaligen Praxis: Häufig lägen sie bei etwa 3.000 bis 4.000 Euro, einzelne Fälle darüber. Das ist keine allgemeine Preisliste für den Führerschein in Deutschland, sondern sein Einblick aus dem Gespräch im Juni 2025.

Hameln aus der Rückbankperspektive
Für mich war die Fahrt zugleich eine ungewöhnliche Perspektive auf die Rattenfängerstadt. Ich sah Hameln nicht aus dem Reisebus oder beim Spaziergang, sondern von der Rückbank einer Prüfungssimulation: mit Blick auf Straßenführung, Fahrentscheidungen und fünf laufende Kameras. Meine Stunde im Fahrschul-Elektroauto ging viel zu schnell zu Ende.
Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass starke Reisegeschichten nicht erst am anderen Ende der Welt beginnen. Manchmal fahren sie direkt vor der eigenen Haustür vorbei. Und wenn man das Ganze aus dem Reiseblickwinkel betrachtet, hatte ich wohl die exklusivste Stadtrundfahrt überhaupt.
Mein Fazit zur Fahrt mit Fahrtrainer HaPe
HaPes Geschichte funktioniert nicht, weil im Auto fünf Kameras hängen. Sie funktioniert, weil die Aufnahmen Fehler nicht verstecken und weil Menschen wie Kimberly selbst erklären, was ihnen daran hilft. Zugleich zeigt der Blick hinter die Kulissen, wie viel Zeit, Technik und Belastung in einem Clip stecken können, der nach einer Minute schon wieder vorbei ist.
Beim nächsten Besuch in Hameln werde ich deshalb nicht nur nach dem Rattenfänger Ausschau halten. Vielleicht fährt HaPes Kamerawagen wieder an mir vorbei. Würdest du dich bei einer Fahrstunde von fünf Kameras filmen lassen, wenn du die Aufnahme später zur Vorbereitung nutzen könntest?


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