Ein Tag in Rostock: So schön hatte ich die Altstadt nicht erwartet

by Sascha Tegtmeyer | Sep. 10, 2026

Bei einem eher zufälligen Besuch gehe ich in Rostock spazieren. Aus ein paar freien Stunden wird eine überraschend abwechslungsreiche Runde zwischen bunten Giebelhäusern, Stadthafen und grünen Wallanlagen. Mein persönlicher Reisebericht mit Sehenswürdigkeiten, praktischen Tipps und einer ziemlich klaren Antwort darauf, wo ich beim nächsten Besuch mehr Zeit verbringen würde.

Vor dem türkisfarbenen Giebelhaus stehen Palmen und dichtes Grün. Dazwischen leuchten gelbe Blüten, hinter den Pflanzen sitzen Menschen an Cafétischen. Gleich daneben schießen am Brunnen Wasserfontänen aus dem Pflaster. Über den roten, rosafarbenen und hellen Fassaden ziehen große weiße Wolken über einen blauen Himmel. Ich bin mitten in Rostock und muss meine Vorstellung von dieser Stadt gerade ziemlich gründlich korrigieren.

Bunte Giebelhäuser und Brunnen am Universitätsplatz in Rostock
Die bunten Giebelhäuser und der Brunnen machen den Universitätsplatz zu einem der lebendigsten Orte in Rostock.

Bei der Anfahrt hatten wir noch große Wohnblöcke passiert, einige davon auffällig bunt gestrichen. Dazu Straßenbahnen und das großstädtische Straßenbild, das ich mit vielen ostdeutschen Städten verbinde. Auf diese hübschen Plätze und die gepflegten Häuser in der Innenstadt war ich nicht vorbereitet. Hätte ich doch eigentlich wissen können, als Reisejournalist. Nun stand ich da und freute mich umso mehr.

Es war der 9. September 2026. Meine Partnerin Ori hatte einen Termin bei der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern, ich hatte während ihrer Prüfung Zeit für einen Stadtbummel. Warnemünde kannte ich bereits von früheren Besuchen. Diesmal wollte ich herausfinden, was Rostock abseits von Strand und Seebad zu bieten hat.

Für einen Tagesausflug lohnt sich die Innenstadt nach meiner Erfahrung unbedingt. Universitätsplatz, Neuer Markt, Marienkirche, ein Stück Stadthafen und die Wallanlagen ließen sich gut zu Fuß verbinden. Meine liebste Entdeckung lag allerdings zwischen den Giebelhäusern und Caféterrassen. Der Hafen war interessant, hat mich als Ort zum Verweilen aber weniger überzeugt.

Rostock an einem Tag: meine Route durch die Innenstadt

Mein Spaziergang begann nach dem Parken im Parkhaus Am Gericht und führte zunächst zum Universitätsplatz. Von dort ging es durch die Fußgängerzone zum Neuen Markt und zur Marienkirche. Anschließend lief ich über den Burgwall zum Wasser hinunter, am Stadthafen weiter bis zum Eisbrecher Stephan Jantzen und dann zum Aussichtspunkt auf dem Kanonsberg. Zurück ging es am Kröpeliner Tor vorbei durch die Wallanlagen und den Rosengarten.

Zum Nachlaufen lässt sich die Runde so zusammenfassen:

Universitätsplatz → Neuer Markt → Marienkirche → Burgwall → Stadthafen → Eisbrecher Stephan Jantzen → Kanonsberg → Kröpeliner Tor → Wallanlagen → Rosengarten.

Ich habe diese Strecke an einem Nachmittag erkundet, mit Fotostopps und einigen spontanen Richtungsentscheidungen. Für einen gemütlichen Nachbau mit einer längeren Cafépause würde ich etwa drei bis vier Stunden freihalten. Das ist mein Planungsvorschlag, keine gestoppte Gehzeit. Kirchenbesichtigungen, Museen und Warnemünde kämen zusätzlich dazu.

Der große Vorteil dieser Runde war für mich der Wechsel: Nach den Plätzen und der Einkaufsstraße kam das Wasser, anschließend der erhöhte Blick auf den Hafen und zum Schluss ein grüner Weg zurück. Ich musste nicht dieselbe Einkaufsmeile zweimal ablaufen.

Universitätsplatz: Rostock zeigt sich von seiner sonnigen Seite

Am Universitätsplatz hätte ich problemlos länger bleiben können. Die Häuserfronten waren genau mein Ding: kräftiges Rot neben Türkis, geschwungene Giebel, weiße Fensterrahmen und dazwischen immer wieder andere Formen. Unterhalb der Fassaden saßen Menschen draußen, vor mir standen die Figuren im Brunnen. Das war ein Stadtzentrum, in dem ich sofort Lust bekam, mich umzusehen.

Der Brunnen der Lebensfreude trägt einen ausgesprochen passenden Namen. Die Bronzefiguren stehen zwischen den Wasserstrahlen, einige eng ineinander verschlungen. Dass die Anlage im Rostocker Sprachgebrauch auch „Pornobrunnen“ heißt, erklärt sich beim Hinschauen recht schnell. Der Spitzname wird sogar von der Tourismuszentrale aufgegriffen. So viel zur vermeintlich spröden norddeutschen Zurückhaltung.

Noch stärker blieb mir die üppig bepflanzte Caféterrasse am Platz im Gedächtnis. Die gelben Blüten und großen Blätter schoben sich vor die bunten Häuser, fast wie ein kleiner Garten mitten in der Innenstadt. An diesem sonnigen Nachmittag wirkte die Ecke auf mich stellenweise beinahe mediterran. Wohlgemerkt: die Stimmung, nicht das Klima.

Für eine längere Cafépause wäre das genau die Art von Platz gewesen, die ich mir ausgesucht hätte. Die Terrasse und ihre Umgebung machten auf mich einen ausgesprochen schönen Eindruck. Beim nächsten Besuch würde ich hier gezielt mehr Zeit lassen.

Auch zum Bummeln fand ich diesen Teil Rostocks angenehm. Ich konnte durch die Fußgängerzone weitergehen, in Schaufenster schauen oder einfach die Fassaden betrachten. Die Einkaufsmöglichkeiten waren reichlich vorhanden, ohne dass ich meinen Spaziergang deshalb in eine Shoppingtour verwandeln musste.

Neuer Markt: ein Rathaus, bei dem ich gern stehen bleibe

Am Neuen Markt setzte sich die Überraschung fort. Vor mir stand das rosafarbene Rathaus mit seinen hellen Säulen, den Bögen im Erdgeschoss und der Uhr über der Mitte. Darüber ragten die dunkleren Backsteintürmchen auf. Diese Kombination aus freundlicher Farbe und den spitzen, beinahe strengen Formen darüber gefiel mir besonders.

Rosafarbenes Rathaus am Neuen Markt in Rostock unter blauem Himmel.
Das Rostocker Rathaus am Neuen Markt war eine meiner schönsten Entdeckungen in der Innenstadt.

Die unterschiedlichen Gebäudeteile haben tatsächlich verschiedene Ursprünge: Der älteste Teil des Rathauses stammt aus dem 13. Jahrhundert, der barocke Vorbau aus dem 18. Jahrhundert. Ein Teil der gotischen Fassade ist darüber weiterhin sichtbar. Man muss die Baugeschichte nicht auswendig kennen, um diesen Unterschied am Gebäude zu entdecken.

Auf der anderen Seite des Platzes standen wieder helle Giebelhäuser. Davor die Bronzefigur mit ihrem langen Dreizack, dahinter ragten Dach und Türme der Marienkirche auf. Hier lag schon das nächste Ziel sichtbar über den Häusern, und trotzdem war der Platz selbst ein guter Grund, noch nicht weiterzugehen.

Bronzefigur mit Dreizack vor der Marienkirche am Neuen Markt in Rostock
Die Bronzefigur mit ihrem langen Dreizack am Neuen Markt.

Während meiner Runde wirkte die Altstadt stellenweise überraschend ruhig. Ich hatte genug Raum zum Fotografieren und Schauen; das große Gedränge blieb aus. Gleichzeitig waren die Cafés und Geschäfte Teil eines ganz normalen Stadtalltags. Genau diese Mischung fand ich angenehm: Es gab etwas zu sehen und Möglichkeiten zum Sitzen, ohne dass ich mich durch eine Menschenmenge arbeiten musste.

Marienkirche: Bei mir blieb es bei der Außenansicht

Zur Marienkirche ging ich anschließend hinüber. Der große Backsteinbau machte schon von außen etwas her, und ich fotografierte ihn. Für die Besichtigung des Innenraums wurden vier Euro verlangt. Ich entschied mich an diesem Tag dagegen und blieb draußen.

Marienkirche in Rostock mit Backsteinmauern und Türmen unter blauem Himmel
Die Außenansicht der Rostocker Marienkirche.

Mich zog es an diesem Nachmittag stärker durch die Stadt und zum Wasser als ins Kircheninnere. Dafür ließ ich die astronomische Uhr aus, die mir für den Besuch empfohlen worden war. Manchmal reicht mir bei einer spontanen Runde eben ein Blick von außen.

Wer wegen der astronomischen Uhr kommt, sollte das natürlich anders planen. Sie gehört zu den Kunstwerken im Inneren. Die Gemeinde nennt für Erwachsene regulär vier Euro Eintritt, ermäßigt drei Euro; unter 18 Jahren ist der Eintritt frei. Mit den Einnahmen wird ein Teil der Kosten für die Öffnung der Kirche gedeckt. Diese Angaben habe ich im September 2026 geprüft.

Marienkirche in Rostock mit Backsteinfassade und hohen Türmen
Die Marienkirche zeigte sich mir schon von außen als eindrucksvoller Backsteinbau.

Für meine Runde funktionierte die Außenbesichtigung gut. Danach ging ich über den Burgwall Richtung Stadthafen. Nach all den Fassaden wollte ich nun die Warnow sehen.

Stadthafen Rostock: viel Bewegung, aber nicht mein Lieblingsplatz

Unten am Wasser änderte sich der Eindruck deutlich. Hier war mehr los als in den ruhigeren Teilen der Altstadt. Ich sah Boote, Hafenbauten und Speicher, entdeckte Gastronomie und Hinweise auf Schiffsfahrten. Zwischen den unterschiedlichen Gebäuden gab es auch Bereiche, die frisch modernisiert wirkten. Dazu kamen Baustellen und reichlich Verkehr.

Am unangenehmsten fand ich, wie nahe sich Fußgänger und Radfahrer auf den von mir benutzten Abschnitten kamen. Einige Radfahrer waren ziemlich schnell unterwegs. Ich wollte schauen und fotografieren, musste aber gleichzeitig darauf achten, wer gerade an mir vorbeifuhr. Das machte das Schlendern für mich deutlich unentspannter als in der Innenstadt.

Ich kann daraus keine Aussage über jeden Weg am Stadthafen oder jeden anderen Besuchstag ableiten. Auf meiner Runde im September 2026 fand ich das Nebeneinander von Fuß- und Radverkehr stellenweise jedoch wirklich störend. Wer dort ebenfalls fotografiert oder langsam unterwegs ist, sollte mit dieser Nähe rechnen und zum Anhalten einen Platz abseits der Durchfahrt suchen.

Auch die Baustellen prägten meinen Besuch. Der Stadthafen war für mich an diesem Nachmittag eher ein Ort zum Anschauen und Weitergehen als einer, an dem ich mich für längere Zeit niederlassen wollte. Das Wasser allein macht einen Platz eben noch nicht zu meinem Lieblingsplatz.

Die wichtigste Entdeckung war kurzzeitig ein Sanitärhaus

Zwischendurch hatte mein Stadtbummel ein sehr praktisches Problem. Die öffentliche Toilette bei der Marienkirche hatte ich geschlossen vorgefunden, und am Hafen sah ich zunächst ebenfalls keine. Ich war gerade dabei, mich darüber zu beschweren, als weiter vorne ein Schild auftauchte: Toilette.

Vor dem Sanitärhaus war ich erst skeptisch. Dann ging die Tür auf, innen war es halbwegs sauber, und bezahlen musste ich auch nichts. Meine Beschwerde konnte ich also noch während des Spaziergangs zurücknehmen. Die Anlage war bei meiner Nutzung offen und kostenlos; über dauerhafte Öffnungszeiten oder spätere Zugangsbedingungen sagt das selbstverständlich nichts aus.

Am Hafen begegnete mir außerdem ein Fischbrötchenangebot für fünf Euro. Mein inneres Preisschild stand offenbar noch auf 3,50 Euro. Ich ging weiter, ohne eines zu kaufen. Ob es gut gewesen wäre, blieb damit offen — mein kleiner Preisprotest war keine Restaurantkritik.

Eisbrecher und Kanonsberg: Hier wurde der Hafen noch einmal interessant

Mein Wendepunkt am Wasser war der Eisbrecher Stephan Jantzen. Zwischen den großen blauen Hafenkränen lag der dunkle Schiffsrumpf, darüber die weißen Aufbauten und der gelbe Mast. Zusammen mit dem weiten Himmel ergab das einen markanten Anblick. Hier blieb ich für meine Hafenfotos stehen.

Eisbrecher Stephan Jantzen zwischen großen Hafenkränen im Rostocker Stadthafen.
Die Stephan Jantzen zwischen den Hafenkränen im Rostocker Stadthafen.

Das Schiff wurde 1967 gebaut und war bis 2005 im Einsatz. Damit steht am Kai ein Stück tatsächlicher Arbeitsgeschichte, nicht bloß maritime Dekoration. Ich betrachtete und fotografierte die Stephan Jantzen vom Ufer aus.

Von dort fiel mir die Anhöhe mit den Kanonen auf: der Kanonsberg. Ich ging hinauf und bekam noch einmal einen anderen Blick auf das Hafenareal. Vorne lag das dunkle Kanonenrohr auf seiner hölzernen Lafette, dahinter öffnete sich die Aussicht auf Wasser, Segelmasten, Kräne und den Eisbrecher. Dazwischen blieben auch die große befestigte Fläche, geparkte Autos und die Straße sichtbar.

Sascha Tegtmeyer am Kanonsberg in Rostock vor Hafen und Kanone.
Mein persönlicher Blick auf den Stadthafen vom Kanonsberg.

Gerade von oben ließ sich gut erkennen, was ich unten schon empfunden hatte. Das war kein durchgehend gemütlicher Uferspazierweg, sondern ein Hafenbereich mit sehr unterschiedlichen Nutzungen. Als Aussichtsstopp würde ich den Kanonsberg wieder in die Runde einbauen. Ich musste dafür keinen Kirchturm besteigen und konnte von der kleinen Anhöhe noch einmal über den Hafen schauen, bevor ich mich auf den Rückweg machte.

Kanone am Kanonsberg mit Rostocker Stadthafen und Skyline im Hintergrund
Vom Kanonsberg reicht der Blick über die Kanone zum Rostocker Stadthafen.
Sascha Tegtmeyer mit dem Rostocker Stadthafen im Hintergrund.
Mein persönlicher Blick auf den Rostocker Stadthafen vom Kanonsberg.

In diesem Teil der Innenstadt fiel mir auch die Baustelle für das neue Volkstheater auf. Ein fertiges Haus war bei meinem Besuch noch weit entfernt. Der Grundstein war erst am 28. August 2026 gelegt worden. Wie sich dieser Bereich mit dem neuen Theater verändern wird, würde ich mir bei einem späteren Besuch gern ansehen.

Für diesen Nachmittag war ich mit dem Hafen durch. Ich wandte mich wieder der Innenstadt zu.

Blick vom Kanonsberg auf Rostocker Skyline, Stadthafen und Marienkirche
Blick vom Kanonsberg auf Rostocks Skyline und den Hafen.

Wallanlagen und Rosengarten: der schönere Rückweg

Am Kröpeliner Tor wurde aus dem erhofften freien Blick auf das Stadttor leider nichts: Es war bei meinem Besuch eingerüstet. Ich ging am Kröpeliner Tor Center vorbei weiter in die Wallanlagen und kam an einen Teich. Nach dem offenen Hafenareal und den Straßen lag plötzlich wieder Grün um mich herum.

Grüne Böschung in den Rostocker Wallanlagen mit einem Hochhaus im Hintergrund.
Grüne Wallanlagen und Großstadtblick in Rostock.
Weg durch die Wallanlagen in Rostock mit Stadtmauer und Kirchturm im Hintergrund.
Wege durch die Rostocker Wallanlagen an der Stadtmauer.

Diesen Teil der Runde mochte ich sehr. Die Wege passten gut zu meinem Rückweg, und ich konnte noch ein Stück durch den Park laufen, statt einfach wieder dieselbe Einkaufsstraße zu nehmen. Genau solche Übergänge machen für mich den Unterschied bei einem Stadtbummel: Man verlässt die Geschäfte und ist wenig später zwischen Bäumen und alten Mauern unterwegs.

Teich in den Wallanlagen von Rostock im Gegenlicht.
Ein Teich in den Rostocker Wallanlagen auf meinem Rückweg.

Die Wallanlagen sind Teil der früheren Rostocker Befestigung. Ihre Nutzung als Park reicht weit zurück: Die Infotafel vor Ort bezeichnet sie als die ältesten Grünanlagen der Hansestadt und nennt 1836 als Beginn. Sie stehen als Teil der Befestigungsanlagen unter Denkmalschutz. Hier spaziert man also durch einen historischen Stadtraum, der längst eine andere Aufgabe bekommen hat.

Informationstafel zu Geschichte und Regeln der Rostocker Wallanlagen.
Die Informationstafel am Eingang der Rostocker Wallanlagen.

Inzwischen war Ori mit ihrer Prüfung fertig. Für eine weitere große Schleife war damit keine Zeit mehr. Den Rosengarten nahm ich noch im Vorbeigehen mit und fotografierte ihn kurz, dann ging es zurück zur Ärztekammer. Auch dieser flüchtige letzte Eindruck passte gut zu meinem Tag: Rostock hatte mich mit seiner Abwechslung auf vergleichsweise kurzen Wegen überzeugt.

Rosengarten in den Wallanlagen von Rostock mit roten und weißen Rosen.
Der Rosengarten bildete den grünen Abschluss meiner Innenstadt-Runde.

Praktische Tipps für deinen Tagesausflug nach Rostock

Parken in der Innenstadt: günstiger als von mir erwartet

Eine der angenehmsten praktischen Überraschungen war das Parken. Ich hatte das Auto im Parkhaus Am Gericht abgestellt. Der Betreiber WIRO nennt einen Euro für die erste Stunde, zwei Euro für jede weitere Stunde und 15 Euro für die Tageskarte. Das Parkhaus liegt an der August-Bebel-Straße 88 und war für meine Runde ein brauchbarer Ausgangspunkt.

Weil ich lange in Hamburg gelebt habe und von dort auch deutlich höhere Innenstadtpreise kenne, fiel mir das positiv auf. Ich möchte bei einem Stadtbummel nicht ständig ausrechnen, was die nächste halbe Stunde mit abgestelltem Auto kostet. In Rostock fand ich das an diesem Tag angenehm überschaubar.

Beim Vergleichen entdeckte ich außerdem das Contipark-Parkhaus Galerie Rostocker Hof. Dort werden regulär 2,50 Euro je angefangener Stunde berechnet, mit Pcard 1,80 Euro. Der Höchstsatz von 0 bis 24 Uhr beträgt regulär 15 Euro und mit Pcard zehn Euro. Das sind die Angaben dieses konkreten Parkhauses, kein allgemeiner Contipark-Tarif für Rostock.

Alle genannten Parktarife entsprechen dem Recherchestand vom September 2026. Vor einem späteren Besuch lohnt sich ein Blick auf die Angaben des jeweiligen Betreibers, auch zu Zufahrt und Öffnungszeiten.

Zu Fuß unterwegs: auf die Runde beschränken, nicht auf die ganze Stadt

Meine Innenstadtstrecke ließ sich gut zu Fuß erkunden. Ich brauchte zwischen den besuchten Stationen weder das Auto noch eine Straßenbahnfahrt. Daraus würde ich allerdings nicht ableiten, dass sich ganz Rostock auf diese Weise nebenbei besichtigen lässt.

Für diese Runde würde ich bequeme Schuhe wählen: Am Brunnen und am Hafen gab es Pflaster, zum Kanonsberg ging es hinauf, und die Strecke sammelte trotz der kompakten Innenstadt einige Schritte. Eine durchgehend barrierefreie Route kann ich aus meinem Spaziergang nicht bestätigen.

Wer nur wenig Zeit hat, dem würde ich vor allem Universitätsplatz, Neuer Markt und einen Abschnitt der Wallanlagen ans Herz legen. Der Stadthafen ergänzt diese Auswahl um Schiffe und Wasser; er muss aber nicht den größten Teil des Tages beanspruchen. Bei Regen würde ich die überwiegend draußen verlaufende Runde verkürzen und einen Innenbesuch nach persönlichem Interesse einplanen.

Rostock oder Warnemünde? Ich würde die beiden unterschiedlich besuchen

Warnemünde war nicht Teil dieses Nachmittags. Ich kenne das Seebad von früheren Besuchen und habe dort auch schon eine Hafenrundfahrt gemacht. Der Strand, die Restaurants und das ganze Umfeld am Wasser gefallen mir ausgesprochen gut. Für einen längeren Aufenthalt am Meer wäre Warnemünde für mich weiterhin die erste Wahl. Es gehört zu Rostock, bietet mit Strand, Altem Strom und Promenade aber einen anderen Schwerpunkt als die Innenstadt.

Die Frage ist für mich deshalb weniger, welcher Teil grundsätzlich schöner ist. Es kommt darauf an, was ich an diesem Tag machen möchte. Für Strand und Seebadatmosphäre würde ich nach Warnemünde fahren. Für einen abwechslungsreichen Stadtbummel mit Architektur, Geschäften, Cafés und Grün würde ich inzwischen sehr gern wieder Rostocks Zentrum wählen.

Wer einen ganzen freien Tag zur Verfügung hat, kann einen Innenstadtbesuch und Warnemünde grundsätzlich kombinieren. Ich würde dabei allerdings auswählen: lieber die Plätze und Giebelhäuser in Ruhe ansehen und anschließend bewusst ans Meer fahren, als aus der Innenstadtrunde, mehreren Besichtigungen, einem langen Hafenweg und einem Strandbesuch ein Wettrennen zu machen.

Bei meinem nächsten reinen Innenstadtbesuch würde ich die Zeit jedenfalls anders verteilen: etwas weniger am Stadthafen, dafür mehr rund um die schönen Plätze und eine richtige Pause auf einer Caféterrasse.

Mein Fazit: Rostock war viel schöner als gedacht

Im Rückblick fiel mir die Formulierung „ein kleines Hamburg im Osten“ ein. Sie beschreibt meinen persönlichen Eindruck von Hafen, Straßenbahnen und Großstadtleben, nicht die tatsächlichen Größenverhältnisse. Rostock fühlte sich für mich lebendig an und blieb auf meiner Innenstadtstrecke gleichzeitig gut überschaubar. Die ruhigeren Plätze und die belebteren Verkehrsachsen gehörten beide zu diesem Tag.

Am stärksten überzeugt haben mich die gepflegten Fassaden, die bunten Giebelhäuser und die Möglichkeit, mitten in der Stadt draußen zu sitzen oder durch Grünanlagen zu spazieren. Den Stadthafen würde ich wieder als begrenzten Abstecher mitnehmen, vor allem wegen des Eisbrechers und des Blicks vom Kanonsberg. Ein persönliches Highlight zum langen Verweilen wurde er für mich nicht.

Meine spontane Entdeckungstour war trotzdem ein voller Erfolg. Rostocks Innenstadt verdient einen eigenen Besuch und ist für mich mehr als ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Warnemünde. Beim nächsten Mal würde ich schon mit der Aussicht auf diese Plätze und Häuser herfahren — und nicht erst bei der Ankunft feststellen, was ich bisher übersehen hatte.

Die schönste Nachricht des Tages hatte allerdings nichts mit einer Sehenswürdigkeit zu tun: Ori hatte ihre Facharztprüfung bestanden. Ich war mit meinen Fotos und einer deutlich besseren Meinung von Rostock zurück an der Ärztekammer. Jetzt gab es einen guten Grund, die Stadtbesichtigung zu beenden.

Besuch am 9. September 2026. Reisebericht und Fotos: Sascha Tobias Tegtmeyer. Preisangaben und ergänzende Sachinformationen: Recherchestand September 2026. Baustellen, Gerüste und Toilettenzugang beschreiben die Situation während meines Besuchs.


Über Sascha Tegtmeyer

Über Sascha Tegtmeyer

Reisejournalist, Autor und Gründer von Just Wanderlust

Ich schreibe auf Just Wanderlust aus eigener Reiseerfahrung über Orte, Meer und Outdoor-Abenteuer. Mehr über mich und meine Arbeit.

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