Tauchen in der Ostsee: Scharbeutz ante portas

Tauchen in der Ostsee: Über den Strand gehts ins Wasser. Foto: Sascha Tegtmeyer
Tauchen in der Ostsee: Über den Strand gehts ins Wasser. Foto: Sascha Tegtmeyer

Warum immer in der Ferne tauchen, klasse Tauchspots liegen doch so nah. Die Ostsee ist taucherisch sicher kein unbeschriebenes Blatt. Wir berichten über unseren unglaublichen ersten Tauchgang in der Ostsee beim angesagten Ferienort Scharbeutz – ante portas – quasi vor unserer Haustür.

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Ich hatte meinen ersten Tauchgang in der Ostsee von langer Hand geplant: Nach dem Umzug von Hamburg nach Scharbeutz ans Meer war für mich klar, dass die große blaugrüne Wasserfläche vor unserer Haustür baldigst betaucht und entdeckt werden sollte – und so zogen die Wochen dahin, denn das Wasser war noch recht frisch. Für einen bekennenden Tropentaucher wie mich gab es jedes Wochenende aufs Neue eine Ausrede, noch etwas länger mit der ersten UW-Tour zu warten. Dabei liegt das betauchbare Meer nicht nur buchstäblich vor unserer Haustür, sondern Ostsee und Nordsee im bildlichen Sinne. Ein Nahziel, für das Mann nicht um den halben Planeten fliegen muss. Klar, Tauchen in der Ostsee ist nicht Tauchen auf den Malediven oder in Raja Ampat. Aber es ist etwas – etwas unheimlich Gutes.

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Der Bose QC35 ist dank seiner Geräuschreduzierung einer der besten Kopfhörer für die Reise. Foto: Bose
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Erster Ostseetauchgang bei Scharbeutz: Unverhofft kommt oft

Manchmal ergeben sich die besten Gelegenheiten einfach durch Zufall: Bei einer Stand-Up-Paddle-Tour zwischen Scharbeutz und Haffkrug am Samstag Abend stürzt durch einen tragischen Zufall mein Handy ins Meer. Alle Versuche, das teure Smartphone, das sich in einer wasserfesten Schutzhülle befindet, aus dem Meer zu angeln, scheitern. Einmal nicht aufgepasst, sehe ich das Hightech-Gadget nur noch in den grünlichen Fluten versinken. Das Gerät liegt in der trüben, kalten Ostsee in knapp sieben Metern Tiefe am Grund. Ob es sich jemals wiederfinden lässt? Unter den Bedingungen absolut unrealistisch. Also brauchte ich möglichst schnelle Hilfe, denn es war nur eine Frage der Zeit, bis das technische Gerät am Grund der Ostsee hoffnungslos verloren wäre.

Stand up Paddler auf der Ostsee: In Sicherheitstipps für Paddler wird empfohlen, immer eine Schwimmweste und ein Smartphone in einer Dryback dabeizuhaben, um im Notfall Hilfe rufen zu können. Foto: Sascha Tegtmeyer
Stand up Paddler auf der Ostsee: In Sicherheitstipps für Paddler wird empfohlen, immer eine Schwimmweste und ein Smartphone in einer Dryback dabeizuhaben, um im Notfall Hilfe rufen zu können. Foto: Sascha Tegtmeyer

Smartphone versenkt: Hilfe kommt von der Tauchbasis in Scharbeutz

Nicht weit vom Ort des Geschehens entfernt liegt am Rande von Scharbeutz die Tauchbasis Tauchenostsee, mit der ich schon per E-Mail, aber noch nicht persönlich über meinen ersten Tauchgang in der Ostsee sinniert hatte. Zum Glück erwische ich am frühen Abend direkt Oliver Volz, den Chef des Tauchcenters, der mir direkt nach einem leichten Schmunzeln über meinen Fauxpas mit Rat und Tat zur Seite steht. “Wir werden häufiger nach solchen Suchen-und-Bergen-Aktionen gefragt”, berichtet der Inhaber der Tauchbasis. Das Team hat sogar schon einen winzigen Ehering aus einem Hafenbecken geborgen. Deshalb ist auch das Ziel ganz klar: Wir wollen gemeinsam das teure Smartphone wieder vom Grund der Ostsee bergen. Tauchlehrer Olli stellt mir dafür zwei ganz erfahrene Taucher aus seinem Team zu Seite: Jessy und Andreas kennen nicht nur die Ostsee wie ihre Westentasche, sondern haben auch schon einige Erfahrungen darin, verloren gegangene Gegenstände wieder aus dem Wasser zu bergen.

Tauchen in der Ostsee: Über den Strand gehts ins Wasser. Foto: Sascha Tegtmeyer
Tauchen in der Ostsee: Über den Strand gehts ins Wasser. Foto: Sascha Tegtmeyer

Das erste Mal Tauchen in der Ostsee: Suchen und bergen – und einen klasse Tauchgang genießen

Am folgenden Sonntag in aller Frühe treffe ich mich mit den beiden erfahrenen Tauchern. Nachdem ich noch einmal rekapituliert hatte, wo das Smartphone verschollen ist, war mir klar geworden, dass sich das Gerät praktisch nicht mehr wieder finden lassen würde. Zu tief liegt es, zu schlecht ist die Sicht und zu große ist der Suchradius, den ich im Nachhinein noch eingrenzen konnte. Aber während wir zur Tauchstelle zwischen Scharbeutz und Haffkrug fahren, machen mir Jessy und Andreas Mut: “Wir werden Suchmuster tauchen und das Gebiet, in dem das Gerät liegen könnte, komplett absuchen!” Verkündet Jessy. Tauchlehrer Olli fährt uns mit einem der Autos des Dive Centers zum Spot, so dass wir uns bequem in der Nähe des Strandabschnitts anziehen und vorbereiten können. An diesem Junimorgen ist es schon richtig warm und die Sonne knallt, sodass wir in unseren Tauchanzügen schnell anfangen zu kochen. Wir sprechen an Land die Route unserer Suchaktion ab und versuchen schon von der Wasseroberfläche aus, das Gebiet möglichst stark einzugrenzen. Anschließend geht es in voller Montur mit Kompass und Unterwasserkamera bewaffnet über den Strand. Die Strandbesucher schauen sehr skeptisch zu, als sie uns mit unserer Ausrüstung ins Wasserstiefeln sehen und machen sogar Fotos von uns, als wären wir vom andern Stern. Die Ostsee ist ja bekanntermaßen sehr flach und deshalb haben wir auch allzeit unsere Boje im Schlepptau und sprechen uns sogar noch mit dem Jet-Ski-Verleih ab, damit er einen großen Bogen um uns macht.

Die Ostsee unter Wasser: Das hat Potential!

Bevor wir abtauchen können, müssen wir erst mal eine ganze Weile ins Wasser stiefeln uns noch ein bisschen rauspaddeln. Denn zwei Meter Wassertiefe sollte das Meer schon haben, bevor wir ins blaugrüne, erfrischende Wasser eintauchen. Und das hat wirklich Potenzial! Schon nach wenigen Sekunden unter Wasser bin ich ganz begeistert von dem leicht trüben, grünlichen Wasser, das war eine ganz besondere Stimmung erzeugt und eine unglaubliche Ruhe auf mich ausstrahlt. Der Grund ist voller verschiedener Muscheln und aus dem Boden wächst Seegras im Sträuchern, um das sich häufig verschiedene Muscheln und Seesterne gruppieren. Überall auf dem Boden laufen Krebse umher, die wild durcheinander wuseln – in allen Größen, Farben und Formen. Auf dem Meeresboden ist richtig was los, das hätte ich gar nicht gedacht!
Wir beginnen ein Muster zu tauchen. Um ein Haar hätte ich vergessen, dass wir ja eigentlich auf einer Mission sind. Wir drei tauchen nebeneinander her, während Jessy und Andreas mit ihren Kompassen die Richtung vorgeben. Wir tauchen erst vom Ufer weg in Richtung offener See, so dass es immer tiefer und kühler wird. Auch die Landschaft ändert sich, je weiter wir nach draußen tauchen. Sind wir am äußeren Rand unseres Suchfelds angekommen, machen wir einen U-Turn und tauchen wieder zurück Richtung Strand. Deswegen heißt das Suchmuster, das wir tauchen, auch “U”. Es gibt ja demgegenüber auch noch weitere Suchmuster wie Kreise oder Zick-Zack-Muster.

Mit Kompass voran: Um einen Gegenstand zu finden, taucht es sich am besten mit einem Suchmuster. Foto: Sascha Tegtmeyer
Mit Kompass voran: Um einen Gegenstand zu finden, taucht es sich am besten mit einem Suchmuster. Foto: Sascha Tegtmeyer

Die Suche am Ostsee-Grund scheint erfolglos

Auf diese Weise mit tauchen wir den kompletten Grund innerhalb unseres Suchfelds Ab. Hin und wieder schweife ich sogar komplett ab und erwische mich, wie ich mich rein mit der Unterwasserwelt beschäftige und gar nicht mehr nach dem Smartphone schaue. Mir wird während des Tauchgang klar: Wir suchen die Nadel im Heuhaufen und werden keinen Erfolg mehr haben mehr haben. Jessy und Andreas sehen das offensichtlich anders und nachdem wir fast 2 Stunden unter Wasser sind, greift Jessy beherzt in den Meeresgrund und zieht die Tasche mit meinem Smartphone aus dem Sand, die schon fast völlig mit Sediment überdeckt war. Das glaube ich jetzt nicht! Denke ich. Geschafft! Mission erfolgreich! Ich könnte vor Freude wie ein Delfin aus dem Wasser hüpfen! Nachdem wir das Gerät wieder gefunden haben, nehmen wir uns sogar noch ein bisschen Zeit, den Tauchgang zu genießen. Wir beobachten Krebse und einige kleine, frisch geschlüpfte Hornhechte, die sich zwischen dem Seegras verstecken. Nach fast zwei Stunden unter Wasser sind wir völlig unterkühlt, aber stolz aus dem Meer zurück. Das war mein längster Tauchgang aller Zeiten – und der erste in der Ostsee!

Mein erster Ostsee-Tauchgang: Das war erst der Anfang!

Nach dem Tauchgang marschieren wir stolz dank unseres Erfolgs zurück über den Strand auf die Promenade. Dort können wir uns in Ruhe und bequem demontieren, bevor Tauchbasis-Chef Olli uns wieder aufgreift und wir zurück in die Basis fahren. Der Standort des Centers ist in bester Lage direkt am Strand an der Strandallee. Ein Schild mit einem Taucher und eine große SSI-Flagge weisen sofort auf die gemütliche Basis hin. Der Basis-Inhaber freut sich mit uns über den Erfolg. Als erfahrener Taucher kennt er sich aus mit Spezialeinsätzen unter Wasser: “Ich unterstütze seit vielen Jahren den Filmdreh der “Küstenwache”, einer TV-Serie. Wir helfen dem Team bei den Unterwasseraufnahmen in Neustadt, das nur einige Kilometer entfernt liegt. Oder wir führen selbst die UW-Aufnahmen durch”, berichtet der Tauchlehrer.

So lange taucht man ja eher selten: Fast zwei Stunden waren wir auf der Suche nach dem verschollenen Smartphone – und wurden fündig! Foto: Sascha Tegtmeyer
So lange taucht man ja eher selten: Fast zwei Stunden waren wir auf der Suche nach dem verschollenen Smartphone – und wurden fündig! Foto: Sascha Tegtmeyer


Mein Fazit nach dem ersten Ostsee-Tauchgang ist klar: Das ist große Klasse! Die Ostsee hat was. Und wie mir Olli berichtet, ist die See auch sehr vielseitig: “Viele Wracks gibt es zu entdecken. Einige davon sind sogar noch unerforscht!” Ich bin mir jedenfalls sicher: Das war mein erster und ganz sicher nicht mein letzter Tauchgang in der Ostsee! Der Sommer fängt grade erst an und es warten entlang der Küstenlinie noch haufenweise spannende Spots darauf, entdeckt zu werden! Fehlt eigentlich nur noch, dass die Ostsee-Delfine uns beim Tauchen begleiten. Ich werde von meinen weiteren Avancen in diesem tollen, spannenden Meer berichten.

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